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SCHNELL UND SEHR LUSTIG: Sascha Korf ist derwohl witzigste Improvisationskomiker Deutschlands –und ein Star des Kleinen Fests.

SCHNELL UND SEHR LUSTIG: Sascha Korf ist der
wohl witzigste Improvisationskomiker Deutschlands –
und ein Star des Kleinen Fests.

Fest

Viel zu entdecken beim Kleinen Fest im Großen Garten

Manolo Alcántar wuchtet Holzkisten aufeinander. In einem Rund, das mehr aussieht wie eine Halde als eine Manege, entsteht ein vom Einsturz bedrohtes Gebilde. Dann beginnt Alcántar zu tänzeln, nicht auf einem Seil, sondern einer rostigen Stange.

Hannover. Aus Müll entsteht Poesie. Wenn man dann alle Sinne einschaltet, den katalanischen Artisten betrachtet, noch den Duft vom Moccamaker in der Nase, das Lachen von fernen Bühnen im Ohr, dann ist man ihm nah: dem Zauber des Kleinen Fests im Großen Garten, das jetzt mit einem Tag Verspätung (die Premiere musste am Mittwoch wegen Regens abgesagt werden) wieder begonnen hat - und begeistert.Alte Bekannte sind da bei dem Kleinkunstspektakel in Herrenhausen, wie der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy, ohne den für viele ein Kleines Fest kein Fest wäre, oder jene atemberaubenden kenianischen Artisten, die im vergangenen Jahr als Black Blues Brothers auftraten und sich jetzt Jambo Brothers nennen. Vor allem aber tummeln sich viele Neulinge auf den 35 Bühnen: zum Beispiel die Gruppe Knaoniew aus Laos, die mit ganz einfachen Mitteln und urtümlichem Puppentheater verzaubern, der hintersinnige Klavierkabarettist Johannes Kirchberg oder die Chaos-Akrobaten vom Hopla-Circus aus Belgien. „28 von den 51 Ensembles waren noch nie da“, sagt Kleines-Fest-Erfinder und -Macher Harald Böhlmann.

Viele Traumtänzer sind dabei. Jochen, der kleine ferngesteuerte Elefant auf dem Fahrrad, fährt entlang an verrückten Hutmachern, an einem Auto, dessen Inneres unter Wasser gesetzt ist und von einer lebensechten Puppe mit Schnorchel gelenkt wird, vorbei an einer überdimensionalen Laterna Magica und an einem Vorlesezimmer.

Hier trägt Claudia Schnürer einzelnen Besuchern Gedichte passend zu einem gewünschten Stichwort vor. Und so sitzt man denn inmitten dieses grandiosen Trubels, Auge in Auge mit der Vorleserin zum Thema „Ruhe“, hört vielleicht diese Worte: „Ach, ich liebe, wie still diese Antwort ist. Komm an diesen Tisch aus Stille.“ Aus dem 13. Jahrhundert stammen diese Worte, vom persischen Mystiker Rumi, und sie berühren auf ganz archaische Weise noch heute.

All das leistet dieses Fest: Es geht um Lachen und Weinen, Rührung und Überwältigung, um die Bedürfnisse des Menschen, auch um ganz profane - es ist kein Zufall, dass so viele Besucher Speisen und Getränke mitbringen, sich zusammenfinden, neue Freunde treffen und alte Bekannte, unter den anderen Gästen und unter den Künstlern.

Sascha Korf, dieser famose Improvisationskomiker, ist über die Jahre vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten avanciert. Auf seiner Bühne erzählt er ein Märchen - in das er rasend schnell und urkomisch Stichwörter einbaut, die ihm zuvor das Publikum zugerufen hat. Als Stichwortgeber sucht er einen Internisten aus, der mit seinem Mann da ist, einem Psychiater. „Das kann man nicht besser erfinden“, sagt Korf amüsiert: „Ihr schaut beide den Leuten ins Innerste.“

Und da ist es vielleicht endlich, das Geheimnis dieser Abende: Hier ist man Mensch, hier kann man es sein - im Kleinen wie im Großen. Kurzum: beim Kleinen Fest im Großen Garten.

Bewertung: 5/5

Info

Die weiteren Termine: Das Kleine Fest im Großen Garten findet in diesem Jahr noch von heute bis Sonntag, vom 19. bis 24. Juli und vom 27. bis 31. Juli statt. Einlass ist jeweils ab 17.15 Uhr, Begrüßung um 18.10 Uhr. Die Programme auf den 35 Bühnen beginnen um 18.30 Uhr.

Wie immer war die Kartennachfrage weit größer als das Angebot. Bei dem inzwischen üblichen Vorbestellverfahren mit Verlosung kamen auf 53 000 verkäufliche Karten 284 000 Ticketwünsche – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um noch einmal elf Prozent.

Immerhin werden wie in der Vorjahren pro Abend 200 Karten an den Kassen für spontane Besucher zurückgehalten. Die kosten 30, ermäßigt 17 Euro. Kinder mit einer Größe bis zu 111 Zentimetern haben freien Eintritt.

Das komplette Programm gibt es in gedruckter Form für drei Euro an der Abendkasse und der Vorverkaufskasse im Künstlerhaus. www.kleinesfest-hannover.de


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