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Ballett

Viel Beifall für „Alice“-Ballett in der Oper

Mit dem weißen Kaninchen durch Märchenwelten tanzen: Das Ballett „Alice im Wunderland“ hatte im Opernhaus Premiere – und dürfte der Renner nicht nur zur Weihnachtszeit werden.

Das „Wunderland“-Ballett fordert das Ensemble.

© Weigelt

VON HENNING QUEREN

Manchmal ist es im Ballett wie im großen Kino, man freut sich einfach an wunderschönen Bildern. Im Bühnenhintergrund kippt ein gigantischer Spiegel in leichte Schräglage, der Bühnenraum ist wasserblau illuminiert, projizierte Gischt schäumt auf, und Alice tanzt in gleich siebenfacher Ausführung durch den unendlich scheinenden See der Tränen, die sie selbst geweint hat.

Wer magische Momente im Tanz mag, ist hier richtig. Jörg Mannes hat das Weltmärchen „Alice im Wunderland“ in eine bildschöne Choreografie verwandelt, die die vielen seit Kindertagen bekannten Motive und Figuren aufnimmt. Los gehts, klar, mit dem weißen Kaninchen, das immer keine Zeit hat und mit seiner Taschenuhr schon vor Beginn der Vorstellung durchs Parkett wieselt.

Und Alice den Weg ins Wunderland zeigt, wo sie ebenso klein wie riesengroß wird. Und das geht tatsächlich, einen Hauptpart spielt an diesem Abend die Lichtregie (Elana Siberski), die mit verblüffenden Schattenspielen Alice klein wie eine Maus oder ihre Mittänzer fünf Meter monsterhoch erscheinen lässt. Hier in diesem Wunderland ist alles möglich.

Auch, dass es nicht nur eine Alice gibt, sondern gleich sieben – ein hübscher Kunstgriff, wenn einer der Alicessen fast unerkennbar von einem Mann getanzt wird und zeigt, was das kleine Mädchen doch für Kräfte entwickeln kann.

Vielleicht schönster Moment ist der Tanz durchs Buchstabenuniversum: Unzählige Lettern wirbeln wie ein Schneesturm dreidimensional durch den kompletten Bühnenraum und um die Tänzer herum. Ebenfalls mittels Videoprojektion (Philipp Contag-Lada) robbt später die Raupe über einen tropenbunten Bühnenboden.

Und manchmal reicht auch einfach ein simpler Zerrspiegel. Meistens spielt die Choreografie mit den einfachen Dingen, die bei genügend kindlicher Betrachtung sich in ein Wunder verwandeln können. Der Frosch hat bloß eine grüne Kappe auf, die Raupe ist ein riesiger gelber Strumpf, das Kaninchen ist an seinen winzigen Ohren zu erkennen. Und des verrückten Hutmachers übergroßer Zylinder (der wie eine Matrjoschka immer kleiner werden kann) bringt die kleinsten Zuschauer schon beim ersten Anblick zum Lachen.

Die Musik kommt (meist) von Eric Satie. Die traumhaft ruhigen „Gymnopediés“ (von Orchester und Klavier) tauchen immer wieder als Leitmotiv auf, hier beginnt das Märchen. Saties Neoklassik bringt dann die Energie ins Wunderland, treibt die Spielkarten zu akrobatischen Sprüngen und untermalt später den Trauermarsch der verurteilten Kreuz-Bube und Herz-Acht. Der Tanz ist überwiegend illustrativ, stimmig und passend zur Märchenwelt. Auf echte Hauptpartien hat Jörg Mannes verzichtet, die Hauptrolle spielt hier das gesamte Ensemble.

Und dass im Wunderland unendlich und unendlich viel Tee getrunken wird, daran erinnern dann beim Nachhausegehen die kleinen apfelroten Papiertütchen zum Mitnehmen mit der nachvollziehbaren Aufforderung „Trink mich!“ für die Alice-Tea-Party zu Hause – um den Abend noch ein wenig nachzuschmecken.

Dem Publikum hat alles geschmeckt. Riesenjubel, mehr als zehn Minuten Applaus und viele Bravos für die Techniker, Ballettchef Jörg Mannes und Dirigent Toshiaki Murakami. Zu Weihnachten dürften die Karten knapp werden.

Bewertung: 5/5


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