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Kultur Valer Sabadus beim Köthener Bachfest
Nachrichten Kultur Valer Sabadus beim Köthener Bachfest
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19:03 02.09.2018
Erfolg: Terry Wey, Valer Sabadus und Hana Blazikova in der Kirche St. Jakob Quelle: Queren
Köthen

Dem Meister dienen, an einem Ort, den seine Gegenwart geheiligt hat. Und (fast) nur mit seinen Werken. Das ist das Bayreuth-Prinzip. Was sich auch auf Johann Sebastian Bach anwenden lässt und Köthen, die kleine Stadt in Sachsen-Anhalt, alle zwei Jahre zu einem Bach-Bayreuth werden lässt.

Und dabei immer wieder überrascht. Durch besondere Werk-Kombinationen, spezielle Präsentationsformen, gut aufgelegte Spielvereinigungen und äußerst selten gehörte Sachen. Das zieht europaweit. In den Konzertpausen hört man französisch, englisch und deutsch mit Wiener Einschlag.

So ein Festival wie die Bach-Festtage kann natürlich nur existieren, wenn es die gewissen Extras liefert, Werke, die sonst nie zu hören, Künstler von Weltrang, die zu hören man schon einige Mühe auf sich nehmen muss.

In diesem Jahr kam beides zusammen. Das berühmte „Stabat Mater“ von Pergolesi und die beiden international gefragten Countertenöre Valer Sabadus und Terry Wey bildeten den diesjährigen Höhepunkt des Köthener Bachfestes. Katholische Pracht in protestantisch strenge Schönheit umgeschmolzen – Bach hatte sich das „Stabat Mater“ vorgenommen und mit deutschem Text und neuer Bratschenstimme versehen, bei den Noten wurde alles Vage exakt fixiert – Bach als Kontrollfreak. Statt um die „Schmerzensreiche Mutter“ geht es hier um „Tilge, Höchster, meine Sünden“. Und die Sänger haben nicht mehr so viele Möglichkeiten, stimmlich im positiven Sinne zu sündigen, nämlich individuell zu gestalten.

Was aber auch nicht sein muss, wenn die Messe so absolut schön gesungen wird wie bei diesem Gipfeltreffen der Countertenöre. Das dürfte zur Zeit unübertroffen sein, wie sich die Stimme von Valer Sabadus im „Sancta mater“ in die Höhe schwingt, unterstützt und in den Konturen abgerundet durch den üppigen Hall der Weite der Kirche – so klingt die Unendlichkeit. Auch als Duo Sabadus/Wey dürften die beiden konkurrenzlos sein, auch in Sachen Phrasierung, Deklamation und nicht zuletzt Stimmfarbe (wenn man an die zahllosen Männer-Frauen- oder Frauen-Frauen-Kombis denkt, die für Pergolesi aufgeboten werden): bewegliche, schlank geführte Stimmen und ein entsprechendes Orchester, das dirigentenlos umso aufmerksamer begleitete, so muss ein Bach-Pergolesi klingen.

Solche Konzerte stehen auch für die besondere Köthener Form der Präsentation – vorweg das 1. Brandenburgische Konzert, das Bach auch bei seiner Kantate „Falsche Welt“ (gesungen von Hana Blazikova, Ensemble Cinquecento) wiederverwendet hatte. Beiden waren der Rahmen fürs Bach-“Stabat Mater“. Das Köthener BachKollektiv (Leitung: Midori Seiler) hielt wunderbar die Balance von Gruppe und Einzelinstrument, der Klang blieb trotz des kirchlichen Hallschleiers ausreichend durchsichtig. Ein Abend, der den Besuch in Köthen in jeder Hinsicht lohnte.

Eine Stadt, die zeigt, dass Bach durchaus kurzweilig sein kann – denn hier gibt es als Spezialität die Kurzkonzerte, Bach-Extrakte gewissermaßen, auf höchstem musikalischen Niveau, für acht Euro, 20 Minuten – und fertig. Wer Appetit auf mehr hat, kann sich so ein ganzes Menü zusammen stellen.

Von Henning Queren

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