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FINDER UND FORSCHER: (v. li.) 
Kunsthändler Josef Renz, die Chemie
professoren Robert Lehmann und Franz
 Renz. Das kleine Bild zeigt die Analyse.

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Kunst

Uni Hannover: Der Klimt ist echt

Chemie-Experten der Leibniz-Uni bestätigen umstrittenes Gustav-Klimt-Werk aus Österreich.

Hannover. Von Beruf ist Franz Renz Professor für Anorganische Chemie, seit 2008 an der Leibniz-Universität Hannover, und hat in dieser Eigenschaft schon Gesteinsproben vom Mars für die Nasa untersucht. Nun aber ist er ein Sachverständiger in einem Kunstkrimi, wie er im Buche stehen könnte. Mit einer Pressekonferenz mit Kulturministerin Johanna Wanka soll dieser heute in Hannover seinen vorläufigen Abschluss finden: Ein verschollenes und aufgefundenes, umstrittenes Gemälde wurde von den Experten der Leibniz-Universität als Werk von Gustav Klimt verifiziert. „Der trompetende Putto“ war im Sommer in einer Garage in der Nähe von Linz in Oberösterreich entdeckt worden. Der Finder hatte Franz Renz’ Bruder Josef Renz in Wilhelmburg, Niederösterreich, darüber verständigt. Der ist gelernter Kunsttischler und Restaurator und gilt in Österreich in Sachen Kunst und Antiquitäten als „Jäger verschollener Schätze“, wie sein Bruder sagt. Der erkannte in dem runden, im Durchmesser 170 Zentimeter großen Gemälde das von ihm gesuchte Deckenbild, das einst das Atelier von Gustav Klimt in der Sandwirtgasse 8 in Wien-Mariahilf geziert hatte. Dort habe Klimt mit seinem Bruder Ernst und Franz Matsch von 1883 bis 1892 gewohnt, so der Kunsthändler. Vor einigen Jahren musste das Rundbild einem Lift weichen, seither gelte es als verschollen.

Doch kaum hatte Renz seinen Fund Mitte Juli präsentiert, gab es Gegenreden. Das Gemälde geistere seit den 60er Jahren als Werk von Gustav Klimt durch die Medien, sagte der Klimt-Experte und Vizedirektor des Wiener Belvedere Alfred Weidinger dem ORF: „Man versucht immer wieder, das Bild anerkennen zu lassen.“ Es sei „eine reine Dekorationsmalerei und eine schlechte noch dazu“ und stamme von Franz Matsch und Ernst Klimt: „Es haben sich Vorstudien erhalten“, die Zuordnung sei eindeutig.

Das aber wollte Kunstkenner Josef Renz nicht gelten lassen - und so kam sein Bruder, der Chemieprofessor Franz Renz, ins Spiel. Dessen Institut an der Leibniz-Universität Hannover hat einen Kooperationsvertrag mit dem Landesdenkmalamt und untersucht Artefakte und auch Bilder in dessen Auftrag. Es ist also prädestiniert für eine Kunstwerkanalyse und durchleuchtete das umstrittene Gemälde mit verschiedenen Techniken: „Es war komplett von einem, ich würde sagen, Laien übermalt worden“, so Naturwissenschaftler Renz, „unter der obersten Schicht liegt eine weitere - und die sieht deutlich anders aus als die plumpe Übermalung.“ Eine optische Begutachtung sei daher erschwert gewesen, erst der naturwissenschaftliche Blick „hinter die Fassade“ habe Klarheit gebracht.

Etliche Experten waren beteiligt, darunter Robert Lehmann, ebenfalls Professor am Institut für Anorganische Chemie, sowie das Landeskriminalamt. Ihr Befund wird heute ab 14.45 Uhr in der Leibniz-Universität präsentiert. Das Ergebnis meldeten sie vorab: „Der trompetende Putto“ ist ein echter Gustav Klimt.

BRÜDER KLIMT

Gustav Klimt wurde im vergangenen Jahr groß gefeiert, zum 150. Geburtstag. Er war 1862 bei Wien geboren worden und starb 1918 in Wien (Foto von 1912). Er studierte an der k.u.k. Kunstgewerbeschule und avancierte zum Protagonisten des Wiener Jugendstils; seine Gemälde sind bis zu mehr als 100 Millionen Euro wert, das berühmteste ist „Der Kuss“.

Sein Bruder Ernst Klimt, eineinhalb Jahre jünger, besuchte auch die Kunstgewerbeschule, doch sein Werk als Maler blieb schmal, er starb mit nur 28 Jahren.

Chemiker Franz Renz im NP-Interview: „Für mich ist es ein Schatz“

Wie haben Sie untersucht? Entnehmen Sie dem Bild etwas?

Nein, wir tasten das Bild nicht an. Das wird mittels Computertomografie schichtweise vermessen. Sollten sich dabei kleine Farbpartikel lösen, untersuchen wir die natürlich, aber das kann man heute alles vollkommen zerstörungsfrei durchmessen.

Was haben Sie gemessen?

Den Aufbau der Atome, welche Atome darin sind, an welcher Stelle und wie die verknüpft sind. So erhalten wir eine ziemlich genaue Vorstellung, was mit dem Bild geschehen ist. Natürlich können wir nicht alle Geheimnisse lüften. Aber wir können das Bild zum Beispiel zeitlich datieren.

Gustav Klimt und sein Bruder Ernst lassen sich aber kaum durch eine zeitliche Datierung unterscheiden, oder?

Das ist richtig, aber man sieht auch, wie das Bild gemalt wurde: Es wurde erst der Putz aufgetragen und dann die Farbe eingebracht, es ist also ein Secco, kein Fresko, keine Nassmalerei. Das ist eine Technik, die von Ernst Klimt in keiner Weise bekannt ist. Von Gustav Klimt allerdings gibt es ein Werk von 1902, das Beethoven-Fries, das heute in der Secession in Wien steht, bei dem er eine sehr, sehr ähnliche Technik verwendete. Sein Bruder war da schon zehn Jahre tot, er starb 1892. Die Technik ist ein Beispiel für die Fakten, die wir Wissenschaftler analysieren können.Den Schluss muss dann ein Kunsthistoriker ziehen.

Sie haben eine Übermalung entdeckt und auch abgetragen?

Wir können mit den Untersuchungen genau feststellen, wie die oberste Schicht aussieht im Vergleich zur untersten, und dann chemische Methoden einsetzen, um die oberste Schicht abzutragen. Und darunter kommt wirklich eine wunderbare Sache zum Vorschein. Ein Teil wurde freigelegt, das zeigen wir bei der Pressekonferenz erstmals: das wahre Gesicht dieses Klimt-Werkes.

Es soll aber keines der stärkeren Werke sein?

Ich würde sagen: Das liegt im Auge des Betrachters. Für mich ist es eine Sensation, ein Schatz erster Klasse – ich hätte nie gedacht, dass ich einem Klimt jemals so nahe kommen darf.


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