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Kultur Umbo im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Umbo im Sprengel Museum
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00:21 11.02.2019
Starke Frau: „Rut Maske“ heißt die 1927 entstandene Aufnahme von Umbo.
Hannover

Das waren schon starke Frauen damals, die Zigarette lässig im Mundwinkel, Bubikopf. Hinter Masken verborgen mit einem geheimnisvollen Lächeln. Oder mit einem gezückten Degen, bereit, für die eigene Zukunft zu fechten – die It-Girls von Berlin-Babylon standen ihm Porträt.

„Umbo. Fotograf“ heißt die üppig bestückte Superschau im Sprengel Museum. Hier kann man Eintauchen in die eher wilden als goldenen Zwanziger ebenso wie in die bundesdeutsche Nachkriegstristesse.

Umbo war ein Jahrhundertfotograf, er lernte am Bauhaus, war rasender Fotoreporter im Berlin der 20er und 30er Jahre, lebte seit Kriegsende bis zu seinem Tod 1980 in Hannover: Otto Maximilian Umbehr, 1902 in Düsseldorf geboren, hat Ikonen der Großstadtfotografie erschaffen, die Reportagefotografie entscheidend geprägt.

Mehr als 200 Fotos zeigen in konzentriert-sachlicher Hängung auch die Serien Umbos, von Artisten, von Hinterhofarmut, den berühmten Clown Grock, Maschinenästhetik und die berühmten Schaufensterpuppen. Das alles neben aufregenden Experimenten, als Umbo mit einer Himmelskamera zentral von unten Kartenspieler und Schnapstrinker ablichtete oder in faszinierenden Close-ups mit der Kameratechnik spielte.

Ein Bombenangriff 1943 zerstörte sein Lebenswerk, sein Berliner Labor, Atelier und Archiv mit Tausenden von Aufnahmen. Noch 600 Fotos umfasst der Nachlass.

Umbo musste kämpfen. Für seine Fotografie. War im Widerstand gegen die Nazis und Kommunist. Und konnte nicht immer von seiner Fotografie leben. Er war Kinoplakatmaler, Clown, Hilfsarbeiter, Wehrmachtssoldat, Kartenabreißer, Lehrbeauftragter. In Hannover arbeitete er für die von der Kommunistischen Partei gegründeten „Hannoversche Volksstimme“ und bis Mitte der 1950er Jahre für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Zeit seines Lebens war Umbo in jeder Hinsicht unangepasst. Was ihm häufig Ärger mit seinem Auftraggebern eintrug, ihn aber auch in seiner Kunst weitgehend frei machte. Inka Schube, die Kuratorin der Ausstellung: „Die Fotografie war ihm immer wichtiger als das Geld, er war ein Regelbrecher.“

Umbo war stark mit der Kestnergesellschaft verbunden. Er war hier irgendwie Mädchen für alles und blieb es, auch als sein fotografisches Frühwerk wiederentdeckt und international gefeiert wurde. „Sind Sie Mitglied?“, fragte er stets im Entree, und wenn jemand verneinte, sagte er fröhlich: „Dann sind Sie Mäzen!“ und kassierte. Umbo, klein von Gestalt, behände und liebenswürdig, soll einmal bei einem der legendären Feste als Bacchus auf der Treppe erschienen sein, in drapierten Betttüchern, Weinlaub auf dem kahlen Haupt.

Schöne Erinnerungen: „Es war eine wunderbare Zeit in Hannover“, so Phyllis Umbehr (72), die mit 17 Jahren nach Hannover kam – ihre Eltern hatten sich früh getrennt: „Er hat mich in die hannoversche Kunstszene eingeführt, ich durfte aus dem Internat eine Freundin mitbringen. Dann sind wir durch die Theaterkneipen gezogen. Der Maler Asmus Petersen war auch dabei. Das waren einfach tolle Wochenenden. Er hat mich und meine Freundin immer verwöhnt, Umbo hat leidenschaftlich gerne gekocht. Er war ein toller Vater.“

Die Umbo-Sammlung gilt als „höchstkarätiger fotografischer Nachlass in Deutschland“, so Britta Kaiser-Schuster von der Kulturstiftung der Länder. Drei Teile (Galerie Kicken, Phyllis Umbehr, ein Privatsammler aus Vaduz) wurden in acht Jahren harter Verhandlungsarbeit zusammengeführt und auf drei Institutionen verteilt: das Bauhaus Dessau, die Berlinische Galerie und das Sprengel Museum. Tochter Phyllis hat dem Museum noch etliche Kisten mit Dokumenten (Briefwechsel mit Sammler Bernhard Sprengel) übergeben.

Bis 2. Mai.

Von Henning Queren

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