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In Hannover: Mika Amsterdam (links) und Hannes Wesendonk vor dem Pavillon. Die Ex-Hannover-Band hat ihr Debüt-Album veröffentlicht. Foto: von Dithfurth© Philipp von Ditfurth

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NP-Interview

U3000: "Das Alltägliche interessiert uns nicht"

Die Indie-Popper von U3000 haben sich in Hannover kennengelernt, leben inzwischen in Berlin. Das Debüt-Album „Wir haben Euch belogen“ der vier Mittzwanziger ist gerade erschienen. Mit der NP sprach Sänger und Bassist Hannes Wesendonk über den Einfluss von Nena, das Erwachsenwerden und den nächsten Auftritt in Hannover.

Hannover. 4. Januar 1983 - an den Tag können Sie sich wahrscheinlich nicht erinnern, oder?

Nee (lacht). Das muss in einem früheren Leben gewesen sein.

Da ist das Debüt-Album von Nena erschienen.

Ah, okay, so genau wusste ich das Datum nicht. Eine sehr wichtige Platte für uns, auf jeden Fall. Wir haben die sehr spät erst entdeckt, vor zwei Jahren oder so, als wir angefangen haben die Songs zu schreiben. Die Platte war immer ein Vorbild für uns.

Ihr klingt nach 80er-, NDW-Kram. Wie kommt die Faszination für die Zeit?

Wenn man sich deutsche Musik anguckt, gab es da die spannendsten Sachen. Und eine Zeit, in der man nicht gelebt hat, ist vielleicht auch faszinierender als eine, die man kennt.

Heute erscheint Euer Debüt-Album. Was bedeutet das für Euch als Band?

Dass wir uns der Kritik stellen müssen, dass danach vieles losgeht - wir gehen auf die erste eigene Tour. Das Album ist da nur der Startschuss. Und man hat das Gefühl, an der ersten Platte hat man 25 Jahre gearbeitet. Wenn das zu Ende ist, ist das ein Meilenstein.

Ihr habt das vergangene Jahr daran gearbeitet. Wie habt Ihr das erlebt?

Wir hatten den Luxus, lange im Studio sein zu können und viel spielen zu können. Und die Platte ist auch ziemlich verspielt. Das war ein Geschenk und das macht das Album für uns auch so reich.

Wie entstehen Eure Songs - geht Ihr mit einer festen Idee ins Studio oder ist das ein Prozess?

Da gibts alle Möglichkeiten. Meist ist Musik irgendwie da, dann ist ein Gefühl da. Texte passieren immer ziemlich schnell, im Flow.

Angeblich versteht Ihr Euch im Studio manchmal gar nicht so bombig...

Ja, es kann passieren, dass es mal Aggressionen gibt. Aber es muss im Studio auch so sein wie im echten Leben, sonst wird das unecht, was da rauskommt.

Echt, unecht: Authentizität, wie wichtig ist Euch die?

Authentisch sein, ist irgendwie ein Begriff, der nach Langeweile klingt. Wir haben ein Gefühl dafür, wenn es nach uns klingt. Ich glaube, immer, wenn man sich um Authentizität bemüht, wird es unauthentisch.

Wonach klingt Ihr denn?

Das ist immer die schwierigste Frage, die wir selbst am allerwenigsten beantworten können. Ich weiß es nicht, ich kann es einfach nicht sagen.

Wenn man sich die Titel auf Eurem Album anguckt, lauten die zum Beispiel „Galaxie“, „Sonne“, „Odyssee im Weltraum.“ Wollt Ihr auf etwas großes, hohes hinaus?

Das Alltägliche interessiert uns nicht so. Es sind Wörter, die etwas machen. Deswegen macht es Spaß, sie zu benutzen. Und das Album klingt auch groß, ein fetter Sound. Dazu passen diese Wörter.

Die Platte heißt „Wir haben Euch belogen.“ Wen habt Ihr denn belogen? Und warum?

Erstmal heißt es so, weil so der erste Song heißt, den wir geschrieben haben. Es war auch die erste Zeile. Ganz allgemein ist es ein Album übers Erwachsenwerden, Sachen erkennen oder auch nicht. Das trägt dieser Titel in sich.

Seid Ihr denn jetzt erwachsen?

Wenn wir das Album veröffentlicht haben, sind wir erwachsen.

Was gehört denn dazu, zum Erwachsensein?

Vielleicht keine Vorbilder mehr zu haben?

Weil man sie nicht mehr nötig hat?

Weil man weiß, dass es diesen Weg eigentlich gar nicht gibt.

Bei manchen Texten benutzt ihr Worte, die teilweise Richtung Kitsch gehen. Habt Ihr keine Angst davor?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt ja auch großartige Texte, die aus Richtung Schlager kommen. Von Udo Jürgens oder so, das war auch immer Inspiration. Schlager ist etwas, das man so fort mit deutscher Musik verbindet. Damit zu spielen, das macht auch Spaß.

Jede deutsche Indie-Band muss sich natürlich fragen lassen: Wie ist das mit Hamburger Schule, wie seht ihr euch da?

Wir ordnen uns da nicht zu und wir hören das auch nicht. Das ist uns zu anstrengend.

Zu verkopft?

Ja, irgendwie besserwisserisch. So wollen wir nicht sein.

Ihr geht jetzt mit dem neuen Album auch auf Tour. Wie wichtig das für Euch?

Das ist unsere erste Headliner-Tour. Es wird natürlich cool zu sehen sein, wenn die Leute jetzt zu den Konzerten kommen, dass sie Album kennen. Bin sehr gespannt darauf.

Ihr seid Anfang Dezember in Hannover in der Glocksee. Schon Vorfreude darauf?

Total! Die Glocksee ist ein super Laden zum Livespielen. Da haben wir total Bock drauf und wir waren da natürlich auch schon total oft tanzen und alles.

Wie viel Hannover steckt denn noch in U3000?

Hannover war für uns total wichtig, als das Pflaster, wo wir uns kennengelernt haben, die ersten Songs geschrieben haben. Ich werde bestimmt ein bisschen sentimal, wenn wir in der Glocksee stehen.

Die letzte Zeile auf dem Album lautet „Zurück, zurück, nie mehr.“ Ist das programmatisch oder Zufall?

Oh, krass, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Was wir immer so gefühlt haben, in dem was wir machen, ist, dass wir einfach machen. Und nicht zu viel abzuchecken, sondern einfach alles mitzunehmen und zu verarbeiten und weiterzugehen.

Denkt Ihr denn schon über das nächste Album nach?

In dem ersten Album steckt so viel drin, dass ich mir grade gar nicht vorstellen kann, ein zweites zu machen. Dafür müsste ich erstmal noch zehn Jahre leben. Also gefühlt. Mal gucken, wie es kommt.

U3000 spielen am 3. Dezember (Einlass: 20 Uhr) in der Glocksee; Tickets kosten zehn Euro im Vorverkauf.

Christian Franke


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