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Festspiele

"Turandot" in Bregenz: Mehr China geht nicht

Leuchtende Drachen, fernöstlicher Feuerzauber und Puccini auf der chinesischen Mauer: In Bregenz trifft Kung-Fu auf große Oper. Die Seebühne (die aus dem James-Bond-Film "Ein Quantum Trost") stellt in den kommenden zwei Jahren "Turandot" in den Bodensee und erwartet dazu gut 350 000 Besucher - ganz viele davon aus Deutschland.

Bregenz. Die müssen auch kommen, denn der Aufwand ist gewaltig und die Finanzierung ein wenig wackelig. Im Gegensatz zur wetterfesten Bühne: Im Wasser steht ein 72 Meter breites Teilstück der chinesischen Mauer für das Spiel um Liebe und Tod und zum Schluss der allumfassenden Versöhnung.Kitsch muss man können. Und hier kann mans. Regisseur Marco Arturo Marelli bietet so ziemlich alles auf, was man mit China verbinden mag.

Da marschieren Maos steingrau gewordene Kulturrevolutionäre über die Bühne, tanzt das dekadente Schanghai der zwanziger Jahre und trifft auf Schwerter schwingende traditionelle Kämpfer. Eine gigantische LED-Scheibe projiziert geheimnisvolle Masken in den nächtlichen Himmel, und im See und auf der Mauer ist eine bunt illuminierte Terrakotta-Armee aufmarschiert.

Es wird auch eine Geschichte erzählt - die vom leidenden und liebenden Puccini. Und deutlichen biografischen Anspielungen: Der Meister ist todkrank und scheint dieses Wunder-China seiner letzten Oper intensiv zu träumen. So stark, dass er als Calaf in die Handlung eintaucht. Am Anfang sitzt der Komponist auf einer kleinen Extra-Bühne, bevor das große Spiel beginnt mit einem partiellen Zusammenbruch der chinesischen Mauer.

Auf große Effekte versteht man sich hier.Opern-open-airs haben eben diesen besonderen Zauber, wie gerade in Hannover bewiesen wurde. Nun ist der Maschteich nicht gerade der Bodensee, das Projekt aber ausbaufähig. Wenn das Wetter mitspielt, sind solche Erlebnisse eben unvergleichlich.Kann man den Sound vergleichen? Ja, kann man.

In Hannover war er besser, weil natürlicher. Das Orchester und die Sänger waren selbst hörbar, lieferten auch Direktschall, während in Bregenz das Orchester (Wiener Sinfoniker) hunderte Meter entfernt in einem abgeschlossenen Konzertsaal spielt und der Gesamtklang nur übers Mischpult entsteht. 59 Lautsprecher sind in der chinesischen Mauer untergebracht, die auch die versierten Sänger hörbar machen. Die Stimmen waren an diesem Abend okay, das "Nessun dorma" ausreichend kraftvoll (Riccardo Massi als Calaf) wie auch die große Rätselszene (Mlada Khudoley als Turandot). Insgesamt ein ungefährdeter Operngenuss, der um Mitternacht mit einem rauschenden, illuminierten Wasserspiel auf der chinesischen Mauer endete.


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