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Die Partitur «Tristan und Isolde». Foto: Kathrin Zeilmann

Die Partitur «Tristan und Isolde». Foto: Kathrin Zeilmann

Musik

"Tristan und Isolde" bejubelt - Klarheit statt Brimborium

Sie ist wütend, sie ist leidenschaftlich. Sie liebt. Sie ist verzweifelt. Lioba Braun füllt die Bühne fast im Alleingang aus. Sie singt bei der Premiere von "Tristan und Isolde" am Sonntagabend in der Staatsoper Nürnberg die Titelpartie.

Nürnberg. Als die Musik verklungen ist, erschallen laute "Bravo"-Rufe - zu recht. Das Nürnberger Haus hat Richard Wagners Oper gelungen in Szene gesetzt.

Lioba Braun ist eine etablierte und vielfach gefeierte Sängerin. Sie hat mit vielen namhaften Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet - und ist nicht nur im Wagner-Fach zu Hause. Die Isolde in einer szenischen Fassung gibt sie in Nürnberg zum ersten Mal. Und was für eine Isolde steht da auf der Bühne: Im roten, später weißen Kleid, mit langen, braunen Locken zeigt sie große Gefühle, meistert die äußerst anstrengende und anspruchsvolle Partie bis hin zum berühmten Liebestod.

Auch Vincent Wolfsteiner, Nürnberger Ensemblemitglied, singt zum ersten Mal den Tristan auf der großen Opernbühne. Schon allein das erfordert Mut, schließlich gibt es weltweit nur sehr wenig Tenöre, die sich an die Tristan-Partie herantrauen. Eine Erkältung hat ihn hörbar gehandicapt. Zuweilen wirkt seine Stimme schroff. Er ist ein gebrochener Held, zuweilen verblasst er aber regelrecht im Vergleich zur schauspielerischen Präsenz Lioba Brauns.

Generalmusikdirektor Marcus Bosch führt die Staatsphilharmonie sicher durch das Wagnersche Mammut-Werk: kein Brimborium, dafür Klarheit - aber trotzdem stets Anspannung. Der Text der Sänger ist meist gut zu verstehen. Und klar wird: Auch ein schlanker Wagner-Klang kann große Emotionen erzeugen und das Publikum fesseln.

Regisseurin Monique Wagemakers hält sich mit exotischen Regie-Einfällen zurück. Barfuß agieren die Sänger auf der Bühne, sie sind ganz konzentriert auf ihre Empfindungen. Auch hier gilt: Kein unnötiger Ballast, kein Pathos. Das Stück darf aus sich selbst heraus wirken. Das Bühnenbild (Dirk Becker) besteht aus konzentrischen Kreisen, die das Geschehen ins Unendliche verlagern - es gibt keinen Anfang, kein Ende, keine Grenzen. Erst im dritten Akt ist ein Kreis zerbrochen. Dahinter ist schwarze Leere.

Und doch entstehen, im Zusammenspiel mit den Stimmen, wunderbar lyrische Bilder: Brangänes (Alexandra Petersamer) Nachtrufe erklingen, wenn das Liebespaar eng umschlungen ist. König Marke (Guido Jentjens) findet das richtige Maß zwischen Wut über den Betrug und Schmerz über den Verrat, den sein Neffe Tristan und seine Verlobte Isolde begehen. Mit der Neuproduktion von "Tristan und Isolde", die am Sonntagabend auch in mehr als 40 Kinos live übertragen wurde, stimmt sich die Nürnberger Staatsoper auf das Wagner-Jahr 2013 an. Dann wird der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert. Von Herbst 2013 an schmiedet das Haus auch einen neuen "Ring des Nibelungen".

dpa


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