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Schöne Stimmung: Beim Fuchsbau darf auch getanzt werden.

Schöne Stimmung: Beim Fuchsbau darf auch getanzt werden.
© Jan-Helge Petri (Archiv)

Festival

Tolle Tage, kluge Nächte beim Fuchsbau

Diskurs und DJ-Musik, Konzerte und Kunst: Der Fuchsbau in Lehrte zeigte sich auch 2017 wieder als das etwas klügere Festival.

Lehrte. Nur einmal wird die Stimmung kritisch auf dem Fuchsbau Festival: „Setz’ dich doch mal richtig hin jetze!“, ruft der Kassierer des Kettenkarussells schon zum dritten Mal einem Passagier zu, der auf seinem Sitz Faxen macht. Ansonsten findet man auf dem Gelände der alten Ziegelei in Lehrte vor allem eins: Großartige Stimmung. Zwischen illuminierten Bäumen, veganen Foodtrucks und allerlei Holzskulpturen und kleinen Kunstinstallationen läuft auf fünf Bühnen Programm.

Am Freitag, der mit fast durchgehendem Regen und für August gruseligen Temperaturen das Festival eröffnet, flüchten viele ins Innere der alten Fabrik. Hier spricht die US-amerikanische Komponistin Holly Herndon über ihren Laptop als Instrument und die Vorzüge des digitalen Musizierens. Als sie eine Stimmennachahmungssoftware vorspielt, die ihre eigene Stimme überzeugend nachstellt, wähnt man sich schon in der Zukunft – die weißen Wände und Laserinstallationen im Raum tun ihr Übriges dazu.

Mit allen Seiten der Digitalisierung wird das Fuchsbau-Publikum konfrontiert: Post-Apokalyptische Animationen auf der einen Seite, euphorisch-futuristische Klänge auf der anderen – wer nur feiern will, kann das tun, das Diskursangebot ist dennoch groß und gut besucht.

Am frühen Samstagabend zeigt sich sogar die Sonne zum ersten Mal – die Gesichter der Camper leuchten vom Glitzer, viele halten inne und fotografieren den Sonnenuntergang, auf der mit dutzenden weißen Bändern bespannten „Faser“-Bühne tanzt das junge Publikum zwischen tausend Seifenblasen zu House und Techno.

An die Klänge von Oliver Coates, der mit Cello, Laptop und Tablet spielt, muss man sich dagegen erstmal gewöhnen: Zwischen seinen zurückhaltenden Ansagen holt der Brite von Walfisch-Dröhnen zu lieblichen Höhen alles, was möglich ist aus seinem Streichinstrument. Später kommen Beats dazu, „seid rhythmische Wesen“, fordert Coates das Publikum zum Tanzen auf.

Vorher hatte die Soziologin Eva Illouz einen Vortrag über Liebe im digitalen Zeitalter gegeben – leider ist sie zu ihrer Vortragszeit der einzige Programmpunkt: Es bilden sich lange Schlangen vor dem Vortragsraum, Dutzende Interessierte müssen wieder umdrehen. Während die Vögel unter dem Dach der Fabrikhalle zwitschern, spricht die Israelin von sexuellem Kapital, Walter Benjamin und Georg Hegel – eine Herausforderung nicht nur für verkaterte Festivalgänger.

Lea Porcelain, vielleicht der Hauptact des Samstags, klingt wie Joy Division in Modern – die Frankfurter Band spielt kompromisslosen New Wave vor Nebel und Stroboskop – in der Fabrik spannt derweil Laurel Halo den Bogen von Designer-Techno zu sehnsuchtsvollem Elektro-Pop: ein Highlight und ein weiterer Orden an der Brust des Fuchsbau-Booking-Teams.

Vielleicht geht es aber auch erst nach Mitternacht so richtig los auf dem Fuchsbau Festival, als der DJ Efdemin die Hauptbühne übernimmt: Sein Sound ist treibend und dunkel, das bisher größte Publikum des Abends lässt sich in den Bann ziehen. Vorne hüpft ein als Qualle verkleideter Regenschirm auf und ab, hinten tanzt die Menge – bis in den frühen Morgen.

Von Lilean Buhl


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