Navigation:

HALLO, ALLE HERHÖREN: Orlando (Marie-Sande Papenmeyer) verlangt vollste Aufmerksamkeit auch der Besucher im Ballhof Eins.© Jauk

Oper

Tolle Orlando-Inszenierung im Ballhof

Nach der Uraufführung von „Orlando“ im Ballhof Eins ist klar: Die Inszenierung von Martin G. Berger und der Jungen Oper Hannover ist nichts für Theaterbesucher, die sich gerne für zwei Stunden hinsetzen und langsam mit den Gedanken abdriften.

Hannover. Stattdessen wird in der Neufassung des mittelalterlichen Epos „Der rasende Roland“ auf furiose Weise die Mitmachbereitschaft der Zuschauer gefordert. Jener Roland sucht nämlich seine Geliebte Angelica. Und alle suchen mit: Zwölf Anführer scheuchen jetzt ebenso viele Zuschauergruppen durch die Gänge und Kammern des Ballhoftheaters, es geht vor die Tür, ins Foyer und auf die Damentoilette. Es werden Händchen gehalten, Schlachtrufe gesungen und Anweisungen befolgt. Die Gruppen bekommen unterschiedliche Episoden zu sehen, in denen das junge Ensemble die Liebe mit all ihren Höhen und Tiefen erkundet, begleitet von der Musik Georg Friedrich Händels, der das Stück in drei Opern verarbeitete.

Der Weg durchs Theater ist großartig kurzweilig, man lernt seine Mitbesucher kennen und Figuren, die trotz kurzer Auftritte unheimliche Charaktertiefe besitzen. Etwa der Bruder einer Braut, der deren spontane Hochzeit verkrampft-enthusiastisch moderiert und das Glück an sich reißen will. Ein Allheilmittel, wie es mit der Liebe klappt, gibt es natürlich nicht. Zusammen kochen, Zähne putzen und „Tatort“ gucken werden vorgeschlagen, die Suche nach der Antwort führt schließlich auf den Mond. „Die Liebe ist nicht leicht“ heißt es im finalen Gesang.

Ein schöner Schluss, doch letztlich überzeugt „Orlando“ nicht durch seine klassische oder feingeistige Seite. Es ist gerade deshalb eine starke Inszenierung, weil es auch rabiat durchgreift. Weil es den Sitznachbarn durch Körperkontakt aus seiner Anonymität befreit und ihn zum Teil des Stücks erhebt. Aber vor allem, weil es jeden Zuschauer zwingt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und wer das nicht will, sollte statt „Orlando“ wirklich lieber Tatort gucken.

Bewertung: 5/5

Wieder am Donnerstag.

Lilean Buhl


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie