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GENIALE BLASMUSIK: Till Brönner (Zweiter von links) und Sergei Nakariakov (rechts) überzeugten im Großen Sendesaal des NDR.   © Jan Philipp Eberstein

Konzert

Till Brönner und Sergei Nakariakov gelingt ein toller Jazz-Meets-Klassik-Abend

Das Piano beginnt sehr melancholisch, die Töne rieseln wie Schneeflocken aus dem Abendhimmel herab. Eine blaue Trompete steigt ein, dann ein Cello mit Montmartre-Gefühl. Till Brönner wirkt tiefenentspannt und beseelt. Das Intro-Medley aus Chopin und Jobim hat schon mal einen schönen Fluss, ein winterlicher Jazz-Genuss. Brönner lächelt voller Bewunderung zu seinem russischen Kollegen Sergei Nakariakov hinüber. Nakariakov ist sein russisches Pendant und „der größte Trompeter der Gegenwart!“

Hannover. Brönners Lob ist außergewöhnlich. Der Star-Trompeter Nakariakov ist sonst eher im klassischen Metier beheimatet, Till Brönner, 45 Jahre alt, ist Jazztrompeter, Jurymitglied in der Casting-Show „X Factor“ und ein erfolgreicher Produzent. Brönners Eigenkompositionen überraschen durch einen hypnotischen Beat und mit einer Voodoo-Trompete. Bei „Will of Nature“ klopft Stephan Braun die Perkussion auf seinem Instrument und schlägt sein Violoncello wie eine Gitarre an. Dann greift er zu dem Bogen und ist damit schnell wie auf einer Geige. Das E-Piano-Solo von Gil Goldstein erinnert an Ray Manzarek von den Doors. Dieser Vortrag ist vielschichtig und dicht. Bartóks „Rumänische Volkstänze“ allerdings ist harter Stoff für einen Trompeter, nur gut, dass danach Pause ist, bemerkt Brönner.

Mit „Peng, Peng“, einem schrecklichen Freejazz zum Aufwachen, kommen sie zurück. Dieter Ilgs schnelles Bass-Solo lässt Flageoletttöne und Glissandos fliegen. Jazz in freiem Fall, Brönner kommt dazu, er lacht und röhrt durch seine Trompete, hat einen sehr langen Atem. Dann benutzt er einen Trompeten-Synthesizer und erklärt Louis Armstrong für „noch immer unerreicht“. Dessen „West End Blues“ bekommt viel Szenenbeifall: „Wir möchten uns mit einem wahnsinnigen Trompeter verabschieden, Egberto Gismonti.“ Dabei waren Brönner und Nakariakov schon „wahnsinnig“ genug. Eine gute Song-Auswahl, geniale Klänge und ein herzlicher Beifall - ein toller Jazz-meets-Klassik-Abend im ausverkauften Großen Sendesaal des NDR.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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