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Tiemo Hauer© Gordon Koelmel

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NPInterview

Tiemo Hauer über sein Album "Vernunft, Vernunft"

Der Stuttgarter Tiemo Hauer (26) gilt als einer der talentiertesten Songwriter unter den jungen Deutschpoppern. Auf seinem neuen, dem vierten Album „Vernunft, Vernunft“ (Green Elephant/Soulfood) zeigt er sich vielfältiger und ernsthafter denn je. Ein Interview zur anstehenden Tour.

Warum so ernst?

Ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden. Es hat sich so ergeben. Auch mit den Fotos: Da gucke ich immer ernst; jetzt habe ich auch noch einen Anzug an. Das mache ich sonst nie. Aber diesen einen Anzug finde ich eben sehr geil. Und was die Texte angeht: Man verändert sich über die Zeit, sieht gewisse Dinge anders.

In vielen Texten des Albums geht es um das Älterwerden und den Versuch, sich nicht darein zu fügen. Die Frage sei mir als Unbeteiligter gestattet: Ist das mit Mitte zwanzig heute ein so großes Thema?

Das Nicht-fügen-Wollen ist bei mir zumindest schon immer ein Riesenthema. Es ist nur relativ akut, weil ich in zwei Parallelwelten lebe: In meinem eigenen Label, das ich jetzt mache, trage ich viel Verantwortung, auch für andere. Da muss ich morgens an meinem Rechner sitzen und einen ganz normalen Bürojob erledigen. Aber als Künstler muss ich rausgehen, Leute treffen, Risiken eingehen und auch mal auf die Schnauze fallen. Diese zwei Welten beschäftigen mich. Keine darf überhandnehmen.

Also ist „Vernunft, Vernunft“ eher ein Plädoyer für die Unvernunft?

Der Titel kommt aus dem Song „Funktionieren“, der am ehesten das alles thematisiert ...

„Mann, sind wir alle groß geworden“ heißt es darin ...

Eben, man ist erwachsen und will doch ab und zu mal jung sein dürfen.

Wie kommt es zu der musikalischen Vielfalt? „Benzin“ ist klar radiotauglich, „Der kleine Tod“ geht Richtung Punkrock ... Wie fügt sich das?

Früher war ich total in der Indierock-Ecke unterwegs. Heute höre ich viel mehr und hatte einfach Lust darauf, ganz viel auszuprobieren: In welche Richtung kann ich gehen? Und stellte fest: Das geht alles.

Was offenbar auch ging, war ein Cover von Wolfgang Ambros, „Kaputt & munter“ von 1995. Wie kamen Sie denn dazu? Über österreichische Bands wie Wanda und Bilderbuch?

Tatsächlich war ich schon vor denen ein großer Fan von Musik mit österreichischer Mundart. Ich dachte anfangs auch nie, dass irgendjemand außer mir in meinem Freundeskreis Wanda und Bilderbuch geil finden würde, und habe mich dann sehr gefreut, als beide Bands durch die Decke gingen. Wolfgang Ambros habe ich allein durch meinen Vater viel gehört. Der hat viele Ambros-Platten gehabt.

Und dann haben Sie ihn gespielt?

Mich hat auch interessiert, wie das auf Hochdeutsch funktioniert. Dann habe ich noch den Refrain dazu geschrieben, den es im Original ja auch nicht gibt, und fand, es geht super.

Wenn Sie selber Musik hören, worauf achten Sie mehr: auf Text oder Musik?

Das ist ja das Gemeine am Hören - und auch am Schreiben - von deutscher Musik: Man merkt ganz schnell, wenn etwas abdriftet, ins Kitschige zum Beispiel. Da sind andere Sprachen gnädiger.

Man hört bei Ihnen einen gewissen Poesiewillen.

Ja, aber nicht nur. Manchmal will ich Sachen auch einfach ganz direkt sagen. Weil ich das eben auch mal mag. Man redet ja auch nicht nur den ganzen Tag in der eloquentesten Weise. Ich will nicht platt klingen, aber die Dinge auch nicht unnötig verkomplizieren.

Mit dem letzten Stück, dem Bonus-Track „Auf dem Weg verloren“, kommt nach „Die letzte Seite“ eine für das Album recht unerwartete und auch sehr direkte Versöhnlichkeit ins Spiel. Zitat: „Ich bin glücklich“ ...

Für mich war tatsächlich das Album mit „Die letzte Seite“ abgeschlossen, auch in Sachen Sound und Dramaturgie. Aber ich wollte den anderen Song eben auch draufhaben, nicht zuletzt, weil er den Inhalt und die Stimmung des restlichen Albums erklärt. Live spielen wir auf jeden Fall beide.

Wie wird all das generell live klingen?

Wir sind mit normaler Bandbesetzung unterwegs, spielen die Songs, aber schon in einer Richtung, die in die des Albums geht. Der Bassist spielt zum Beispiel auch mal Bass-Synthesizer, der Schlagzeuger auch ein Sample-Pad und so weiter. Es wird auf jeden Fall abwechslungsreich und spannend.

Tiemo Hauer live: heute 20 Uhr im Capitol. Karten: 22,60 Euro.


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