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Kultur Thilo Nass in der Eisfabrik
Nachrichten Kultur Thilo Nass in der Eisfabrik
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00:18 30.11.2018
Heutig und wertig: Porträt-Foto von Thilo Nass in der archaischen Kolodium-Technik. Quelle: Repro: Queren
Hannover

Ein Foto ist immer dann gut, wenn es den Betrachter zwingt, länger hinzuschauen. Wie dieses Mädchen mit den intensiven Blick. Antiquiert sieht das Bild aus, könnte von 1900 stammen und ist doch in unmittelbarer Gegenwart in unmittelbarer Nähe des Ausstellungsortes entstanden.

Thilo Nass ist der Fotograf, wohnt in der Südstadt und fotografiert vorwiegend Menschen in der Südstadt. „Silver & Light“ heißt die schöne Ausstellung in der Eisfabrik – Fotos, die mit einer außergewöhnlichen Technik realisiert wurden.

Vielleicht 2000 Menschen gibt es weltweit, die diese archaische Technik aus der Kinderphase der Fotografie beherrschen, schätzt Thilo Nass. „Kolodium-Fotografie“ nennt sich das Verfahren. Das Foto entsteht auf einer aufwendig mit lichtempfindlichen Silbermaterial behandelten Glasplatte.

Thilo Nass bringt mit seiner Arbeit die grundlegende Faszination der Fotografie zurück, die Faszination mithilfe von Silber und Licht sich ein Bild, ein Abbild der Wirklichkeit zu machen. Und vielleicht auch die Wahrheit dahinter zu erkennen – wenn man sich auf die besondere Anmutung dieser Fotos einlässt.

Was vielleicht auch an ihrem Entstehungsprozess liegt. Wegen der große Blende haben die Fotos eine ultrageringe Tiefenschärfe, nur wenige Millimeter Tiefe des fotografierten Objekts können überhaupt scharf wiedergegeben werden.

Deshalb darf sich der Porträtierte auch keine Winzigkeit nach vorne oder hinten bewegen. Mit einer Stütze wird der Kopf in der entsprechenden Distanz gehalten, während Thilo Nass die Kamera justiert. Der Moment der Aufnahme ist recht kurz, ein einfacher Blitz und fertig.

So etwas hat mit in Kinofilmen schon gesehen, wenn der Fotograf hinter einem riesige Kasten steht und eine kleine Explosion auf einem hochgehaltenen Brett die Szene erleuchtet. „Ich mache das elektronisch“, so Thilo Nass, es gebe allerdings noch Hardcore-Kolodium-Fotografen, die dabei ganz wie früher Magnesium benutzen.

„Ich bin kein Dogmatiker, ich nutze die digitalen Möglichkeiten.“ Die Fotos sind per Laserprinter entstanden, die Glasplatten wurden dafür digitalisiert. Glasplatten, die allerdings jede für sich ein Unikat darstellen.

Und um die herzustellen, braucht es Zeit. Bis zu drei Stunden dauert eine Sitzung für eins dieser Kolodium-Porträts: „Da stellt sich schon eine besondere Beziehung her“, so Nass. Profil oder Draufsicht, wie die Menschen gezeigt werden, entscheidet der Fotograf.

Die Kamera – Erbstück von seinem Vater – ist ein riesiger, ehrfurchtgebietender Kasten auf einem massiven Holzgestellt, die Objektive sind messinggefasste Glasbrocken – in denen sich während der Sitzung die Porträtieren spiegeln und sich betrachten können.

Diese Ausstellung ist nicht nur deshalb wichtig, weil sie nicht nur an den auch materiellen Wert der Fotografie erinnert, sondern den Wert eines Bilder an sich. Gerade im Instagram-Zeitalter mit seiner Selfie-Kultur. Ach ja, das iPhone als Bildfänger benutzt Thilo Nass „so gut wie gar nicht“.

Bis 16. Dezember in der Weißen Halle der Eisfabrik.

Von Henning Queren

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