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THEATERSTÜCK: Schüler der Tellkampfschule in Hannover inszenieren einen Amoklauf.© dpa

Krieg in der Schule

Theaterstück über Amoklauf

Geschrei, Schüsse, Chaos und dann plötzlich Totenstille: „Heute hat uns der Krieg besucht“, sagt ein Schüler. „Ich habe mich sofort verantwortlich gefühlt“, murmelt Lehrer Manfred Stach. Doch da ist er schon tot. Beide spielen in dem Theaterstück „komA“ mit, das einen Amoklauf an einer Schule und die mögliche Vorgeschichte thematisiert.

HANNOVER. Die letzten Tage vor der Tat stehen im Mittelpunkt der dreistündigen Aufführung in der Tellkampfschule in Hannover. Die Zuschauer folgen den Akteuren, die an vielen Schauplätzen des Gymnasiums spielen: in den Klassenzimmern, auf den Fluren, in der Aula, im Lehrerzimmer, in der Sporthalle und auf den Toiletten. Am Freitag war die Premiere.    

Da gibt es Ferdinand, einen Musterschüler, der ein Buch über die Quantenphysik liest und immer einen Fahrradhelm trägt. „Die Schule ist nicht sicher, hier könnte ein Komet einschlagen“, betont er. Da gibt es Fides, bei der immer alles toll ist und die so glücklich zu sein scheint. Da gibt es Mad, der Metal-Fan ist und nur für seine Musik lebt. An den verschiedenen Orten spielen sich Szenen und Dialoge zwischen Schülern ab, die Zuschauer lernen die Charaktere und ihre Probleme kennen. Und Probleme haben fast alle.    

Da gibt es Gregor, der gar nicht mehr in der Schule sein dürfte. Vor drei Monaten musste er gehen, weil er gewalttätig geworden ist. Doch auch er ist ein Opfer von Gewalt und wird auf der Schultoilette von einem anderen Schüler gequält. Musiklehrer Stach versucht, mit einem Schulpsychologen zu sprechen, weil er den ehemaligen Schüler seit einer Woche mehrfach in der Schule gesehen hat. Doch der Pädagoge wird am Telefon abgewiesen, drei Wochen müsste er auf einen Termin warten. Er fühlt sich allein gelassen.    

Streit zwischen Mädchen um einen Jungen, Gewaltphantasien von Jugendlichen gegen Mitschüler und Lehrer - die Tage vor dem Amoklauf verlaufen scheinbar normal, wie der Schulalltag eben ist. Die Szenen weisen nur mittelbar auf die bevorstehende Tat hin und auch die Perspektive des Täters wird nur indirekt thematisiert. Die Zuschauer werden mehr und mehr ein Teil der Geschichte, folgen den Figuren durch die gesamte Schule, sitzen mit den Akteuren im Unterricht und beantworten Fragen des Lehrers.    

 Es ist ein ungewöhnliches Theaterstück, das auch von der Improvisation und den Dialogen zwischen Akteuren und Zuschauern lebt. Vieles lässt sich nicht erklären, „komA“ versucht, Ursachen und Zusammenhänge erfahrbar zu machen. „Es geht in dem Stück ganz klar um eine fiktive Geschichte, in der ein Amoklauf passiert ist“, sagt Regisseur Mirko Borscht. Statt einer reißerischen Darstellung der Tat stünden die Hintergründe im Mittelpunkt.  Das Stück der österreichischen Autoren Volker Schmidt und Georg Staudacher wurde 2007 in Wien und Linz uraufgeführt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 19 Schüler im Alter von 15 bis 21 Jahren, zwei Lehrer und zwei Schauspieler wirken in der Inszenierung des Schauspiels Hannover mit.  dpa


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