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Düster und gut: The Mission im Musikzentrum. Wayne Hussey ist ergraut, trägt Sonnenbrille.

Düster und gut: The Mission im Musikzentrum. Wayne Hussey ist ergraut, trägt Sonnenbrille.
 © Foto: Behrens

Hannovers Zeitreise in die Achtziger

The Mission im Musikzentrum

Fans und Band schwarz gekleidet: The Mission brachte ihre Hits wie „Beyond the Pale“ im Musikzentrum

Hannover.  Es ist eine Zeitreise in die 80er-Jahre. 500 schwarz gekleidete und überwiegend ältere Fans sind ins Musikzentrum gekommen: ausverkauft und Hitzestau bei The Mission, trotz des Wave-Gotik-Treffens das zeitgleich in Leipzig stattfindet und durchaus dasselbe Zielpublikum anspricht.

Vorband Gene Loves Jezebel verlässt sich leider allzu sehr auf ihre Sequenzer und Synthesizer, das ist sehr technokratisch und herzlos. Anders die Engländer von The Mission: Als Intro haben sich die fünf aus Leeds einen ironischen „Pomp and Circumstance“-Marsch ausgesucht und passt so gar nicht zu den düsteren Klängen, die noch folgen werden.

Wayne Husseys zwölfsaitige Gitarre scheppert metallern und zuverlässig bei „Beyond the Pale“, vom 1988er-Album „Children“. Die alten Leute singen begeistert mit. „Met-Amor-Phosis“ vom neuen Album „Another Fall from Grace“ klingt wie ein Sisters-of-Mercy-Song, die Band, die Wayne Hussey und Craig Adams 1985 im Streit verließen.

The Mission haben den Move, wie die Spielzeugdackel auf der Hutablage wackeln die Fans mit den Köpfen, sind dem monotonen Independent-Takt verfallen. Sängerin Evi Vine sieht man, hört sie aber meistens nicht, schade, der Bass ist heute Abend das lauteste Instrument. The Mission haben ihren Sound in die Gegenwart herüber gerettet.

Zeitgeist, und das erinnert jetzt an viele Kollegen: Siouxsie and the Banshees, the Cure, the Cult, New Model Army fallen einem ein. „So far I’ve been doing fuckin’ good“, freut sich Hussey über seine Fitness und natürlich den Erfolg seiner Musik.

„Habt ihr den lauten Knall im Gesang gehört?“, grinst er hinter seiner Sonnenbrille. Es läuft nicht alles reibungslos im Musikzentrum. Wayne ist ergraut, aber zumindest gut gelaunt, trotz seiner überwiegend melancholischen Klänge. „Tschäng“ tönt seine Gitarre, der Hit „Tower of Strength“ wird abgefeiert, die akrobatischsten seiner Zuschauer stehen auf den Schultern ihrer Freunde.

Wayne tänzelt betreten zur Seite, nimmt einen großen Schluck aus der Rotweinflasche, die zu seinen Füßen am Mikrofonständer wartet. Die Hymnen „Wasteland“ und „Deliverance“ werden begeistert abgefeiert, die achtziger-Jahre-Tanzschritte werden ausgepackt. Gar nicht schlecht – es sind drei von insgesamt vier Originalmitgliedern mit dabei: neben Wayne, Craig Adams am Bass und Simon Hinkler an der Gitarre.

Nach achtzig Minuten, einigen Zugaben und dem leicht sperrigen Hit „Butterfly on a Wheel“ sorgt der Sisters-of-Mercy-Hit „Marian“ aus der Feder Husseys, für die größte Überraschung. Experiment geglückt, The Mission sind in der Jetztzeit angekommen.

Von Kai Schiering


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