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© Frank Wilde

Konzert

Tarja singt im Capitol

Ein geradezu olympisches Intro tönt durch die Boxen im Capitol. Muss das sein? Das geht doch alles von der Zeit ab. Immerhin ist es schon kurz vor zehn Uhr, zwei Vorbands mussten noch ihre Runden drehen. 600 Metall-Fans sind gekommen, dann doch nur, und die klatschen schon beim ersten Takt euphorisiert mit.

Hannover. Die schöne, geheimnisvolle Tarja ist da, ihr aktuelles Album „The Shadow Self“ hat sie im Gepäck.

Sechs Musiker umfasst die Band, doch alles dreht sich um die Finnin aus Kitee, der Rest scheint austauschbar. Optisch ist die Bühne deutlich reduzierter als noch vor Jahren, von der Leinwand strahlen Tarjas tiefe Blicke. Wir hören einen imaginären Frauenchor, Schlagzeug-Schläge donnern vom Band - Tarja Turunen ist auf Halbplayback unterwegs. Und auch kompositorisch ist das irgendwie kein Hochgenuss: Was für den einen „Symphonic Metal“ ist, klingt mitunter arg nach Metal-Parodie.

Doch die Fans stehen Kopf für ihre Finnin, sie lieben sie, so werden Heilsbringer empfangen. „Fire““ schreit ein Gemeindemitglied aus dem Parkett heraus, doch die Metal-Maschine läuft, kurzfristige Änderungen im Programm sind nicht vorgesehen. Tarja wäre eine sichere Bank beim Eurovision Song Contest - Drama, Baby! Und Gefühle groß wie Polarlichter, dafür gibt es in jedem Land ein Publikum. Das elektrische Cello klingt nach Gitarre und die elektrische Gitarre nach Computer. Warum verspielen sich solche Bands eigentlich nie? Höchstens der Schlagzeuger wackelt mal im Takt. Die puren Funk-Grooves, ganz ohne Maschinen, sind endlich authentisch.

Die Windmaschine verwirbelt Tarjas schwarze Mähne, arktische Eisberge wären hübsch dazu. Doch die Herzenswärme des Publikums würde vermutlich auch die zum Schmelzen bringen, Musik für Eisbären und Mammuts, die sich in Zeitlupe bewegen.

Das schwarze Kleid mit dem Feder-korsett steht Tarja gut, „Du siehst aus wie ein Hühnchen“, zitiert sie ihre vierjährige Tochter dazu. Über sich selbst lachen kann die sympathische 39-jährige Sopranistin - sie hat eine klassische Gesangsausbildung hinter sich.

Einen Song von Muse, „Supremacy“, und vier Nightwish-Songs, ihre ehemalige Band, spielen sie. Dazu laufen Bilder einer geschundenen Mutter Erde. Metal ist nachdenklich geworden, schwarze Seelen alleine ziehen nicht mehr. Nach Schlagzeug-, Bass- und Cello-Solo stürzt sich die Combo in einen Psyche-Rock-Part, danach folgt das unvermeidliche Akustik-Set. „Don’t fall asleep!“, schlaft nicht ein, warnt Tarja das Publikum. Doch auch dafür gibt es unglaublichen Beifall.Finnland - douze Points!

Bewertung: 3/5

VON KAI SCHIERING


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