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Oper

Tanz den Charlie Caplin

Charlie Chaplin, der uns Lachen und Weinen lässt: Eine Jahrhundertfigur hat er mit seinem Tramp geschaffen. Stöckchen, Hut und übergroße Schuhe machen ihn aus.

Hannover. Große Tragik und unermessliche Erfolge das Leben des realen Charlie Chaplin. Davon erzählt Mario Schröder in seinem Ballett mit dem Titel „Chaplin“, das in der Staatsoper Premiere hatte und die Ostertanztage eröffnete.

Und alles ist da, der „Große Diktator“, die „Modernen Zeiten“, das Leben im Rampenlicht, die Kommunistenjagd, Chaplins spätes Glück mit seiner jungen Frau, die frühe Armut und das schwere Arbeiten an der Figur des Tramps. Da tanzen die Sträflinge, die Cops, die Dicken über die Bühne, wie man sie aus den Slapstick-Filmen kennt.

Schröder hat „Chaplin“ als Doppel angelegt, den realen Menschen lässt er von einem Mann (Denis Piza) tanzen, den Tramp (Catherin Franco) hat er weiblich besetzt. Das geht gut auf, denn die filigranen Bewegungen des watschelnden Tramps würde ein männlicher Tänzer kaum schaffen - wie auch die vielen Pas de deux der beiden.

Es startet mit der Geburt des Tramps. Schöne Idee, die Tänzer tragen nur jeweils ein Requisit, Melone, Stöckchen, schwarze Jacke, übergroße Hose, Schuhe - und vereinigen sich dann zum Tramp. In 16 Kapiteln, kurzen Cuts und längeren Szenen, gehts durch ein Jahrhundert, erzählt Mario Schröder aus dem Leben Chaplins. Von der harten, artistischen Schauspielerziehung des Beginns. Hier darf Hannovers Compagnie zeigen, dass sie auch einiges an Breakdance draufhat.

Dann kommen die ersten Erfolge in Hollywood, das Leben im Scheinwerferlicht, die Einsamkeit. Die Charlie immer wieder überfällt - auch wenn in einer Szene gleich 25 Tramps ihm ihre Reverenz erweisen.

In „Moderne Zeiten“ werden die Tänzer bis an die Grenzen ihrer Motorik in Bewegung gesetzt: Natürlich gibt es überall Anspielungen auf berühmte Filmszenen, die aber nicht einfach nachgestellt werden. Mario Schröder gibt dem Ganzen immer wieder einen Extradrall. Wie beim „Großen Diktator“, wenn hier Alois Hynkel in einer große Gummiblase erscheint, mit Mühe den rechten Arm herausbekommt und zum Schluss wie eine Larve über die Bühne schlängelt. Dazu läuft im Hintergrund erst Wagners „Lohengrin“-Vorspiel, dann Chaplin unvergessene „Schnitzel-Sauerkraut-Schtonk“-Rede.

Mario Schröder Tanzsprache ist eingängig, direkt und emotional, enthält so viel Neoklassik wie nötig, damit jeder es verstehen kann. Hier sind Melancholie, Magie und Komik perfekt ausbalanciert. Das ergreift dann schon, wenn zu den schmachtenden Streicherklängen von Samuel Barber („Adagio“) der Tramp von Charlie sanft aus seinem Leben verabschiedet wird.

Ergriffenheitspause, dann selten heftiger Jubel in der Staatsoper, beim zweiten Vorhang erheben sich alle, Blumensträuße fliegen auf die Bühne. Minutenlange Standing Ovations für alle Tänzer - auch für Mario Schröder und sein Team, der mit seiner Gastchoreografie offensichtlich einen Publikumsrenner gelandet hat. 5 Sterne


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