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„In Relation to a spectator“ in Hannover

„Studio for Propositional Cinema“ in der Kestnergesellschaft

Die Kestnergesellschaft trumpft mit einer tiefsinnigen Ausstellung auf: Für „In Relation to a Spectator“ braucht man Infos und Zeit.

Hannover. Zwei weiße Haarteile liegen auf der ebenso ausladenden wie sanft schimmernden Platte des etliche Quadratmeter großen Podestes. Zwei Nazi-Skalps. Wie bitte? Aus dem Film „Inglourious Basterds“, angekauft aus übrig gebliebener Requisite, eingefärbt, von denen eins, so geht die Geschichte, sogar gleich einer Heiligenerscheinung, ein wenig geblutet hat. Die Spuren kann man jedenfalls noch sehen.

Das Stück gehört zu einer tiefsinnigen, ausladenden, perfekt erzeugten Gesamtillusion eines Kunstwerks aus vielen Kunstwerken, dessen Erzeugung selbst schon zum Kunstwerk wird. Die dieses vielschichtige Wunder vollbracht haben, heißen „Studio for Propositional Cinema“. Das anonyme Kollektiv hat in bewährter Manier unter dem Titel „in relation to a Spectator“ eine Ausstellung einer Ausstellung über eine Ausstellung gemacht.

Das ist kopflastig, lohnt aber die Beschäftigung mit dieser besonderen Art der Konzeptkunst. 31 Künstler sollen hier mit Statements und Werken versammelt sein. Kestner-Direktorin Christina Végh spricht trefflich davon, dass dieses Studio zum „Bauchredner“ der verschiedenen Künstler und künstlerischen Konzepte wird. Es geht also um alles, um Kunst, den Betrieb, die Institutionen, die Künstler und die Kataloge und die Art des Nachdenkens über die Kunst.

Und auch wenn man erst mal nichts weiß, kann man sich auf das und die Rätsel einlassen, denn die Schau ist in ihrer Reduziertheit von besonderer Ästhetik. Und in einigen Bereichen ohne bereichernde Texte verständlich. Wenn es beispielsweise um Überwachung geht, für die die imposante Installation von Julia Scher steht, die fünf Monitore und auffällig platzierte Videokameras umfasst, die die Besucher im Blick haben. Und insofern die Beziehung zum Betrachter herstellen, die der Titel verspricht.

Die Ausstellung besteht erst einmal aus Texten, aus einer Bühne, einem Tisch, einer Wand – und einem Trailer, der im Internet Werbung macht. Sie wird wachsen, sich wandeln während ihrer Dauer, Arbeiten werden hinzukommen und entfernt werden, das versprechen die Macher: „Performances haben ein Anfang und ein Ende, Seiten werden umgeblättert, das Licht wird sich verändern, diese Elemente bewegen sich entsprechend eines Skripts, und Gegenbesuche der Ausstellung werden belohnt.“

Besuche, für die man ein bisschen Zeit mitbringen sollte. Auch für die Performances. Spektakulär dürfte die vom Studio angeregte von Paul Chan am 3. November sein. Die wird satte 14 Stunden dauern und ist einem legendären Dialog Platos über Kunst, erotische Liebe und Wahnsinn gewidmet. Zwei Schauspieler führen ihn auf. Das Publikum darf sich ebenso erregen wie langweilen – und es gibt Getränke an der Bar.

Von Henning Queren


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