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BABY, DU GEHÖRST AUF DIE BÜHNE: Rose (Ania Vegry) hat eigentlich was anderes vor. Aber Easter (Christopher Tonkin) ist überzeugend.

BABY, DU GEHÖRST AUF DIE BÜHNE: Rose (Ania Vegry) hat eigentlich was anderes vor. Aber Easter (Christopher Tonkin) ist überzeugend.

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Musical

"Street Scene" - Ein amerikanischer Traum

Ja, das ist Amerika: Stars and Stripes von der Decke herab und pyramidenmäßig hoch hinauf die Cheerleader – dazu schräg angejazzter Sound. Klar, dass es dafür mächtigen Szenenapplaus gibt.

Hannover. So sportlich gehts im Opernhaus selten zu wie im Musical „Street Scene“ von Kurt Weill. Obwohl, Musical ist eigentlich nicht ganz richtig: Die strengen Erben des „Dreigroschenoper“-Schöpfers legen Wert auf den Titel „Eine amerikanische Oper“.

Und damit haben sie Recht, denn die Sänger werden bisweilen gefordert, als gelte es wirklich der großen Oper. Und auch das Orchester muss eine wertige Partitur bewältigen, die so ziemlich alles übertrifft, was man sonst so von einem Musical erwartet.

Die „Street Scene“, eine Straßenszene, entwirft Weill in seinem 1947 geschriebenen Broadway-Stück: Menschen, einfache Leute, die auf engstem Raum zusammenleben, lieben, leiden, träumen, junge, alte – und die auch morden, das gibt dem ganzen einen dramatischen Drive.

Und das alles wird in Hannover durch einen glücklichen Regie-Einfall umgesetzt: Regisseur Bernd Mottl (machte auch „Kiss me Kate“) hat auf die übliche New-York-Straßenszene mit den Hydranten und Feuerleitern verzichtet – und seine Amis in der Turnhalle einer High School untergebracht. Das geht auf und trägt über den ganzen Abend.

Die Szene wirkt absolut heutig: Man lagert auf engsten Raum zusammen, ein Bild wie nach einem Hurrikan oder Erdbeben. Feldbetten sind aufgestellt, Turnmatten lehnen an der Wand. Limo- und Eisverkäufer kommen (und bringen die Cheerleaders) mit.

Im Zentrum steht das Ehepaar Anna Maurrant (Kelly God) und ihr Mann Frank (Brian Davis), der am Schluss seine Frau aus Eifersucht erschießen wird. Und ihre Tochter Rose (Ania Vegry), die sich in den Nerd Sam (Ivan Tursic) verliebt und dann doch mit dem windigen Konzertveranstalter („Baby, ich bring dich ganz groß raus“, Christopher Tonkin) die Enge ihres Daseins verlässt. Drum herum ereignen sich noch allerlei Intrigen, Tratsch und Liebeleien – halt alles das, was passiert, wenn Menschen zusammen sind. Erstaunlich, wie zeitlos das Stück von Elmer Rice nach einem Roman doch geblieben ist.

Regisseur Mottl bebildert manche der Arien, das gibt dem Ganzen eine zusätzliche Dimension. Wenn von unerreichbaren Träumen gesungen wird, dann geht im Hintergrund die Bühne der Schulaula auf und zeigt, wunderbar kitschig mit viel Flitter, bekannte Ansichten des amerikanischen Traums – Theater im Theater macht immer wieder Spaß.

Das Musical, pardon die „American Opera“, wird ansprechend vom Orchester zum Glitzern gebracht. Dirigent Benjamin Reiners kommt mit der üppigen Partitur – instrumentieren kann Kurt Weill – gut klar, verzichtet weder aufs spätromantische Schwelgen und beschleunigt das Tempo in den typischen Tanzpassagen.

Und auch die Sänger nehmen ihre Partien angemessen ernst. Allen voran Kelly God, die mit Kraft und Höhe die teils Puccini-nahen Arien bewältigt.

Für manche Szenen braucht man dann doch Musical-bewährte Kräfte wie Nini Stadlmann (Mae) und Wolfgang Schwingler (Dick), die auch kopfüber am Turnseil hängend singen können. Dafür und auch für alles andere zehn Minuten satter Applaus, der auch ungeteilt aufs Regieteam Mottl, Friedrich Eggert (Bühne) und Alexandre Corazzola (Kostüme) niedergeht. Wenn Musical, dann so.

Bewertung: 4/5

Cheerleader

Dass sie jemals auf einer Opernbühne auftauchen würden ... Ein kurzes und sehenswertes Highlight bei der „Street Scene“ sind die UBC Tigers Cheerleader, die ansonsten den hannoverschen Basketballverein UBC unterstützen – und schon einiges an Medaillen aufbieten können: Im vergangenen Jahr wurden sie Norddeutscher Meister, Landesmeister Niedersachsen und gewannen die Elite Cheerleading Championship.

Sponsoren gesucht für eine weite Reise, damit die Cheerleader aus Hannover an der Weltmeisterschaft in Orlando im April 2014 teilnehmen können – die Qualifikation haben sie jedenfalls schon geschafft.


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