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PROG-ROCK FÜR ALLE: Steven Wilson und seine Band begeistern ihre Fans inder Swiss-Life-Hall auch ohne große Show-Elemente.

PROG-ROCK FÜR ALLE: Steven Wilson und seine Band begeistern ihre Fans in der Swiss-Life-Hall auch ohne große Show-Elemente.© NANCY HEUSEL

Konzert

Steven Wilson prog-rockt Hannover

Soundtüftler Steven Wilson in Hannover: Gut 1000 Fans sind schwer angetan, am Ende wird um David Bowie getrauert.

Hannover. Es ist brettlaut in der Swiss-Life-Hall, ein harter, gerechter Sound. So eisklar wie die Luft draußen am Stadion. Eine quadrophonische Anlage sorgt für fremdartige Klangverwehungen, selten, dass so eine Oldschool-Soundmaschine eingesetzt wird. Steven Wilson ermutigt seine Fans aufzustehen, „denn davon lebt unsere Musik“. Das klappt zuweilen, die Menge rockt aber lieber im Sitzen weiter.

Das Album „Hand.Cannot.Erase“ spielt die Band in Gänze, verspricht er sodann, die ersten Fans heulen vor Freude auf. Es sind gut 1000 Prog-Rock-Freunde in der Halle, das könnten eigentlich mehr sein, schließlich ist Wilson Mastermind und Frontmann von Porcupine Tree, zudem ist „morgen die Veröffentlichung unserer brandneuen CD - ,4 1/2`“.

Eine faustdicke Überraschung folgt: Ninet Tayeb aus Israel, Gastinterpretin auf seinem neuen Werk, ist in der Swiss-Life-Hall anwesend. Sie singt den Song „Routine“ düster und tief, nur bei ihrer Garderobenwahl hat sie danebengegriffen - kaputte Jeans, Rock drüber, Pulli, Strickjacke, naja, ein No-Go.

Wilson ist ein Antistar, er spielt barfuß, mit Brille und im langweiligen T-Shirt. Gerne lässt er etwas Genesis und selbstverständlich auch Pink Floyd durch seine Songs schimmern, da kommt wohl kein Prog-Rocker drumherum. Zu den Videoclips mit unruhig-gefilmten Frauen wechselt Wilson an den Bass, der 48-jährige Engländer ist ein Multiinstrumentalist.

Das klingt fett, er hämmert die Akkorde nur so in den Saal, der Tonmann macht einen guten Job. Dave Kilminster zupft die Lead Gitarre, er stimmt sein Instrument ein bisschen sehr oft. Adam Holzman aus den USA greift in seine Keyboards und sorgt damit für klangliche Underground-Abwechslung. Er ist seit Anbeginn dabei, den Kollegen Nick Beggs lobt Wilson als fantastischen Bassmann.

Die Quadrophonie-Klänge stören mitunter, kommen zeitversetzt, viele Gesänge sind eh vom Band eingeflogen. Nach der Pause geht es mit schweren Metal-Riffs und melancholischen Strophen düster weiter. Alles Songs von dem neuen Album: „Es ist ein Ding zwischen dem letzten und dem nächsten“, deswegen heiße es auch „Viereinhalb“. Klingt logisch.

„Früher haben die Bands jährlich Platten veröffentlicht, heute dauert es schlimmstenfalls 30 Jahre, so wie bei Tool“, veräppelt Wilson die progressiven Metall-Kollegen aus Los Angeles.

Wilsons Band ist experimentell, ohne weh zu tun, das ist Mainstream-Progrock für Anfänger sowie Fortgeschrittene. Der Clou: Wilson hatte vor Zeiten einen Song namens „Lazarus“ veröffentlicht, der Titelheld heißt David. Und nun das - „Übereinstimmung und Synchronizität“, Bowies „Lazarus“ kann er zwar nicht spielen, seinen eigenen hingegen schon. Dafür gibt es noch eine emotionale „Space Oddity“ des jüngst Verstorbenen als Zugabe. Die Fans sind schwer angetan, viel Beifall.HHHH H


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