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SINGT IM THEATER AM AEGI. Jan Josef Liefers

Interview

Jan Josef Liefers sendet auf Radio Doria

Er klopfte einst in „Knockin‘ in Heaven‘s Door" an die Himmelstür, gibt im Münster-„Tatort" den arroganten Gerichtsmediziner, doch insgeheim ist er ein Rocker: Jan Josef Liefers (51). Mit seiner Band Radio Doria kommt er jetzt mal wieder nach Hannover – der Stadt, der er diese Zweitkarriere verdankt, wie er im Telefon-Interview verrät.

Die Neue Presse hier, hallo.

Jan Josef hier, selber hallo.

Freut mich. Wir wollen über deine Band sprechen, mit der du demnächst hier in Hannover spielst ...

... was nicht irgendeine Stadt in meinem Kopf ist. Mein Entscheidung, als Musiker an die Öffentlichkeit zu treten, hat ganz klar mit Hannover zu tun. Eine meiner ersten Begegnungen mit der Stadt lief über Fury in the Slaughterhouse. Die Wingenfelders waren mit die ersten Berufsmusiker, die ich traf und die ganz entscheidenden Anteil am Anfang daran hatten.

Die haben dich ermutigt?

Ja, die haben sich angehört, was ich so zusammengestruppelt hatte und sagten nicht: „Lass mal, Digger, und bleibt bei deinen Filmen!" Sondern haben stattdessen gesagt: „Hat was. Willst du mit uns auf Tour gehen?" So kam das. Und so ging das weiter: Das erste Album, noch auf Englisch, ist im alten Peppermint Park entstanden.

Dem am Weidendamm?

Richtig, wo Mousse T. saß. Ich hätte nie gedacht, dass ich so oft den Zug von Berlin nach Hannover nehmen würde. Ich habe tolle Leute kennengelernt, und alles, was musikalisch gelaufen ist, hat dort begonnen.

Du hast auch einen Hannoveraner in deiner Band, Jens Nickel ...

Genau, der spielt auch bei Cäthe. Und Johann, unser Leadgitarrist kommt ursprünglich auch aus Hannover. Hinzu kommt: Wir haben in Hannover schon einige Male gespielt, und es war immer eine tolle Stadt für uns.

Man sagt, die Hannoveraner bräuchten immer ein bisschen, um jemanden ins Herz zu schließen, täten es dann aber richtig.

Das kann ich mir gut vorstellen. Wobei wir auch anfangs nie auf taube Ohren stießen. Es gab auch nie diese Frage, die sonst so oft gestellt wird: „Warum macht er das jetzt? Er ist doch Schauspieler?"

Wobei ich die durchaus legitim finde, und zwar nicht aus der Perspektive des Publikums, sondern aus deiner: Was bietet dir persönlich die Musik, was dir die Schauspielerei nicht bietet?

Der größte Unterschied ist, dass man als Schauspieler eine Figur spielt, die man nicht ist, auch wenn natürlich Teile der eigenen Persönlichkeit einfließen. Man sieht anders aus, trägt Sachen, die man privat nie tragen würde, sagt Sachen, die man nie sagen würde. Das tut man gemeinsam mit anderen, um gemeinsam eine Geschichte zu erzählen, die nur auf diese Art und Weise funktioniert. Als Musiker macht man genau das eben nicht: Man ist auf der Bühne, wer man ist. Musik ist eine der persönlichsten Dinge und ihre Sprache die universellste. Die geht über das Ohr direkt ins Herz. Jeden Fake würde man sofort merken, glaube ich.

Du tourst immer noch mit dem Album „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit" ...

Ja, es ist die letzte Tour damit. Meine Frau Anna fragt immer schon: „Wie lange wollt ihr das denn noch machen?" Nach dieser Tour setzen wir uns auf den Arsch und schreiben Songs, versprochen. Aber: Wir lassen uns auch jetzt nicht lumpen. Wir haben noch einmal die ganze Show auf den Kopf gestellt, wir haben erstmals ein Bühnenbild, wir haben alles auf die Themen des Albums abgeklopft: die Nacht, Schlaflosigkeit, Fantasie ...

Was ist die Faszination der Nacht?

Die Nacht ist die Kehrseite des Tages. Am Tag ist alles sichtbar. Alles, was wir tun erfüllt einen Zweck, alles, was wir denken, dient einem Ziel. Und wir sind im Ganzen relativ vernünftig. Aber, wenn die Sonne untergeht und wir Feierabend haben, beginnt die freie Zeit. Manche lassen es dann krachen, andere gehen artig ins Bett. Aber alles, was uns tagsüber berührt hat und das wir beiseite geschoben haben, kommt nachts wieder. Und während wir nachts weniger sehen können, werden alle Gedanken tausendmal größer. Die Nacht ist auch die Kehrseite unserer Existenz.

Steht dieser Widerspruch Tag/Nacht nicht auch für deine beiden Rollen? Der Tag als Zeit des Film- und Fernsehschauspielers, die Nacht als die des Theatermenschen und Musikers?

Naja, es gibt ja auch Nachtdrehs (lacht). Aber du hast schon recht; die sind seltener. Und ein ehrlicher Musiker geht morgens um 6 Uhr ins Bett und steht abends um 18 Uhr auf.

Wozu neigst du?

Das kann ich gar nicht beurteilen. Wir haben ja zuhause zwei Kinder, die morgens zur Schule müssen. Das regelt den Tag. Aber ich glaube, wenn es das nicht gäbe, wäre ich wohl doch eher der Nachtmensch.

In „Hallelujah" sehnst du dich nach Nächten, „die länger halten als eine halbe Flasche Wein". Wie sieht eine solche Nacht aus?

Die endet mit dem Sonnenaufgang. Das ist seltener geworden, was nicht nur am Älterwerden und der schwindenden Kondition liegt. Manchmal sitze ich da, auch in meinem Filmbetrieb, und denke: „Hallo, ist das noch dein Leben?" Man hetzt seinem Terminkalender hinterher. Es geht in dem Lied darum, dass der Herzschlag sich verschiebt, was wahrscheinlich doch ein Problem ist, das sich 20-Jährigen nicht erschließt.

Das Album entstand vor zwei Jahren. In der Zwischenzeit hattest du unter anderem deinen 50. Geburtstag. Hat sich dadurch die Perspektive noch einmal geändert?

Keine Ahnung. Ich meine, es gibt ermutigendere Zahlen. Wenn man Jopi Heesters wäre und 100 Jahre alt würde, wäre das ungefähr die Hälfte; aber das steht nicht zu erwarten. Also ist man über die Hälfte drüber.

Hat man heute nicht eher die erste Midlife-Crisis mit Mitte 20 und klammert sich danach nur weiter an die Jugend?

Als ich 30 wurde, habe ich mir ein Fahrrad geschnappt und bin nach Belgien abgehauen. 30 fand ich schlimm. Danach war es mir eigentlich wurscht. Im Moment bin ich ein ziemlich glücklicher Mensch, wegen all der Sachen, die ich tun kann. Und wenn etwas abgeschlossen ist und etwas Neues losgeht, denke ich immer: „Auja, drauf freue ich mich aber auch!" Es ist ein großes Glück und ein großes Privileg, dass ich nur umgeben bin von Dingen, die mir alle Spaß machen.

Was macht dich glücklich?

Dinge tun, die ich mag, die ich gut kann und die auch anderen gefallen. Wäre ich ein Schauspieler und Musiker, bei dem alle sagen: „lass es bitte sein" – das würde mich wirklich unglücklich machen. Weil ich doch so gerne tue, was ich tue.

 Jan Josef Liefers mit Radio Doria live: am 23. März ab 20 Uhr im Theater am Aegi. Karten (32,85 bis 48,25 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops sowie unter

tickets.neuepresse.de

 


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