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Kestner und Goethe Schriften werden restauriert

Kestner und Goethe Schriften werden restauriert© Ralf Decker

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Literatur

Stadtarchiv digitalisiert Kestner-Tagebuch

Die alten Kestners gehen online - zumindest teilweise. Das Stadtarchiv Hannover hat damit begonnen, Privatdokumente des im Jahr 1800 gestorbenen Juristen Johann Christian Kestner (in Döhren geboren), seiner Frau Charlotte („Lotte“) und des Sohnes, Kunstsammler August Kestner, zu digitalisieren.

Hannover. Ziel ist, die Öffentlichkeit auf die seltenen Stücke aufmerksam zu machen und ihrem Verfall vorzubeugen.

Um welche Art von Dokumenten geht es? Tagebücher von Johann Christian Kestner und Briefe, die er und seine Frau Charlotte schrieben. Sie beschreiben das Studentenleben in Göttingen und die Zeit während Kestners Schaffens am Reichskammergericht Wetzlar (siehe Text rechts). Von Sohn August liegen Skizzen vor, mit denen er seine Eindrücke von Reisen festhielt.

Dieser Nachlass wird Stück für Stück digitalisiert, um „der Öffentlichkeit einen Überblick darüber zu verschaffen“, sagt Cornelia Regin, Leiterin des Stadtarchivs. Die Sache hat aber noch einen anderen Hintergrund: Einige Stücke sollen durch das Einscannen für die Zukunft erhalten bleiben, denn durch falsche Konservierung werden sie eines Tages unlesbar sein. Das gilt speziell für die Briefe von Johann Christian Kestner und Charlotte, in denen beide über ihre gemeinsame Zeit mit Johann Wolfgang von Goethe in Wetzlar berichten. Die Schriften sind besonders spannend, denn sowohl Kestner als auch Goethe buhlten damals um Charlotte - Goethe zog den Kürzeren. Darauf basierend entstand Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“. Ausgerechnet diese Briefe lagertenim Zweiten Weltkrieg in einem Tresor am Neuen Rathaus. Bomben setzten ein anliegendes Kohlelagerin Brand, im Tresor wurde es so heiß, dass die Schrift verblasste. Nach dem Krieg wurden die Stücke laminiert und damit ein chemischer Prozess ausgelöst, der das Papier immer dunkler werden lässt. „Deshalb müssen zunächst diese gefährdeten Dokumente digitalisiert werden. In 100 Jahren sind sie wohl unlesbar“, so Regin. Die Verbindung zwischen den Kestners und Goethe ist der Grund dafür, warum die Goethe-Gesellschaft Hannover das Projekt unterstützt. Gestern übergab der Vorsitzende Peter Meuer 5000 Euro an das Stadtarchiv. „Hätte es die Beziehung Goethe/Kestner nicht gegeben, wären die Kestners wohl nicht so bekannt geworden. Es ist uns wichtig, mit dem Geld Erinnerungsarbeit zu leisten“, sagt Meurer. Die Goethe-Handschriften aus der Sammlung Culemann im Stadtarchiv wurden bereits digitalisiert.

Und es ist geplant, eine Datenbank der Kestner-Stücke im Internet (www.stadtarchiv-hannover.de) zu veröffentlichen. Bislang dienen Karteikarten als Register. Die Datenbank soll „die Suche erleichtern“, so Regin. Die digitalen Werke werden nicht im Netz zu sehen sein, können aber im Stadtarchiv betrachtet werden. „Aus rechtlichen Gründen. Und wir wünschen uns, dass trotz Digitalisierung der Gang in Archive nicht ausstirbt“, sagt Meuer.


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