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LEIDENSCHAFTLICH: Des Grieux (Ricardo Tamura) umgarnt Manon (Karine Babajanyan).© Landsberg

Konzert

Staatsoper startet mit „Manon Lescaut“ in die Spielzeit

Saisonstart in der Staatsoper mit Puccinis „Manon Lescaut“ - wer einen Regie-Kracher erwartet hatte, ging leer aus. Oliver Tambosi inszeniert das Drama der tödlichen Liebe am Text entlang.

Hannover. Und so ist Manon hin- und hergerissen zwischen dem Reichtum alter Lüstlinge in zeitgenössischen Kniebundhosen und der Attraktivität junger Kerle in langen Mänteln mit ebensolchen Degen - wie aus der großen Verkleidungskiste (Kostüme: Gesine Völlm). Die Jugend spielt, säuft, rauft, die Alten gockeln gichtig herum. Am ehesten fängt das Bühnenbild Frank Philipp Schlößmanns die ausweglose Liebe Manons ein. Eine riesige Häuserwand mit erleuchteten Fenstern begrenzt die Hinterbühne, überdimensionale Gitter bewachen Manon bis zu ihrer Deportierung, und ein trostloser grauer Sockel bildet die Wüste, auf der die Liebenden verschmachten.

Wenn auch eine neue Sicht auf Puccinis frühe Oper ausbleibt, kommt man doch musikalisch auf seine Kosten. Und das honoriert man im fast ausverkauften Haus am Schluss mit ellenlangem Beifall. Besonders Brian Davis als Manons Bruder hat es den Opernfans mit seinem runden, kräftigen, fokussierten Bariton angetan. Und natürlich Karine Babajanyans Manon: eine glückliche Besetzung mit ihrer beweglichen Stimme. Ihren Liebhaber Des Grieux singt Ricardo Tamura, allzeit höhensicher und präsent, lässt sich von dem manchmal akustisch etwas zudringlichen Opernorchester nichts anhaben - auch wenn sein Schmelz ein wenig darunter leidet.

Der lüsterne alte Geronte wirkt stimmlich alles andere als betagt. Michael Dries Bass ist durchaus konkurrenzfähig mit Manons jüngeren Bewerbern. Mareike Morr singt den „Musiker“ rollengerecht geziert, Edward Mout gibt einen stimmwitzigen Tanzmeister.

Alexander Drcar führt sehr plastisch und transparent durch die Partitur. Der Klangkörper folgt aufs Wort, nur kommt das zunächst sehr sicherheitsbewusst und verwaltet herüber. Erst im dritten und vierten Akt (Gefängnis und Wüste) drängt sich klangliche Leidenschaft in den Vordergrund. Die hat indes der Chor von Anfang an, der stimmlich und spielerisch eine gute Figur abgibt.

Unterm Strich bleibt: tolle Musik, glänzende Stimmen und eine leicht staubige Regie.

Bewertung: 4/5

VON GÜNTHR HEISS


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