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GRÖSSTE UND ÄLTESTE BOYGROUP DEUTSCHLANDS: Die Söhne Mannheims gehen zum 20. Jubiläum auf große Tournee – die führt sie auch nach Hannover.

Interview

Söhne Mannheims: Rolf Stahlhofen über seine Rückkehr zur Band

Mannheims berühmteste Söhne feiern 20. Bandjubiläum. Der verlorene Sohn Rolf Stahlhofen (47) ist wie Xavier Naidoo und Claus Eisenmann für die anstehende Tour zurückgekehrt, die sie am 17. November auch in die Tui-Arena führt. Der Charakterkopf aus der Pfalz ist nicht nur ein begnadeter Soulshouter und Songschreiber, sondern ein ebenso engagierter Aktivist. Ein Interview.

Hannover. Warum sind Sie nach 13 Jahren zurückgekehrt?

Naja, 20 Jahre ist schon eine lange Zeit für eine Band, und ich war 13 Jahre lang nicht dabei. Als Xavier und ich über das Jubiläum sprachen, war es eigentlich klar, da muss ich dabei sein. Im April waren wir mit den Söhnen ein paar Tage unterwegs, und es hat enorm viel Spaß gemacht. Ich erinnere mich noch sehr gut an unsere Konzerte auf der Expo für unseren lieben Freund Wolfgang Besemer, der jetzt leider nicht mehr da ist. Ich freue mich tierisch, endlich mal wieder in Hannover zu spielen. Das wird eine Riesensause!

Wie ist es, mit dieser Band wieder auf der Bühne zu stehen?

Zuerst hatte ich gemischte Gefühle und wollte wissen, was das für ein Haufen geworden ist. Diese Skepsis dauerte einen halben Tag. Irgendwann fühlte es sich frei und schön an, als wäre ich gar nicht lange weg gewesen. Ich bin jetzt wieder Teil eines Konstrukts und muss einiges neu lernen. Das finde ich spannend.

Was mussten Sie lernen?

Zuerst einmal musste ich gucken, wo mein Platz ist. Ich muss nicht alles singen, was ich kann, sondern nur, was der jeweilige Song braucht. Mit dieser Band ist es musikalisch einfach wunderschön - eine Mischung aus Heimkehr und Weiterentwicklung. Anfangs hieß es, ich solle drei Songs singen, mittlerweile bin ich bei 16.

Wie haben Sie sich als Sänger weiterentwickelt?

Ich mache genau das, was ich schon immer gemacht habe. Das passt gut in die neuen Songs der Söhne. Wir Musiker sind ziemlich ignorant und hören uns nur selten an, was die Kollegen machen, weil wir zu sehr mit unserer eigenen Welt beschäftigt sind. In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit den Werken der Söhne auseinandergesetzt und sie auf Konzerten gesehen. Da sind gigantische Songs dabei, und die Band ist eine absolute Macht auf der Bühne. Wir haben neun Sänger, drei Schlagzeuger, zwei Bassisten und zwei Keyboarder.

Wozu braucht eine Band drei Schlagzeuger?

Wenn wir schon eine Reunion und eine Jubiläumstournee machen, müssen auch wirklich alle dabei sein. Da Ralf Gustke in den letzten Jahren nicht mehr mitgespielt hat, war ich froh, dass er wieder gefragt wurde. Aber auch sein Nachfolger Jonny König ist ein fantastischer Schlagzeuger. So tolle Leute sollte man nicht ziehen lassen. Zumal die Söhne Mannheims ein Familienkonstrukt geblieben sind. Ich habe mich immer als dazugehörig gefühlt. Da braucht man dann auch drei Schlagzeuger, weil es geil klingt.

Wie schreibt man in solch einer Konstellation Musik?

Das passiert ja im kleinen Kreis. Es fängt immer mit einer Melodie oder einem Beat an, und daraus entstehen dann Songs. Der Hauptmotor ist Xavier, er hat enorm viele Ideen. Und die Band bringt dann ihren ganzen Zauber da hinein. Wir schreiben bereits neue Songs und lassen alles Weitere auf uns zukommen.

In Ihren eigenen Songs geht es immer wieder um Moral, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Als Xavier mich fragte, ob ich wieder dabei sein wolle, sagte ich ihm Folgendes: Mir ist es wichtig, dass wir uns alle wohlfühlen, wenn wir gemeinsam musizieren. Und ich will kein oberflächliches Gesäusel machen, sondern schöne Melodien und Texte. Schließlich sind wir die älteste und größte Boygroup Deutschlands!

Warum ist eigentlich keine Frau dabei?

Ich glaube, das ist ein Zufall. Im Mannheimer Musikuniversum gibt es immer wieder mal Sängerinnen, die bei uns reinschneien und „Uuhs“ und „Aahs“ singen. Und nachher wird entschieden, ob das in den Song passt. In dieser Konstellation können wir kein Mädel mitnehmen, aber gerne mal eine Kollaboration machen. Es gibt so viele wunderbare Sängerinnen in Deutschland.

Sie sind Wasserbotschafter der UN-Habitat und haben eine Wasserstiftung gegründet ...

Ich möchte die Arbeit mit den Söhnen auch nutzen, um politisch etwas zu bewegen. Ich will keine erfolgreichen Menschen mehr kennenlernen, sondern nur noch welche, die etwas bewegen wollen. Diese Arbeit kann ich überhaupt nur machen, weil ich mit der Musik wahrgenommen werde. Bei der UN-Habitat geht es weltweit um nachhaltige Entwicklung im Wohn- und Siedlungswesen. Ich möchte dafür Sorge tragen, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Worthülse bleibt.

Auf welche Weise?

Für mich ist Wasser ein Menschenrecht. Deshalb besteht auch die Pflicht, sich dafür einzusetzen, aufzustehen, den Arsch zu bewegen und es einzufordern. Natürlich gibt es auf der Erde Wasserknappheit, aber auch bezahlbare Technologien, mit deren Hilfe man jedes Wasser in Trinkwasser umwandeln kann. Das heißt, wenn Wasser ein Menschenrecht ist, dann muss es für jeden verfügbar gemacht werden.

Im Rahmen Ihrer Tätigkeit hielten Sie bereits Vorträge vor Präsidenten und Minister verschiedener Länder. Was haben Sie den Politikern gesagt?

Ich stelle mit meiner Stiftung die Frage: Ab wann ist Gewinn unethisch? Ich kann verstehen, wenn Konzerne Geld haben wollen, aber sie sollten damit auch etwas verbessern, damit der Mensch vor Ort einen Mehrwert hat. Würde es kein Wasser geben, würden Sie und ich jetzt nicht miteinander sprechen. Ein Mensch kann ein Jahr ohne Liebe auskommen, aber nach fünf Tagen ohne Wasser ist er tot. Wir gehen an die Politik heran und sagen: Das Wasserrecht ist auch eine Pflicht! Mit Musik kann man das gut machen.

Olaf Neumann

Tickets gibts in den NP-Ticketshops, unter Telefon
t 0511/12 12 33 33 oder  www.neuepresse.de/tickets

INFO

20 Jahre Söhne Mannheims – Musikanten mit dem großen Sendungsbewusstsein feiern das mit der großen „Von Anfang an dabei“-Tour. Der Hannover-Termin ist kommende Woche Dienstag. Start ist um 20 Uhr in der Tui-Arena.Karten (49,35 bis 60,85 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops sowie unter
tickets.neuepresse.de
Nur wenige Tage später, am 22. November, erscheint „Evoluzion live“ als Doppel-CD mit DVD – ein Mitschnitt der zwei Jubiläumskonzerte der Band im heimatlichen Mannheim. Wie immer bei den Söhnen gilt: viel Köche, viel Brei, aber auch ganz viel Energie.


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