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Alles im Griff:Pierre Büchner vom Duo Piti begeistert bei „Metropolitan“.

Alles im Griff:Pierre Büchner vom Duo Piti begeistert bei „Metropolitan“.

Varieté

So spektakulär ist die neue GOP-Show

Es ist ein wunderbarer Bahnsinn: „Metropolitan“, die aktuelle GOP-Show, verbindet spektakulären Größenwahn mit einem Herz für die kleinen Dinge.

Hannover. Einmal, so scheint es, geht es mit der Straßenbahn an der Limmerstraße entlang, Haltestelle Leinaustraße. Am Supermarkt dort steht aber nicht der übliche Name, sondern: „Knuts kleine Show“. „Klein,“, ausgerechnet – dabei sieht man doch gerade eine der spektakulärste Shows der GOP-Geschichte. Und doch ist auch diese Einschätzung richtig, wie vieles bei „Metropolitan“.

Auf der Bühne steht eine halbierte Straßenbahn, dahinter eine raumfüllende LED-Wand, die eine nie dagewesen Fahrt durch die Stadt simuliert, zum Teil ein Dutzend Artisten davor, teils international gefragte Varieté-Künstler, teils Eigengewächse von Hannovers „Feuerwerk der Turnkunst“. Besagter Knut, also Regisseur Knut Gminder, hat groß gedacht, auch größenwahnsinnig, aber auch detailverliebt, weil er weiß, dass selbst jede Sensation verblasst, wenn sie kein Herz für die kleinen Dinge zeigt.

Es genügt halt nicht, dass sich die Künstler so selbstverständlich und leicht über die ungewöhnliche Kulisse, über Sitzbänke hinweg und an Haltegriffen und -stangen entlang bewegen, als seien es Turnmatten. Sondern sie erzählen dabei Geschichten, wie sie jeder kennt, der öfter Bahn fährt – aber nie so.

Da entwickelt sich die Gockelei zweier Heranwachsender zur kraftmeierischen Partnerakrobatik des Duo Piti. Da wird die Begegnung von Kontrolleurin und Schwarzfahrerin zu einem hinreißend getanzten Pas de deux. Ein seltsamer Kauz, Klaus Loch, kämpft mit den Tücken alltäglicher Objekte und zeigt urkomische Körperkunst.

Eine junge Frau (Francesca Mari rollt sich in der Bahn eine Zigarette, traut sich nicht, sie anzuzünden, kramt in ihren Taschen und holt Jonglagekeulen heraus, die sie beidhändig und beidfüßig mehr schweben als fliegen lässt. Und pafft schließlich doch noch trotzig drauflos. Poledancerin Anna Weirich tanzt sich Liebeskummer von der Seele. Und Hannovers Felice Aguilar zeigt ihre atemberaubende Sportgymnastik auf winziger Drehscheibe. Die Musik dazu – Annett Louisans „Die Lösung“ – macht daraus die perfekte Lolita-Nummer.

Überhaupt der sorgfältig ausgewählte Soundtrack: Tic Tac Toe erklingen ebenso wie Element of Crime und Fury in the Slaughterhouse. Und so feiert „Metropolitan“ nicht nur 125 Jahre Üstra, 30 Jahre Feuerwerk der Turnkunst und 25 Jahre GOP, sondern eben auch ganz nebenbei ein weiteres Jubiläum: Die Band wird dieses Jahr auch 30.

Nicht nur durch Hannover geht es, sondern auch in den Himmel, unter Wasser und – im großen Finale – in ein Disco-Inferno. Dieser wunderbare Bahnsinn kennt kein Halten.

Bis 29. Oktober im GOP. Karten gibt es in den NP-Ticketshops.

Von Stefan Gohlisch


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