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Filmkritik

So gut ist der neue "Star Wars"

War die Macht mit Regisseur J. J. Abrams? „Star Wars VII – Das Erwachen der Macht“ ist ansehnlich geworden – und voller Déjà-vus. Ab morgen läuft er in den deutschen Kinos.

Hannover. Beständig ist nur der Wandel. Es gibt in der Geschichte der Menschheit, das sehen wir gerade wieder, keinen Moment, nach dem alle weitere Zeit nur ein langer, ruhiger Fluss ist. Friede, Freude, Eierkuchen zu schenken, ist das Privileg der Traumfabrikanten. Ein solcher Hollywood-Moment war die Feier nach der Schlacht von Endor in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983). Wie da die Ewok-Bärchen tanzten und putzigen Spacefolk machten! Und wie sich sogar die Geister von Darth Vader und Obiwan Kenobi in postumer Eintracht umarmten! Alles war gut, es schien der Beginn eines Goldenen, kosmischen Zeitalters.

Es war einmal. Und blieb nicht so,  wie wir nun in „Das Erwachen der Macht“ sehen. Auf den kitschigen Schluss folgt nun ein neuer Anfang, ans ultimative Happy End werden weitere Filme geknüpft. Es herrscht Ernüchterung im Science-fiction-Märchenland. Han Solo ist längst wieder losgezogen, um im All zu abenteuern wie früher. Seine Frau Leia blieb zurück, den gemeinsamen Sohn zu betrauern. Wohin ihr Bruder Luke, der Freiheitsheld von Alderaan, verschwand, weiß heute, 30 Jahre nach Endor, kein Mensch mehr. Aber die Republikaner, die Guten in der Galaxis „far, far away“, könnten Luke derzeit gut brauchen. Denn das Böse steht, es ist sein oberstes Gesetz, noch einmal auf. Um nach Luke zu fahnden, um den letzten der Jedi-Ritter aus dem Weg zu räumen. Um doch noch alles beherrschen zu können, alle zu unterdrücken.

Vieles ist anders und zugleich ähnlich in J. J. Abrams’ kommerziell schon jetzt geglücktem Versuch, das größte Franchise der Filmgeschichte neu zu beleben. Was einst das Imperium war, ist jetzt der „First Order“. Der Generalissimus heißt Kylo Ren (Adam Driver), in ihm wirkt die Macht, sie befähigt ihn zu psychokinetischen Kräften. Er trägt seinen Tschadar-ähnlichen Helm nicht aus medizinischen Gründen wie der lungenkranke Darth Vader, sondern weil er die Maske seines Vorgängers so cool fand. Der neue Todesstern, genannt Starkiller Station, ist um ein Vielfaches größer als die beiden älteren. Der aktuelle Vater-Sohn-Konflikt ist nicht minder tödlich als die beiden vorherigen der Serie, aber ungleich erschütternder. Und die in Würde gealterte Prinzessin Leia (Carrie Fisher) hat sich von den Haarbrezeln getrennt, die immer aussahen wie Gemeinschaftswerke der Friseur- und der Bäckerinnung und trägt dafür jetzt eine ebenfalls gewagte Julia-Timoschenko-Frisur. Das sind nur einige Déjà vus von vielen. Es ist einem, als hätten Abrams und sein Ko-Autor Lawrence Kasdan die  ersten drei „Star Wars“-Filme in die Luft geworfen und die Scherben neu zusammengeklebt.

Und doch ist „Star Wars VII – Das Erwachen der Macht“ auch ein immer wieder begeisterndes Erlebnis geworden. Anders als George Lucas, der in den vorherigen drei Filmen  „Die dunkle Bedrohung“, Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith (1999 bis 2005) kalte CGI-Folien geschaffen hatte, deren Bilder zehn Jahre später nur noch an Computerspielgrafik erinnern, muten die Abrams’schen Welten real und begehbar an. Neben einigen Monstern aus dem Rechner, wie einem Riesenschwein, das seinen Trog nicht mit Menschen teilen will, gibt es jede Menge Puppen, Schauspieler in Kostümen und Rüstungen, einen knallbunten Alien- und Droidenzoo. Die Detonationen in diesem Film sind das Verdienst von leibhaftigen Pyrotechnikern, und die Waffen der stets wie frisch aus der Waschstraße aufmarschierenden Sturmtruppen haben echten Rückstoß.

Gegen die ikonischen Momente des Films kann man sich dann überhaupt nicht  erwehren. Wenn der Millennium Falke, dieses Auster-förmige Lieblingsraumschiff aller „Star Wars“-Fans, zum ersten Mal abhebt, zunächst gefährlich kippt und auf der Kante tänzelt, noch einmal breit in den Sand kartätscht, bevor er mit seinen gletscherbonbonblauen Triebwerken durchstartet, ist man ergriffen. Erst recht, wenn der alte Han Solo mit seinem besten Freund Chewbacca sein altes Gefährt mit einem erleichterten „Chewie, we’re home!“ wieder in Besitz nimmt. Und angesichts der deformierten Maske Darth Vaders erfasst uns leichtes Grauen. Das waren Zeiten.

Neue Helden lösen die alten ab. Der wagemutige Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) wird wohl erst im nächsten Film richtig durchstarten. Der von Skrupeln befallene Ex-Sturmtruppler Finn (John Boyega) hat da schon mehr Leinwandzeit. Am eindrucksvollsten ist die Britin Daisy Ridley als Rey, in der die Macht erwacht und so lange wächst, bis Luke Skywalkers altes Laserschwert ihr in die Hand springt. Sie ist die Tochter unbekannter Eltern, die Antagonistin zu Kylo Ren und dem Siebenmeterschurken Snoke. Wenn da mal bloß kein Skywalker-Blut in ihren  Adern fließt.

Nicht zu vergessen ist BB-8, der kleine Rollbot, der so lange bliept und zwitschert, bis man eine Seele in ihm vermutet. Nein, keine Sorge, Abrams belässt die Märchenlandfiguren in all ihrer Einfachheit, es wird höchstens ein bisschen verdüstert und psychologisiert. „Star Wars VII“ ist ein Film über Familie und soll für Familien sein, die zu Weihnachten eine gute Zeit haben wollen.

Ach, Sie wollen wissen, was mit Luke los ist? Wird nicht verraten. Aber wenn er nicht gestorben ist, sorgt er für ein zusätzliches Déjà vu. Weiter geht es mit „Star Wars VIII“ im Mai 2017.


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