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Kunst

Skulpturen und Filme von Nathalie Djurberg

Mit Knetgummi zum Shootingstar der internationalen Kunstszene: Die Kestnergesellschaft zeigt die seltsame Welt der Nathalie Djurberg.
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Mädel und Frosch im Trickfilm von Nathalie Djurberg.

VON HENNING QUEREN

Das Märchen vom verwunschenen Prinzen wird hier mal so ganz anders erzählt. Der Frosch, der dazu gehört ist da. Und auch die, nunja, Prinzessin, die hier vielleicht ein wenig zu nackt ist. Aber egal, das spart immerhin Zeit. Und statt einem züchtigen Kuss wird das glitschige grüne Ding rundherum abgeschleckt.
Und dann zeigt der Frosch, was er mit seiner langen Zunge so alles machen kann. Nach einer gewissen lustvollen Zeit sind die beiden sich so innig zugetan, dass keiner mehr darüber nachdenkt, dass sich der Frosch doch auch in einen Prinzen verwandeln könnte. Echte Tierliebe halt.
Ein Film, der ebenso so naiv gemacht wie perfekt kalkuliert wirkt: Die in Berlin lebende schwedische Künstlerin Nathalie Djurberg gehört mit ihren obsessiven Knetmassearbeiten zu den Shootingstars der internationalen Kunstszene, ist bei Sammlern (Fondazione Prada) hoch begehrt. Die 32jährige war bei Hannovers Kunstschau „Made in Germany“ dabei, kam im vergangenen Jahr bei der Venedig-Biennale (Silberner Löwe) groß raus. Die Ausstellung der Kestnergesellschaft wird weiter nach Rotterdam und Kopenhagen wandern.

Zwei Filme und 42 Skulpturen umfasst die Schau mit dem passenden Titel „Snake knows it‘s Yoga“. Und wie die Schlange es weiß, zeigt der zweite Film, in dem eine Schlange einen Knetgummi-Yogi durch die Luft wirbelt, allerlei seltsame Dinge mit ihm anstellt, ihn in Trance versetzt – und am Ende zerfleischt. Wobei der Yogi dabei ein überaus zufriedenes Lächeln zeigt.

Schmerz, Lust und Leid, Ekstase, Angst und Tod sind die Themen der Künstlerin, die sie in den 42 Figuren variiert, die im abgedunkelten Raum in geheimnisvoll leuchtenden Plexiglaskästen präsentiert. Götter, Fakire, Heilige und Huren bevölkern das seltsame Universum. Die Figuren könnten auch als Voodoo-Püppies durchgehen mit ihren angeklebten Harren und seltsamen Bemalungen. Wie ein Prinz auf der Erbse thront einer der Fakire auf einem turmhohen Matratzenstapel, in einem anderen Pexiglaskasten sind etliche Frauenleiber auf einem dicken Nagel aufgespießt wie Kassenzettel.

Leid ertragen – wofür? Vielleicht für Ekstase und Erlösung? Die Frage bleibt hier unbeantwortet. Was dieser Ausstellung genügend Raum lässt für puren Spaß an der Kunst. Die Filme jedenfalls lassen sich auch einfach als wunderbare Animationen mit hohem Schauwert genießen. Ein bisschen Zeit sollte man mitbringen.


Eröffnung 2. 9. ab 19 Uhr. Die Ausstellungen Nathalie Djurberg und Cecily Brown laufen bis 7. November.


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