Navigation:
Weltreisender: Silvester von Hösslin posiert schon mal im Heißluftballon, der ihm hilft, „In 80 Tagen um die Welt“ zu kommen.

Weltreisender: Silvester von Hösslin posiert schon mal im Heißluftballon, der ihm hilft, „In 80 Tagen um die Welt“ zu kommen.
© Frank Wilde

Interview

Silvester von Hösslin reist „In 80 Tagen um die Welt“

„In 80 Tagen um die Welt“, Jules Vernes klassischer Traum von einer beschleunigten Welt, ist das diesjährige vorweihnachtliche Familienstück am Schauspielhaus. Wir sprachen mit Silvester von Hösslin, dem Darsteller des Phileas Fogg, über die Inszenierung von Tilo Nest, die Verheißung des Fremden und persönliches Fernweh.

Hannover. Heute hat am Schauspielhaus „In 80 Tagen um die Welt“, das diesjährige Familienstück, Premiere. Die Hauptrolle spielt Ensemble-Mitglied Silvester von Hösslin. Ein Interview.

Sie bringen „In 80 Tagen um die Welt“ mit nur sechs Schauspielern auf die Bühne. Wie soll das denn gehen?

Ja, es sind nur sechs. Und manchmal merken wir auch, dass wir mehr bräuchten, weil wir eben auch die kleinen Rollen alle spielen müssen. Aber es war eine bewusste Entscheidung, es klein zu halten. Es ist eine große organisatorische Herausforderung, allein das Handling der Kostüme.

Also sind auch Sie nicht nur Phileas Fogg?

Bis auf eine Ausnahme bin ich nur Phileas Fogg. Darüber bin ich ganz froh. Ich muss mich nicht groß umziehen; ich werde nicht umgeschminkt.

Wer ist dieser Phileas Fogg? Ein Gentleman voller Pflichtgefühl? Ein Hasardeur mit mühsam unterdrückter Abenteuerlust?

Interessant finde ich, dass er im Kern durch und durch ein Engländer ist: unterkühlt, korrekt, steif. Er geht seinen Gewohnheiten penibel nach: Auf die Sekunde genau erscheint er im Club; auf die Sekunde genau nimmt er seine Mahlzeiten zu sich. Und auf der Reise macht es Spaß, herauszufinden, wann er denn mal ein bisschen ausbüxt, wann er mal nicht Gentleman ist. Bei der Begegnung mit der indischen Prinzessin – die bei uns ein Fräulein ist – fällt ihm das schwer.

Was bringt ihn dazu, nicht mehr Gentleman zu sein?

Der Anlass kommt von außen. Aber ich glaube, dass es schon in ihm drinsteckt. Es geht ziemlich schnell, dass er sagt, er habe diese Reise kalkuliert, sie sei in 80 Tagen zu schaffen. Das heißt doch, dass er diesen Wunsch schon länger in sich getragen hat. Und bei all dem, was ihm auf der Reise passiert, gibt es genug Gelegenheiten, mal nicht der steife Engländer zu sein.

Wie wichtig ist Passepartout für ihn?

Sehr wichtig. Ich glaube, Fogg geht nur mit Passepartout, und Passepartout geht nur mit Fogg. Diese Antipoden funktionieren toll. Andreas Schlager spielt ihn. Wir arbeiten das erste Mal zusammen. Das macht viel Spaß.

In der Geschichte geht es letztlich um das Versprechen einer kleiner und schneller werdenden Welt. Kann man diese heute, da das Versprechen oft triste Realität geworden ist, noch ohne Brüche erzählen?

Was diese Geschichte aber auch erzählt, ist, dass die Welt so verschiedenartig ist. Die Welt ist groß, sie ist immer noch groß, auch wenn sie kleiner geworden ist. Ich bin eh fasziniert davon; ich habe zuhause zwei Weltkarten hängen, die ich mir immer wieder angucken kann. Ich bin fasziniert von der Frage: Was passiert eigentlich gerade auf der anderen Seite der Welt? Und das wird hier, gerade durch die Entschleunigung der Geschichte, sehr schön erzählt.

Wollen Sie mit der Inszenierung Lust auf die Welt wecken?

Das ist sicher eine gute Idee dabei. Ich finde es erzählenswert, dass die Welt freundlich ist. Das ist eine schöne Aussage.

Wie opulent wird es bei Ihnen?

Das Bühnenbild kann viel (lacht). Den Ballon haben Sie schon gesehen. Schiffe wird es verschiedene geben, Züge ... Was ich bis jetzt gesehen habe, sind wunderschöne Bilder.

Ist für Sie die Arbeit an so einem Familienstück eine andere als sonst?

Von der Einstellung her: nein. Wir nehmen das wirklich sehr ernst. Und Tilo Nest, der Regisseur, nimmt das alles sehr genau. Er will, dass wir ein klares Gerüst haben, mit dem man dann aber wiederum spielen kann. Wir sind uns schon bewusst, dass wir meist vor jungen Leuten spielen werden.

Was liegt Ihnen mehr: die Genauigkeit oder die Improvisation, der steife Gentleman oder der Abenteurer?

Ich stehe sehr auf Genauigkeit im Theater, weiß aber natürlich, dass die nur die halbe Miete ist. Das Herz oder der Bauch sind das Wichtigste. Ich mag es, wenn Sachen genau gebaut sind, man es aber nicht sieht.

Eine Sache habe ich beim Lesen des Romans nie verstanden: Wie konnte Phileas Fogg, diesem so exakten Engländer, der eine entscheidende Fehler unterlaufen, der ihm letztlich die Wette rettet?

Ehrlich gesagt: Man darf nicht zu lange darüber nachdenken. Es geht auch in der Erzählung nicht ganz auf. Ich werde das großzügig übersehen.

Mehr Informationen zum Stück finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie