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NP-Interview

Silbermond starten neu durch

Die ersten zehn Jahre Bandgeschichte schlossen Silbermond 2014 mit dem Best-of-Album „Alles auf Anfang“ ab. Ende 2015 gab es den Neustart mit „Leichtes Gepäck“. Damit gehen die Wahlberliner aus Bautzen nun auf Reisen. Die NP sprach mit Sängerin Stefanie Kloß (31) und Schlagzeuger Andreas Nowak (33) über Ballast und Loslassen-Können.

„Leichtes Gepäck“ - wie programmatisch ist der Albumtitel?
Andreas: Schon sehr. Wir haben zehn Jahre lang gemacht, gemacht, gemacht und irgendwann gemerkt, dass wir gar keine Zeit mehr hatten zu reflektieren. Die Schultern wurden schwerer, so dass wir uns die Frage gestellt haben ,Was beschwert uns?‘.

Und?
Andreas: Der Erfolgsdruck. Wir haben den Fokus beinahe von der Musik genommen, uns ein bisschen verrückt machen lassen. Das merkt man aber erst, wenn man sich Zeit nimmt, Ballast abzuwerfen. Darum: leichtes Gepäck.

Nach dem Best-of war Raum und Zeit, Tabula rasa zu machen?
Andreas: Ja, „Tabula rasa“ wäre übrigens auch ein schöner Titel für die Platte gewesen (lacht).

Die sich durch eine starke Reduktion, auch der Instrumentierung, auszeichnet. War das Absicht?
Stefanie: Eines unserer Erkenntnisse war, dass wir auch musikalisch voneinander weggedriftet waren, weil wir uns auch von den technischen Möglichkeiten hatten verführen lassen. Uns war klar: Wenn wir wieder als Band nach vorne wollen, müssen wir das Ding auch zusammen einspielen, nur wir vier. Weil wir wieder ein Gespür füreinander bekommen mussten. Damit einher ging auch der Anspruch an jeden einzelnen Song: dass er nur in der Viererkonstellation funktioniert. Um das live einzuspielen, braucht man auch ein Studio, in dem das geht. Deswegen sind wir auch nach Nashville gefahren.

Gitarre, Bass, Schlagzeug - mehr braucht kein Mensch?
Stefanie: Ja, so ungefähr (lacht). Das war zumindest des Grundgedanke: Es muss zu viert funktionieren - und danach guckt man erst, ob die Grundmauern noch ein Dach brauchen.

Aber wenn, dann richtig, mit dem Filmorchester Babelsberg ...
Andreas: Eben. Wenn, muss man doch richtig auf die Pauke hauen (lacht). Wobei ich glaube, dass wir es ganz gut hinbekommen haben und es nicht zu pathetisch geworden ist. Wir wollten ein bisschen Ennio-Morricone-Style ...

Warum ging es ausgerechnet nach Nashville? Weit weg sein kann man auch anderswo.
Stefanie: Nashville ist unglaublich versiert, was Studios angeht. Musik ist dort einfach zu Hause, übrigens nicht nur Country. In Deutschland wird die Studiokultur eher zurückgefahren. Dort sind die technischen Möglichkeiten enorm. Und: Wir hatten nach zehn Jahren den Produzenten gewechselt. Da dachten wir, ein Tapetenwechsel wäre nicht schlecht. Wir vier konnten dort wirklich gut erneut zusammenwachsen.

Färbt die Atmosphäre der Stadt ab?
Andreas: Ja, man atmet dort förmlich Akkorde. Abgefahren. Man kommt dort als Musiker an und fühlt sich wohl. Das entspannt. Und das hilft bei den Aufnahmen.

Was die Themen des Albums angeht, sehe ich zwei Pole: zum einen die alten Geschichten, die - in „Indigo“ - vielleicht schon vorbei sind, und zum anderen die Leichtigkeit, am deutlichsten in „Das Leichteste der Welt“ - die aber zum Teil nur noch ein Sehnsuchtsgefühl ist ...
Stefanie: Wir mussten lernen, uns überhaupt wieder richtig zuzuhören, was verloren gehen kann, auch wenn man sich täglich sieht. Wir haben uns erst einmal hingesetzt und gequatscht. Um zu gucken: Wo steht jeder Einzelne von uns jetzt? Was hat er erlebt? Was hat ihn persönlich belastet? Was sind seine Wünsche? Wo sehen wir unsere Zukunft als Band?

Das geht im Alltag verloren.
Stefanie: Ja, man kratzt immer nur an der Oberfläche. Bei all dem, was wir, auch schon als junge Band, erlebt haben, war das das Entscheidende, was wir verpasst haben: zu gucken, was jeder von uns jenseits der Band macht. Darum begann das Album mit einer Wand voller Zettel, auf die wir Themen schrieben, die uns wichtig sind. Und das waren eben genau die Sachen, die du angesprochen hast, wieder mehr Mut zu haben wie früher, Leichtigkeit zurückzugewinnen, sich von Sachen zu trennen, die einen beschweren. Wir haben es die vergangenen zehn Jahre verpasst, auch mal zu feiern.

Was ist wichtig als Band?
Andreas: Empathie. Sich einfach auch mal ohne Worte zu verstehen. Auch hinter der Bühne. Und jeder braucht gleich viel Raum.

Was ist heute Luxus für euch? Ist es so einfach, wie es der Song „Heute habe ich Zeit“ impliziert: Freizeit als Luxus?
Stefanie: Es klingt vielleicht total abgedroschen. Aber so ist es doch. Alle haben immer total viel zu tun, mit Facebook hier, Chatten dort, Party hier, Arbeit dort. Ich finde die Vorstellung einer Stopp-Taste total toll, die jeder auf dem Schreibtisch hat und drücken kann, wann immer er das Gefühl hat, Zeit zu brauchen.

Stand es mal zur Debatte, eine Auszeit als Band zu nehmen?
Andreas: Ein Sabbatical, wie man so schön sagt? Nach dem letzten Album haben wir uns tatsächlich eine kleine Pause gegönnt. Wie heißt es so schön? Ein leerer Schwamm saugt besser.

Aber das Gefüge der Band stimmte immer?
Andreas: Ja, und es ist schön zu sehen, dass es atmet.

Wohin soll es gehen?
Stefanie: Gerade durch diese Phase planen wir nicht mehr, was in fünf oder zehn Jahren sein soll, sondern genießen den Moment. Unser Rucksack ist leer und kann neu befüllt werden. Ich bin erst einmal unglaublich froh über dieses Album.

Als Nächstes steht die Tour an. Großproduktion oder leichtes Gepäck?
Andreas: Wir planen gerade. Es soll ein Erlebnis werden. Der Titel des Albums soll schon eine Rolle spielen. Aber man kann ja nicht einfach nur mit den paar Instrumenten kommen.

Stefanie: Aber es wäre schön, mal zu gucken, was denn wohl passiert, wenn wir diesmal „Das Beste“ nicht spielen (lacht).

Was nicht passieren wird.
Stefanie: Nein, wir sind natürlich total froh, dass wir solche Songs haben, weil die uns unglaublich viele Türen geöffnet haben.

Silbermond live: Am 10. Mai spielen sie in der Tui-Arena. Karten (37,30 bis 49,50 Euro) gibt es in den NP-Ticket-Shops sowie unter tickets.neuepresse.de


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