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STAR DES ABENDS: Aleksandra Liashenko tanzt Mann und Frau in der Doppelrolle Viola-Cesario. Toll sind ihre Duos mit Patrick Michael Doe als Herzog Orsino. © Weigelt

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Tanz

Shakespeare-Ballett-Premiere: Viel Applaus für "Was ihr wollt"

Es fällt natürlich schwer, an so einem Tag etwas Heiteres zu genießen. Die Staatsoper hatte sich entschlossen, vor der Premiere des neuen Balletts kein Innehalten, keine Gedenkminuten einzulegen. Hier galts der Kunst.

Hannover. Und die war durchweg sehenswert. Zehn Minuten Applaus für das neue Shakespeare-Ballett „Was ihr wollt“ von Jörg Mannes - das für einen unbeschwerten Genuss in der dunklen (Jahres-)Zeit steht und zum Publikumsrenner werden dürfte.

Shakespeares Komödie ist ziemlich verwirrend, wer da wie verkleidet ist und in wen verliebt ist auf dieser seltsamen Insel. Diese Verwirrung transportiert Mannes’ 90-Minüter auf ebenso wunderbare und nachvollziehbare Weise. Und das Schöne: Man kanns auch genießen, wenn man die komplexe Geschichte gerade mal nicht so richtig präsent hat.

Das liegt an den tollen Tänzern. Allen voran Aleksandra Liashenko als Viola, die der Star des Abends ist. Wobei Viola nicht ganz richtig ist, denn sie hat sich ja in Cesario verwandelt, tanzt als Mann und Frau. Das ist dann schon großartig, wie das Kumpelduett mit dem Herzog, dieser Männer-Pas-de-Deux mit Patrick Michael Doe (elegant und sprungstark) angemessen doppelbödig gelingt.

Das Bühnenbild (Thomas Rupert) ist entsprechend. Auch hier Verwirrung durch geometrische Labyrinth-Muster im Hintergrund, durch immer wieder wechselnde Lichtstimmungen von nachtblau bis blutrot und durch die seltsamen Gebilde, die sich durch einfaches Ziehen Richtung Bühnenhimmel von Radarschirmen in Quallen verwandeln. Die stehen für die große Verwirrung kurz vor Schluss, bevor sich dann alles entflechtet, als sie zu einem undurchdringlichen Wald aus armdicken Lianen werden.

Das Ganze ist in der Grundstimmung fröhlich bunt: Immer wieder tobt ein verrückter Zirkus (Kostüme: Amit Epstein) über die Bühne, und Sir Andrew (Hongtao Lin) hat reichlich Blumen-Gemüse auf dem Kopf. Was dann zur Küchenparty passt, bei der die Compagnie unzählige Pfannen und Töpfe in voller Bühnenbreite scheppern lässt.

Echte Lacher und reichlich Szenenapplaus bekommt Denis Piza, der die tragisch-komische Rolle des Malvolio übernommen hat: ein Poser in gelben Strümpfen, der erstaunlicherweise bei keiner Frau landen kann. Und ziemlich nackt ein schräges Strumpfbandhalter-Solo aus einem Käfig voller Narren hinlegt. Und mit ihm hört der Abend auch ein wenig melancholisch auf - wie er einsam und unbeweibt allein in den Bühnenhintergrund schreitet. Vorhang.

Das Publikum feiert auch Staatsorchester-Dirigent Mark Rohde, der mit Übersicht die überaus reizvolle Tonspur (Prokofjew, Schostakowitsch, Dvorak) einstudiert hat.

Bewertung: 4/5


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