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Die Farbe Lila: Seven verbeugt sich vor Prince.

Die Farbe Lila: Seven verbeugt sich vor Prince.
© Sven Germann

Interview

Seven bekennt Farben

Vier Farben, vier Stimmungen, vier Spielarten des Soul: Seven hat sein neues Album „4Colors“ veröffentlicht. Wir sprachen darüber mit dem Schweizer.

Hannover, Hannover.  

In seiner Schweizer Heimat ist der Soulsänger Seven (38) schon lange ein Star. In Deutschland wird er es, seit er 2016 an der Sendung „Sing meinen Song“ teilnahm. Nun erschien sein neues Album „4Colors“. Ein Interview.

Ihre Lieblingszahl ist bekannt. Was ist Ihre Lieblingsfarbe?

Das ist schon purpur.

Wegen Prince?

Ja, die Farbe ist für mich mitvielen Erinnerungen und viel Energie verbunden. Prince hat sie mir sehr nahegebracht. Als ich so elf, zwölf Jahre alt war, habe ich erstmals „Off the Wall“ von Michael Jackson gehört. Das Album hat mir die Tür geöffnet zu allem, was davor und danach kam, und eben auch zu Prince. Der hatte es mir endgültig angetan.

Nun verbeugen Sie sich – zumindest auf dem purpurnen Viertel Ihres neuen Albums – tief vor ihm. was bedeutet er Ihnen?

In erster Linie ist jeder Musiker auch Musikliebhaber; diese Einflüsse hört man. Mir hat Prince viel Mut gemacht, weil er gezeigt hat, dass Musik, die wirklich Spaß macht und Sinn ergibt, keine Regeln hat. Es gibt nichts, was man nicht darf, solange man authentisch ist. Das hat er in extremer Weise gelebt. Für mich ist er der Crossover-Künstler überhaupt. Der Purple-Teil ist wirklich als Hommage gedacht. Um zu zeigen: ich halte die Fahne hoch, für all die anderen Purple-People da draußen. Ich wollte buchstäblich Farbe bekennen.

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Album mit seinen vier Kapiteln und seinen vier Farben?

Grundsätzlich denke ich mir nie ein Konzept aus und arbeite daran. Sondern ich habe Lust auf Dinge. Beim Musikmachen arbeite ich in der Vorbereitung sehr kleinlich, sehr perfektionistisch. Aber wenn es ernst wird, dann steht das Spielen im Vordergrund. Und diesmal hatte ich so viel Lust auf unterschiedliche Dinge. Da saß ich vor dem Problem, nämlich vier unterschiedlichen musikalischen Farben, und mir war bewusst, das kriege ich nie unter einen Hut. Bis ich merkte, dass mein Problem die Lösung ist. Ich konnte vier kleine Filme geschrieben.

Es gibt ein paar Zusammenarbeiten auf dem Album, darunter zwei deutschsprachige. Wie fremd war es für Sie, deutsch zu singen?

Auf Deutsch zu singen, ist inzwischen gar nicht mehr so fremd. Mit Thomas D habe ich, als ich zum zweiten mal im Vorprogramm der Fantastischen Vier gespielt habe, abends oft zusammengesessen und diskutiert, unter anderem eben auch über das Thema Zeit. Darüber, dass alle immer jung und gesund und fit und glücklich sein müssen und über dem damit verbundenen Stress vergessen, die Zeit zu genießen. Irgendwann fiel der Satz „Zeit ist unsere letzte Währung“, und uns beiden fiel auf: Oh, der ist gut. Daraus entstand der Song.

Und der andere deutsche Song, „Die Menschen sind wir“ mit Kool Savas und Nico Suave?

Ich habe vergangenes Jahr in Luzern ein Konzert gegeben für „Kinder auf der Flucht“. Ich habe den Fehler gemacht, mir einige Kommentare dazu ins News-Portalen anzuschauen – das sollte man nie machen. Man ahnt nicht, wie tief die Abgründe sind. Das hat mich so aufgeregt, wie dort immer nur von den eigenen Problemen und eigenen Bedürfnissen redet und sie nie in ein Verhältnis stellt. Mit solchen Menschen möchte ich nichts zu tun; manchmal denke ich, das ist eine andere Spezies. Und dem habe ich „Die Menschen sind wir“ entgegengestellt. Ich habe sofort ein Studio gebucht, Savas und Nico angerufen und mit ihnen dieses Song gemacht.

Die beiden machen in ihren Strophen den Advocatus Diaboli und klingen wie solche Foren-Schreiber ...

Ja, damit die Hörer zunächst erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, wenn man so blöd ist.

Zurück zum Album: Die gelbe Stimmung, die für warmen Soul steht, und die rote der Leidenschaft kennt man von ihnen. Weniger die getragene blaue ...

Erst einmal: Ich bin ein Riesen-Björk-Fan. Kalte, anspruchsvolle, sich in Selbstmitleid suhlende Musik habe ich schon immer gerne gehört, aber in dieser Form noch nie gemacht.

Wie kommt es zu einem Song wie „Thank you Pain“?

Auch hier leben wir in einer Zeit, in der es allen immer gut geht. Die Frage „Wie geht es dir?“ ist eine reine Floskel, auf die man kaum wahrheitsgemäß antworten darf. Aber diese Momente, in denen man Schmerz fühlt, einen Schmerz, der sich tief in einen hineinbohrt, das sind doch die Momente, in denen wir alle gleich sind. Und es sind die Momente, die wirklich wichtig sind. Nicht zuletzt, weil man dann die Chance hat, etwas zu verändern. Schmerz ist auch immer ein Anfang.

Wann haben Sie das letzte Mal Schmerz verspürt?

Wenn man Vater ist und unterwegs ist und zuhause anruft und hört, dass der Kleine krank ist und Fieber hat ... Da geht es eigentlich um gar nichts, aber man bekommt Angst, weil man spürt, dass man wirklich viel zu verlieren hat.

Nun sind Sie bald wieder auf Tour. Das letzte Mal, als wir miteinander sprachen, stand die erste Deutschland-Tour nach Ihrer „Sing meinen Song“-Teilnahme an, und Sie sprachen davon, sich wieder zu fühlen wie ein Newcomer. Wie hat es sich entwickelt?

Das hat sich sehr schön entwickelt. Aber es war schon seltsam. In der Schweiz habe ich, glaube ich, in jeder Location gespielt, die es dort gibt. Ich weiß genau, was wo passiert – was mir als Kontrollfreak zugute kommt. Wenn man dann aber zum Beispiel das erste Mal im Backstagebereich der Großen Freiheit in Hamburg steht und oben holpert und kracht es und der Veranstalter sagt: „Ihr müsst jetzt anfangen!“ und man hat überhaupt keine Ahnung, wer da kommt und wie die drauf sind, das war wirklich ein unfassbares Abenteuer. Auch weil die Menschen wirklich an der Musik interessiert waren, wovon nicht unbedingt auszugehen ist, wenn man aus so einem Mainstream-Format kommt.

Mit welcher Erwartung gehen Sie in die nächste Deutschland-Tour?

Es ist die erste Deutschland-Tour mit einem neuen Album. Da ist wieder eine Jungfräulichkeit dabei, und die Leute sind von Anfang an mit dabei – wie in einem Restaurant, das neu eröffnet hat.

Sie mögen offenbar kulinarische Metaphern: Letztes Mal sprachen Sie davon, dass Sie Musik zubereiten wie ein Koch, der alle Zutaten parat hat.

Ja (lacht. Und dieses Menü habe ich noch nicht so oft gekocht. Mal schauen, wie es den Leuten schmeckt. Ich hoffe, dass sie mich weiterempfehlen. Aber das gibt mir auch einen Kick. Und ich freue mich darauf, wenn ich dieses Set 50, 60 Mal gespielt habe, denn ich bin immer auf der Suche nach dem perfekten Konzert.

Seven live: am 9. November im Capitol. Karten (30,95 Euro) gibt es

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Von Stefan Gohlisch


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