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NP-Interview

Seven: "Live lässt man die Hosen herunter"

In seiner Schweiz Heimat ist der Funk- und Soul-Musiker Jan Dettwyler (38) alias Seven weltberühmt. In Deutschland kennt man ihn vor allem seit der Fernsehshow „Sing meinen Song“. Jetzt geht er auf eine Tournee, die ihn auch nach Hannover führt.

Ihre erste Solo-Tour durch Deutschland steht an. Wie sehr hat Ihnen „Sing meinen Song“ geholfen?
Der Moment hätte besser nicht sein können. Ich hatte zuvor die Fantastischen Vier als Support begleitet, was schon toll war; immerhin war ich mit den jungen Herren aufgewachsen. Unmittelbar danach habe ich für sie ein Gesangsfeature aufgenommen, und unmittelbar danach rief Xavier Naidoo an, ob ich für die Show nach Südafrika kommen kann - erst Geheimtipp, dann, zack, die größte Musikshow, die Deutschland zu bieten hat ... Da hat sich echt über Nacht alles verändert.

Wie ist es, nach all den Jahren der Bekanntheit in der Schweiz plötzlich wieder ein Newcomer zu sein?
Das Gefühl kannte ich ganz lange, aber es war in den Hintergrund gerückt. Ich hatte ja auch in der Schweiz schon lange Musik gemacht, bevor ich bekannt wurde. Ich spielte zum Beispiel in der Band meines großen Bruders und war immer der Junge, der süße Kleine, der Unbekannte. Das hat lange mein Leben begleitet. Seit fünf Jahren gehöre ich in der Schweiz ein wenig zu den alten Hasen und bin etabliert.

Und dann die Show ...
Ja, da war ich wieder ein Newcomer, nicht von dem er, was ich machte. Ich weiß schon, was ich mache und was ich kann und was nicht. Aber neben diesen Entertainment-Dinosaurier war ich der Neue. Diese Tour wird für uns ganz, ganz speziell: Für dieses Publikum ist es das erste Mal Seven. Es ist für uns alle ein erstes Mal. Das Gefühl, zum ersten Mal in einer Stadt und zum ersten Mal in einer Location zu spielen, ist für mich sehr, sehr lange her. Und als ich in der Schweiz solche ersten Male hatten, kamen dorthin sehr wenige Leute - jetzt sind die meisten Stationen der Tour ausverkauft.

Was wird passieren?
Ich habe 40 Songs mit ...

Das ist ein ordentliches Programm.
Ja, das ist viel. Aber ich nehme mir die Freiheit, jeden Abend eine neue Setlist zu nutzen.

Aber Sie werden nie alle spielen?
Alles ist möglich, alles ist möglich (lacht).

Wird es auch Lieder geben, die Sie in der Show gecovert haben?
Wir haben alle dabei, und auch da werde ich je nach Abend, je nach Location, je nach Publikum reagieren. Ich bin wie ein Koch: Ich muss alle Zutaten haben, und dann lege ich los.

Gilt das auch für das Songschreiben, oder ist da eine Zutat wichtiger als die anderen?
Zumindest die ruhigeren Songs gehen mit einem Text los, und dann setze ich mich ans Klavier und schnappe mir eine Gitarre und mache ein kleines Akustikdemo. Erst in einem zweiten Schritt geht es in ein Studio, um das Soundgerüst zu bauen. Da bin ich klassischer Songwriter: Ich erzähle eine Geschichte und schaue dann, welche Klangfarbe zu ihr passt. Sehr Oldschool. Und sobald es Uptempo ist, werde ich wieder ein Kind im Schokoladenladen; da muss alles da sein, was ich möchte. Sprich: Ich will doch nur spielen.

Man sagt den Schweizern eine gewisse Gemütlichkeit, auch Behäbigkeit nach. Funk und Soul sind so ziemlich das Gegenteil davon. Wie sind Sie dazu gekommen?
Mit der ersten Platte von Michael Jackson, „Off the Wall“. Mein Bruder, der sechs Jahre älter ist als ich, hatte die. Er war immer mein Plattendealer. Über ihn kam ich zum guten Stoff. Ich hörte diese Platte, in unserem Zimmer, ich war elf oder zwölf, und es war um mich geschehen. Ich wollte alles wissen: Was ist das? Wo kommt es her? Und wer ist dieser Produzent Quincy Jones? Dann hieß es überall, das sei „New-Age-Funk-und-Soul“, und ich dachte: „New Age - wie ist dann das alte Zeug?“ Und ich forschte nach, entdeckte Otis Redding, George Clinton, James Brown ... Und dann hatte ich eines Tages „1999“ von Prince in den Fingern und war endgültig verloren.

Um noch einmal auf die Show zurückzukommen: Gerade ist die nächste Staffel für 2017 angekündigt worden. Werden Sie einschalten?
Ich werde mir die Show auf jeden Fall angucken. Ich habe die beiden Jungs, Alex und Sascha von Boss Hoss, die das jetzt moderieren, das ganze Jahr über immer wieder gesehen. Man ist in Südafrika echt intensiv zusammen, es ist wie ein Überlebenscamp für Musiker, dadurch entsteht eine ganz intensive Verbindung. Allein deswegen.

Lena Meyer-Landrut aus Hannover macht mit. Welche Chancen sehen Sie für sie?
Ich bin mit ihrer Musik nicht so sehr bewandert, kenne nur die Songs, die man halt so kennt. Was für sie, denke ich, cool ist: Man kennt sie als Ikone, auch eine modische. Viele Kids mögen sie. Aber mit dieser Show hat man auch ein sehr musikinteressiertes, sehr erwachsenes Publikum. Für sie ist das eine Riesenchance, eine Seite von sich zu zeigen, die man vielleicht noch gar nicht kennt.

Man muss aus der Komfortzone raus?
Man muss die Hosen herunterlassen. Wenn nicht, singt man am Spiel vorbei.

Bedeutet die Tour jetzt auch Hosen-Runterlassen?
Das bedeutet eine Tour immer. Weil es meine Tour ist, kann ich die Unterhose anbehalten. Aber weil es meine erste Deutschland-Tour ist, ist die Unterhose ein bisschen dünner als sonst. Ich weiß nicht, was passiert. Es ist wie eine erste Tour - nach zehn Alben und 14 Jahren Musikmachen.

Das Seven-Konzert am 9. November 2016 im Capitol ist ausverkauft. Es gibt schon einen Zusatztermin ein Jahr später, am 9. November 2017. Karten (31,05 Euro) bekommt man in den NP-Ticketshops.


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