Navigation:
GRUPPENDYNAMIK: DasBallett „Schubert“überzeugt auch durchaustrainiertesZusammenspiel desgesamten Ensembles.Fotos: Weigelt

GRUPPENDYNAMIK: Das Ballett „Schubert“ überzeugt auch durch austrainiertes Zusammenspiel des gesamten Ensembles.© Weigelt

Ballett

Schubert-Premiere in der Staatsoper

Der Titel des Balletts ist schlicht: „Schubert“, die Ausführung umso facettenreicher. Ballettchef Jörg Mannes entwickelt seine neue Arbeit aus der Kraft der Musik. Denn eine Geschichte wird hier nicht erzählt,

Hannover. Schuberts Leben zum Beispiel, es geht eher um Variationen von Schubert-Themen, die in seinen Liedern, seiner Kammermusik aufscheinen.

Man spürt, dass sich der Choreograf viele Jahre mit dieser Musik beschäftigt hat - und auch ein Faible für die unverkennbar dunklen Seiten von dessen Werk hat. Seiten, die allerdings durch die gewohnt neoklassische Bewegungssprache abgemildert werden. Es geht um den „Wanderer“ Schubert, den vergeblich Liebenden, Leidenden.

Richtig existenziell wird es in der Klaviersonate Nr. 20, Tastenmusik begleitet hier ein atemberaubendes Solo von Patrick Michael Doe, der seine Muskeln im langsamen Takt des Andantino und der einfühlsamen Lichtregie spielen lässt (und dann im Pas de deux von Cássia Lopes assistiert wird). Dafür gibt es Szenenapplaus.

Mannes wagt sich auch an die rein männlichen Pas de deux, lässt das todessehnsüchtige „Nachtstück“ (gesungen von Stefan Adam) von Denis Piza und Orazio Di Bella tanzen - wie eine Art Paartanz zwischen Sensenmann und dem Komponisten. Das Bühnenbild (Thomas Rupert) ist angemessen zurückhaltend, ein violettes Pflanzengeflecht dominiert im ersten Teil den Bühnenhintergrund. Nach der Pause ist der Blick freigegeben in den schlichten Hinterraum der Bühne, gestaltendes Element werden die von der Decke herabgelassenen Scheinwerferbatterien.

Die Musikauswahl ist sehr glücklich, im zweiten Teil gibt es Schubert in einer neutönerischen Bearbeitung von Luciano Berio („Rendering“ mit dem Staatsorchester), zu der die gut trainierte Compagnie spannungsreich über die gesamte Bühne bewegt wird, es ist überhaupt ein Abend der großen Form, so ausgiebig und präzise hat Mannes mit dem gesamten Ensemble noch nicht gearbeitet - und offensichtlich auch an der Qualität gefeilt. Alles passt, die Abstimmung ist auch bei den gehobeneneren Ansprüchen ans umfassende Zusammenspiel ohne Probleme.

Eine spannende Choreografie ohne Durchhänger mit einem durchgängig spannenden Wechsel von Solo und Gruppe: Das Publikum im nahezu ausverkauften Opernhaus ist begeistert, es klatscht zehn Minuten und feiert besonders die gesamte Compagnie und den Choreografen.

Bewertung: 4/5


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie