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HIER IST WAS LOS:
Lady Macbeth büßt statt 
im Straflager auf einer
riesigen Müllkippe.

HIER IST WAS LOS:
Lady Macbeth büßt statt
im Straflager auf einer
riesigen Müllkippe.© Jauk

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Oper

Schostakowitsch-Premiere: "Lady Macbeth"

Da hielten sich dann manche im Publikum schon die Ohren zu, als die versammelten Blechbläser loslegten. Und manche schlossen die Augen, als auf der Bühne der Knecht die Herrin knatterte.

Hannover. Aber genauso muss das ja sein. Dmitri Schostakowitsch hat mit seiner „Lady Macbeth of Minsk“ nun keine Wohlfühloper geschrieben, sondern ein heftiges, an Nieren und (Hör-)Nerven gehendes Drama.

Und genau das hat Frank Hilbrich herausgearbeitet - so drastisch, dass man am Ende nicht wusste, ob die vereinzelten Buhs nun genau seiner Regie oder dem ganzen Unternehmen galten. Ansonsten: stehende Ovationen, zwölf Minuten absolut begeisterter Applaus für einen in jeder Hinsicht packenden und sehenswerten Opernabend.

So wenig Russland wie nötig, so viel Allgemeingültigkeit wie möglich: Das Schauerdrama um die umfassendunbefriedigte Kaufmannsfrau, die Ehemann und Schwiegervater vergiftet und sich mit dem Knecht einlässt, spielt sich hier in einem holzgetäfelten 50er-Jahre-Nirgendwo ab, als die Hemden weiß und die Krawatten schmal, die Röcke knielang und die Frisuren turmhoch waren. Das Bühnenbild wird von einer schwarzen Box dominiert, die gedreht immer wieder einen neuen Guckkasten für das jeweils andere Bühnenbild bietet. Für die berüchtigte Bums-Szene lässt die Regie die Blechbläser wie eine Hardcore-Volkskapelle mitten im Schlafzimmer aufmarschieren und die höchst illustrativen Klänge von Schostakowitsch nachschmettern.

Überwältigend das Ende: Mit einem gewaltigen Wuuuuuuusch saust ein riesiger Abfallhaufen von der Decke, die sibirische Strafkolonie wird hier zur bühnenfüllenden Müllkippe.

Es ist auch ein Abend der Musik, allein die würde schon den Besuch lohnen: Das Staatsorchester spielt in Bestform und kommt mit der wirkungsmächtigen Partitur wunderbar zurecht. Fabelhaft Dirigentin Karen Kamensek: Sie setzt auf Transparenz und Kontrolle und vertraut zu Recht darauf, dass diese Musik nicht auch noch einen Emotionsschub braucht. Den bringt Kelly God im Übermaß in der Rolle der Katarina „Lady Macbeth“ Ismailowa, höhensicher und stimmstark. Ivan Tursic gibt seine mächtige Stimme dem erotomanen Kraftprotz Sergej.

Ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts ist diese Oper - zu erfahren in Hannover.

Bewertung: 5/5

Die Bühnenmaschine läuft – und wie

hannover. Die Premiere hat geklappt, die renovierte Bühnenmaschinerie läuft wie geschmiert. Wochenlang wurde gearbeitet, die Oper spielte zeitweilig im Aegi und in Herrenhausen. Die Leistungsfähigkeit wurde bei der Premiere schon mächtig gefordert: Das Bühnenbild besteht aus einem gigantischen Quader, der sich für die verschiedenen Bilder punktgenau zu drehen hat – und zum Ende hin sogar komplett in die Tiefe der Bühne rollt: alles ohne Knirschen, ruckelfrei, geräuschlos und sanft wie auf einem Luftkissen. Atemberaubende Theatermagie, wie sie sein soll. Und das macht Lust auf noch mehr – auf Regisseure, die einmal den ganzen Apparat ausreizen mögen.


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