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HERZ FÜR KUNSTFESTSPIEL: Direktorin Sabine Schorrmann setzt auf die Sparkassen.© Florian Petrow

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Interview

Schormann: Kultur bedeutend für das Zusammenleben aller

Millionen für die Kultur: Die Niedersächsische Sparkassenstiftung feiert an diesem Wochenende ihr Dreißigjähriges (zusammen mit dem 15. Geburtstag der VGH-Stiftung). Direktorin Sabine Schormann über Lieblingsprojekte - und wie man an Geld kommt.

Frau Schormann, die Stiftung wird 30. Als Mensch hätte man da vielleicht das Studium hinter sich und wäre mitten im Leben.

Das Bild passt. Tatsächlich ist es ja so, dass man mit 30 das Gefühl hat, man ist bei sich angekommen und kann einfach ein bisschen genauer einschätzen, wer man ist, was man kann und vielleicht was nicht. Man kann dann so richtig durchstarten.

Wie waren Kindheit und Jugend der Stiftung?

Gut, sie ist mit den Jahren natürlich profilierter geworden, stärker und größer. Wir sind damals gestartet mit dem Ziel, Kultur in der Fläche zur stärken. Und das haben wir geschafft - natürlich auch mit anderen Stiftungen und mit dem Land zusammen.

Nun ist für den Normalbürger so eine Stiftung eine anonyme Sache. Sie verteilen 3,8 Millionen Euro. Wer bekommt was?

Zum einem muss man sagen, dass wir uns beschränken - und zwar auf Bildende Kunst, Musik, Museen und Denkmalpflege. Wenn man dann Geld von der Stiftung bekommen möchte, muss man einen Antrag stellen.

Wie geht das konkret?

Mal angenommen, ich bin ein Verein und betreibe ein Museum. Dieses Museum ist in die Jahre gekommen, die Besucherzahlen gehen zurück, die Verantwortlichen vor Ort gewinnen den Eindruck, da müsste was passieren, und wollen das Haus neu gestalten, eine zeitgemäße spannende Ausstellung machen, die einfach wieder ankommt bei den Besuchern.

Und dafür stellt man einen Antrag ...

Moment. Schon in dieser Phase, wenn man das überlegt, wissen die Museen, dass sie bei uns gute Ansprechpartner haben, die sich auskennen. Man spricht erst miteinander, und irgendwann kommt dann dieser Antrag bei uns auf den Tisch.

Und wann fließt Geld?

Wir haben einen Stiftungsrat und einen Vorstand, der schließlich entscheidet, ob gefördert wird - vorausgesetzt, das Projekt hat eine entsprechend gute Qualität.

Es geht also nicht nur um die Verteilung von Geld, sondern auch von Wissen?

Wir sind Kultur-Fachleute hier, sind keine Bankkaufleute, sondern Historiker, Germanisten, Musikwissenschaftler, Kulturwissenschaftler.

Manche Stiftungen profilieren sich stark, indem sie sich auf einen Bereich fokussieren. Wie sieht Ihr Profil aus?

Wir haben eines, das zu den Stiftungszwecken passt. Wir sind eine Stiftung, die in die Fläche gehen soll und will. Wir sind getragen von den Sparkassen, das sind sehr kommunal verankerte Einrichtungen. Dieser genetische Code unserer Stifter drückt sich in unserer Stiftung auch ganz klar aus.

Ein paar Schwerpunkte, was gefördert wird?

Da ist Osnabrück. Erstens Kalk-riese, hier fördern wir kontinuierlich, jetzt die große Germanicus-Ausstellung. Zweitens das Felix-Nussbaum-Haus, in dem wir die Sammlungen in großen Teilen erworben haben, um sie dem Haus als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Hier in Hannover das Sprengel Museum, mit dem uns eine sehr, sehr lange und tiefe Partnerschaft verbindet. Aber auch die Internationalen Händel-Festspiele in Göttingen unterstützen wir nachhaltig, genauso wie die Sommerlichen Musiktage in Hitzacker.

Es besteht ja immer die Gefahr der Dauerförderung, aus der der Staat sich dann liebend gern zurückzieht?

Ja, das soll nicht sein. Und das ist natürlich in Zeiten der knappen kommunalen Kassen ein relativ schwieriger Spagat: zu unterstützen, aber nicht komplett zu ersetzen. Damit würden wir uns auch eine Bürde aufschultern, die wir nicht dauerhaft tragen können. Wir versuchen, das so zu lösen, dass wir in bestimmten Fällen zeitlich begrenzte, aber etwas länger angelegte Partnerschaften übernehmen. Das gilt insbesondere für Musikfestivals, weil wir den Eindruck haben, es macht überhaupt keinen Sinn, ein Jahr mal zu fördern, dann wieder nicht, dann wieder doch. So haben wir die Kunstfestspiele Herrenhausen von Be-ginn an unterstützt in der Sparkassen-Finanzgruppe.

Ihr persönliches Lieblingsprojekt aus den vergangenen 30 Jahren?

Das Landesmuseum in Emden, das sich 2001 meldete und sagte, wir müssen dringend etwas machen.

Was wünschen Sie sich für die Stiftung zum 30. Geburtstag?

Ganz allgemein, dass die Kultur oder die Bedeutung der Kultur für unser aller Zusammenleben weiterhin erkannt wird.

Sabine Schormann

Geboren 1962 in Bad Homburg. Sie studierte Germanistik in Mainz und promovierte. Neben journalistischen Tätigkeiten war sie für das Goethe-Museum in Frankfurt/Main tätig. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn etablierte Sabine Schorrmann den bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Ab 1997 hatte sie die Ausstellungsleitung von „Planet of Visions“ und „Das 21. Jahrhundert“ im Themenpark der Expo. Seit 2000 ist sie Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und Geschäftsführerin der VGH-Stiftung.

Das wird gefeiert mit Mädchenchor und viel Kunst

30 Jahre Niedersächsische Sparkassenstiftung, das muss gefeiert werden. Und das passiert zusammen mit der VGH-Stiftung, die 15 Jahre alt wird: Am Sonnabend steigt das Jubiläumsprogramm ab 15 Uhr mit dem Mädchenchor in der Christuskirche („Abenteuer Singen“). Im Museum Wilhelm Busch, im Historischen Museum, im Kunstverein und im SprengelMuseum gibts jeweils ab 15 und 16 Uhr Führungen. In der Marktkirche heißt es ab 19 Uhr „Das Abenteuer beginnt“ mit der Noord Limburgse Brass Band und Rufus Beck. Für Kinder gibt es ab 14 Uhr in der Stadtbibliothek einen Book-Slam, ab 14.30 Uhr jeweils in Sprengel Museum und Kunstverein Experimente und Kunsttauchkurse.


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