Navigation:

Das Duo Schnipo Schranke tritt am 22. Oktober im Lux auf.

|
NP-Interview

Schnipo Schranke über Pop und "Pisse"

Früher studierten Daniela Reis und Friederike „Fritzi“ Ernst klassische Musik. Dann gründeten die beiden Mittzwanziger aus Hamburg das Duo Schnipo Schranke und erregten mit minimalistischen Pophymnen und klaren Texten wie in ihrem Indie-Hit „Pisse“ Aufsehen. Ein Interview.

Hannover. Was sind eure Erinnerungen an Hannover?

Daniela: Im Sommer, bei den Theaterformen, war es schön. Das erste Mal haben wir in Hannover aber in so einer Art umgebautem Toilettenhäuschen gespielt, vor einer Horde Ätzpunks.

Wo habt ihr euch wohler gefühlt?

Fritzi: Bei den Theaterformen.

Daniela: Die Punks fanden uns nämlich gar nicht so gut. Einer hat mich in die Hecke geschubst, nach dem Konzert, weil er sich so provoziert gefühlt hat (lacht).

Was habt ihr angestellt?

Daniela: Gar nichts. Nur unsere Songs gespielt.

Wollte er nicht, dass ihr so böse Wörter verwendet?

Daniela: Entweder das. Oder er wollte auch so eine coole Band haben (lacht). Neid war das!

Wie war es bei den Theaterformen? An dem Tag war auch Udo Lindenberg im Stadion, und als ich ins Festivalzentrum kam, war euer Konzert gerade vorbei. Aber das Publikum war noch da: das typische Indie-Publikum, aber auch das klassische Theaterformen-Publikum, viele Frauen in Schwarz mit blickdichten roten Strumpfhosen.

Fritzi: Es war ein wirklich cooles Konzert. Cooles Konzert heißt für uns: Die Reaktionen des Publikums waren gut, wir haben warmen Applaus bekommen.

Was passiert im Lux?

Daniela: Wir haben Ente Schulz dabei, der spielt Synthesizer und Schlagzeug. Dadurch können wir uns ein bisschen freier bewegen auf der Bühne. Und wir haben die neuen Songs dabei. Das Set ist ein bisschen länger geworden, und wir sind natürlich noch viel besser geworden.

Es ist viel passiert in den vergangenen Monaten. Schnipo Schranke war Thema in allen wichtigen Publikationen, vom „Spiegel“ über die „taz“ bis zu „tagesschau24.de“, gerne aufgehängt an eurer Wortwahl. Habt ihr damit gerechnet, dass man mit „Pisse“ heutzutage noch so viel Aufsehen erregen kann?

Fritzi: Ich finde es ein bisschen befremdlich, dass es so viel Wirbel gemacht hat. Natürlich ist das für die Presse ein dankbarer Aufhänger. Wir sprechen aber zum Glück auch ganz oft mit Leuten, die das mal überhören können und ein bisschen mehr verstehen, worum es geht.

Zumal ja auch bei jedem Augenmerk auf so etwas wie „Brauche Liebe, brauche Halt und einen, der mich knallt“ der Blick verloren geht auf Zeilen wie „Schon als Kind war ich sehr schlau, doch das ist lange her“, wo es sehr poetisch um persönliche Krisen geht.

Daniela: Spätestens bei der zweiten Platte hat sich das hoffentlich erledigt. Das wird auch bei uns nicht einfach. Uns ging es bislang immer nur um Authentizität, nicht um Provokation. Gehen wir jetzt mit einem Konzept daran, weil uns die Leute unsere eigentlichen Texte als Schocktaktik auslegen? Das hat doch auch keinen Sinn.

Vielleicht brauchen die „dirty old Men“ aus dem Feuilleton bloß alle paar Jahre ein paar vermeintlich schmutzige Mädchen - siehe die Aufregung um die Intimrasur in Alexa Hennig von Langes Roman „Relax“ oder Charlotte Roches „Feuchtgebiete“.

Daniela: Eben. Das wird sich hoffentlich auch wieder legen. Und es wird sich zeigen, ob wir darüber hinaus Gesprächsthema sein können. Wovon wir ausgehen. Sonst würden wir das nämlich nicht machen.

Von dem, was ihr ursprünglich musikalisch gemacht habt, nämlich Klassik, ist Schnipo Schranke weitestmöglich entfernt. War das das Ziel?

Daniela: Als Absicht nicht. Das ist passiert, weil wir einen Weg gesucht haben, um mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel herüberzubringen und möglichst viel Spaß zu erzeugen.

Und es macht auch mehr Spaß als Klassik?

Daniela: Man kann das nicht wirklich miteinander vergleichen, ob man nun eine Cello-Sonate spielen soll oder ein paar Akkorde am Klavier drückt. Aber es ist eine Herausforderung, mit so wenigen Instrumenten eine Bühne zu füllen.

Warum habt ihr überhaupt mal mit Klassik anzufangen?

Fritzi: Wir hatten Lust, Musik zu machen und auf die Bühne zu gehen. Das haben wir von kleinauf gemacht. In unseren Kreisen war es nur logisch, dann auch Musik zu studieren. Wir haben erst während des Studiums bemerkt, dass das doch nicht unser Weg ist.

Was hat euch am meisten abgeschreckt?

Fritzi: Vor allem das Prozedere, wie so ein klassisches Konzert abläuft, diese Etikette, dass man sich benehmen, auf der Bühne nichts sagen darf. Und auch wie im Studium mit der Musik umgegangen wird: Das ist kein bisschen kreativ. Es geht nur darum: Wer spielt das jetzt technisch besser?

Daniela: Ich habe mich das erste Mal richtig in einem Seminar erschreckt, in dem man improvisieren sollte. In der Situation sollte man nur irgendeinen Rhythmus auf eine Snaredrum schlagen. Manche haben dort angefangen zu heulen, weil sie sich dazu nicht in der Lage sahen. Die hatten Angst, etwas falsch zu machen. Daraus kam der Ehrgeiz, ein Instrument zu spielen, das man überhaupt nicht beherrscht.

Aber dann müsst ihr ja ständig neue Instrumente nehmen.

Daniela: Nee, mit dem Schlagzeug zum Beispiel sind wir noch ganz unten, der reine Bodensatz. Da geht noch einiges (lacht).

Ihr habt auch mal gesagt, ihr seid angetreten, um Popstars zu werden. Fühlt sich das jetzt schon so an?

Daniela: Ein bisschen schon. Da geht sicherlich noch mehr. Aber ich fühle mich schon sehr gebauchpinselt mit unserem Status. Da muss noch eine Schippe drauf.

So dass nächstes Mal Lindenberg bei den Theaterformen spielt und ihr im Stadion?

Fritzi: Ja, genau.

Schnipo Schranke live: am 22. Oktober im Lux. Stefan Gohlisch


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie