Navigation:

GAR NICHT HARMLOS: Daniela Reis (oben) und Fritze Ernst sind Schnipo Schranke.

|
Interview

Schnipo Schranke spielen beim Fährmannsfest

Mit viel Weltschmerz und scheinbar provokanten Titeln wie „Pisse“ wurde das Hamburger Frauen-Duo Schnipo Schranke vergangenes Jahr zum Thema im und Liebling des Feuilleton. Nun kommen Daniela Reis und Friederike „Fritzi“ Ernst wieder nach Hannover. Ein Interview.

Die Festival-Saison hat begonnen ...

Fritzi: Ja, wir waren schon auf dem Kosmonaut-Festival, haben bei Rock im Park gespielt, bei Rock am Ring durften wir ja leider doch nicht spielen, weil das Wetter so schlecht war ...

Und wie fühlt sich das an auf so einer Großveranstaltung?

Fritzi: Cool. Erst mal, weil der Backstage-Bereich und das Catering echt cool sind - allein dafür hat es sich gelohnt, dabei gewesen zu sein. Beeindruckend.

Wie sieht das denn aus?

Daniela: Na ja, die machen halt die ganze Zeit Fleisch, an jeder Ecke gibt es die teuersten Stücke.

Ihr seid selber Fleischesser?

Beide: Ja.

Man kennt als klassisches Backstage-Essen eher so diesen Reis-Pamp mit Fleisch ...

Daniela: Das haben wir mittlerweile auch im Rider stehen: kein Reis mit irgendwas.

Trifft man dann backstage die ganzen berühmten Kollegen?

Fritzi: Es gibt da zumindest eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wir hatten zum Beispiel einen anderen Backstage-Bereich als Ozzy Osbourne und die Red Hot Chili Peppers. Aber das ist gar nicht das Schlechteste. Sonst wäre es viel zu aufregend.

Der schönste Backstage-Bereich steht euch sowieso noch bevor: das „Strandleben“ beim Fährmannsfest.

Beide: Ja, cool.

Kennt ihr das schon?

Fritzi: Nein, wir sind ja noch gar nicht so lang im Norden unterwegs. Darauf schieben wir das.

Was werden wir in Hannover auf dem Fährmannsfest erleben?

Daniela: Wir spielen auf jeden Fall in der alten Besetzung, also Ente Schulz und wir zwei. Wir spielen größtenteils die Songs vom ersten Album und ein paar Sachen.

Wir haben vor ungefähr einem Jahr schon einmal miteinander gesprochen. Da war das Konzert bei den Theaterformen schon Vergangenheit, und das ausverkaufte Konzert im Lux stand noch bevor. Wie habt ihr das in Erinnerung?

Daniela: Das war schön. Es war eines der ersten Konzerte auf der Tour, und da waren sehr liebe, sehr feierwütige Menschen. Das hat viel Spaß gemacht.

Das sagt ihr doch überall.

Daniela: Nein, nein. Ich kann mich zum Beispiel noch gut an eine Frau erinnern, die da ihren 50. Geburtstag gefeiert hat.

Es war ein sehr gemischtes Publikum. Ist das typisch?

Fritzi: Das beobachten wir immer wieder, dass unterschiedlichste Altersgruppen da sind. Aber so lange alle nett zu uns sind, ist alles prima.

Als wir damals sprachen, lief die Hype-Maschine auf Hochtouren. Ältere Herren in den Feuilletons schienen es zu genießen, dank Schnipo-Schranke-Texten Wörter wie „Pisse“ zitieren zu dürfen. Täuscht es, oder ist es wirklich ruhiger geworden?

Daniela: Damals war das Album neu. Darum ...

Jetzt arbeitet ihr an einem neuen Album. Kann man sich von den Gedanken an diese Erregungen frei machen?

Fritzi: Ja. Wir haben uns ja selber weiterentwickelt - übrigens auch durch diese Geschichte. Darum sollte man sich davon gar nicht hundertprozentig frei machen. So- lange man nicht versucht, irgendwelche Ansprüche zu erfüllen.

Den Charme des ersten Albums machte auch ein gewisser Dilettantismus aus, zum Beispiel bei der Beherrschung der Instrumente. Besteht da nicht die Gefahr, dass man immer besser wird?

Daniela: Erst mal glaube ich nicht, dass wir beträchtlich besser Schlagzeug spielen, als wir das damals taten (lacht). Wir nehmen ja keinen Unterricht und spielen immer nur genau das, was wir gerade brauchen.

Wie geht ihr textlich vor? Läuft da eine innere Zensur?

Daniela: Wir schreiben weiter über das, was uns interessiert und uns belangvoll vorkommt. Nur dass man mittlerweile viel mehr wegstreicht als früher - und andere Sachen gar nicht erst aufschreibt.

Hat sich durch den Erfolg der Ausblick aufs Leben geändert? Hinter all den angeblich so bösen Worten kanalisierte sich auf „Satt“ ja schließlich auch ein Gefühl des Leidens und der Erfolglosigkeit.

Fritzi: Nein. Ich glaube eher, dass das die großen Themen des zweiten Albums sind, dass wir diese Seiten unseres Lebens noch mehr nach vorne geholt haben: Auf Tour ist alles anders - und danach kommt die Post-Tour-Depression. Man sieht, dass sich gar nichts geändert hat und dass man immer noch nicht seinen Seelenfrieden gemacht hat.

 Am 6. August spielen Schnipo Schranke auf dem Fährmannsfest am Ihmeufer. Der Eintritt kostet zwölf Euro.


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von einem Rauchverbot im Auto?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie