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Kultur „Schneewittchen“-Proben in der Staatsoper
Nachrichten Kultur „Schneewittchen“-Proben in der Staatsoper
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16:19 25.09.2018
Beweglich: Jörg Mannes (links) auf dem Hoverboard mit Hexe Lilit Hakobyan. Quelle: Queren
Hannover

Schneewittchen? Wäre heute eine Beauty-Queen, eine Celebritiy, ein Instawittchen. So sieht es jedenfalls Jörg Mannes, der in zwei Wochen seine Fassung des Grimm-Klassikers auf die Bühne bringt.

Die Proben laufen auf Hochtouren. Ausdruck, Bewegung und Kostüme sind noch im Entstehen. Und was macht man mit dem vergifteten Apfel?

Und dann ist da noch die Überlegung mit dem Hoverboard. Das Ding, auf das man sich draufstellt und dann losrollt. Sieht schon ziemlich komisch aus, wenn sich Schneewittchen oder auch die böse Hexe wie auf Schienen über die Bühne bewegen. „Eigentlich wollte ich das in den Tanz einbauen“, so Jörg Mannes, „choreografisch ist da aber schwer zu machen.“ Mal sehen, ob es dann doch noch den Weg auf die Bühne findet, man ist ja schließlich noch mitten in den Proben, in der Experimentierphase.

„Schneewittchen“ also. Wie kommt man darauf, das als Ballett zu machen? „Ich liebe Märchen, weil sie zeitlos sind – und das Überzeitliche versuche ich auch mit meinen Stücken“, so Ballettchef Jörg Mannes. Ihn fasziniert die Art und Weise, wie wir unser Bild nach außen tragen im Zeitalter von Social Media. Selbst erfahren durch eine Nichte auf Besuch, die sich immer wieder ausgiebig um das beste Instagram-Selfie bemühte. Dazu kommen Erfahrungen von Schönheits-OPs im erweiterten Bekanntenkreis.

Und genau das sei doch „Schneewittchen“, das Märchen mit dem Spiegel und der Frage, ob man denn immer noch die Schönste im Land ist. Die per Tanz erzählte Geschichte funktioniert wunderbar auf der Folie des Märchens. „Alles kommt vor“, verspricht Jörg Mannes.

Die sieben Zwerge? Sind hier sieben Schönheitschirurgen. Und der Schneewittchen-Sarg ist eine Vitrine, in der die First Beauty ausgestellt wird. Jörg Mannes liebt außerdem das Spiel mit Zahlen: Es gibt sieben Outlaws, sieben Ärzte, die Königin wird von drei Tänzerinnen getanzt, die sieben Kostüme tragen ... Die Compagnie wird dabei komplett eingesetzt.

Auch um noch einmal zu zeigen, was Hannover hier hat. Denn es ist die letzte Saison für das Ballett von Jörg Mannes. Macht sich das bemerkbar? „Nein, wir haben eine Verabredung getroffen, dass das im Probensaal und auf der Bühne keine Rolle spielen darf.“ Mit den Sorgen und Nöten dürfen die Tänzer dann zum Ballettchef ins Büro kommen.

Ein Kinderstück ist „Schneewitschen“ auch nicht. Schon wegen der Musik. Und wegen der Altersbeschränkung, mindestens zwölf sollten die Besucher schon sein. Wegen der Videos. Von Schönheits-OPs.

Und dann noch ein Durchgang für heute, stampfender Rhythmus einer Schostakowitsch-Sinfonie, ein paar Sprünge – und eine Anweisung an die Kostümbildnerin, das Kostüm bewegungsfreundlicher zu machen. In diesem „Schneewittchen“ wird schließlich mehr getanzt als im Märchen, eben märchenhaft getanzt.

Premiere: 6.Oktober, 19.30 Uhr

Von Henning Queren

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