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WEITERE DREI JAHRE: Lars-Ole
Walburg verlängert. Und freut sich 
auf neue Zuschauer im großen 
Haus.

WEITERE DREI JAHRE: Lars-Ole
Walburg verlängert. Und freut sich
auf neue Zuschauer im großen
Haus.© Frank Wilde

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Theater

Schauspielintendant Walburg bleibt bis 2017

Nachschlag für Schauspielintendant Lars-Ole Walburg. Sein neuer Vertrag läuft über drei Jahre und enthält Vorgaben für die Zahl der Aufführungen im großen Haus. Hannovers Schauspiel soll wieder stärker in der oberen Liga der deutschen Bühnenmitspielen, fordert Kulturministerin Johanna Wanka. Gestern hat der Aufsichtsrat den Intendantenvertrag abgesegnet.

Hannover. Auf der Zielgeraden wurde es dann doch noch spannend. Rechtzeitig zum Jahresabschluss war der Vertrag fertig, gestern hat Schauspielintendant Lars-Ole Walburg eine verkürzte Verlängerung bekommen, bleibt nach Ablauf seines ersten Fünfjahresvertrages noch drei zusätzliche Jahre bis Ende der Spielzeit 2017. Das hat gestern der Aufsichtsrat der Niedersächsischen Staatstheater abgesegnet.

Laut neuem Vertrag sollen deutlich mehr Zuschauer ins große Haus geholt werden, darüber habe man sich verständigt, so Kulturministerin Johanna Wanka. Konkrete Zahlenvorgaben würde es dabei nicht geben, wohl aber Vereinbarungen über Aufführungszahlen, die garantiert werden müssen und die Einnahmen, die hier erzielt werden sollen. Das ist neu. Einen Passus über Aufführungszahlen im großen Haus hatte es bisher nicht gegeben. Hier soll die Hauptarbeit des Intendanten stattfinden.

Sinn der Sache: „Dass das Schauspiel Hannover in der Liga wahrgenommen wird, in der es eigentlich spielt“, so die Ministerin. Und das würde nun eben über das Spiel auf der großen Bühne passieren.

Da sieht der Intendant überhaupt keine Differenz. „Den Schwerpunkt auf die große Bühne legen, das ist ja die Arbeit, die wir im Moment tun.“ Eigentlich habe er das doch schon immer gewollt und gemacht, „nur am Anfang eben nicht so erfolgreich wie mit dem Start der neuen Spielzeit“. Der Passus im Vertrag sei unter diesen Umständen eher eine Art vertrauensbildende Maßnahme gegenüber dem Aufsichtsrat. Im Übrigen sei er als Geschäftsführer dafür verantwortlich, „dass das Haus keine roten Zahlen schreibt“.

Die Ministerin räumte ein, dass es „nicht nur leichte Zeiten“ für das Staatsschauspiel gab, weil jeder neue Intendant mit seinem Credo sein Publikum erst finden muss. Mittlerweile, und deshalb die Verlängerung, ist die Ministerin überzeugt, dass das Theater auf dem richtigen Weg ist.

Auch Walburg findet, „dass wir an Akzeptanz gewonnen haben“. Sein Ziel bleibe allerdings „die volle Akzeptanz des hannoverschen Publikums“. Allerdings sei es ein Fehler gewesen, am Anfang die Vorstellungen im großen Haus herunterzufahren: „Da konnten wir die ganze Sache noch nicht so richtig einschätzen.“ Mittlerweile wisse man, wie Apparat und einzelne Abteilungen im Schauspielhaus funktionieren. „Und wir haben die Maschine hochgefahren auf ein Maß, das nicht ganz an Wilfried Schulz heranreicht, aber immerhin dicht darunter ist.“ Man habe in den vergangenen beiden Spielzeiten gelernt, was das Haus leisten kann und auch leisten muss. Die Zahl der Aufführungen, die im Vertrag festgelegt ist, würde sogar noch deutlich darunter liegen.

Verhandlungen auf den letzten Drücker wie in diesem Fall soll es nicht mehr geben, damit der Intendant größere Planungssicherheit für weitere Spielzeiten hat, im Theater spricht man jeweils im Herbst über Engagements.

Für den kommenden Vertrag, so er denn gewünscht ist, hat man deshalb eine großzügigere Frist vereinbart, schon Sommer 2015 soll darüber gesprochen werden, ob und in welcher Weise die Ära Walburg weitergehen könnte - wer auch immer dann Kulturminister ist.

NP Interview

Sie haben die Arbeit im Schauspielhaus als „unorthodox“ im Vergleich zu anderen Theatern beschrieben – was heißt das genau?

Wie haben hier eine sehr kollegiale Art des Miteinanderarbeitens gefunden, die ich für richtungsweisend halte. Ich finde es seltsam, wenn im Theater immer sehr viel von Utopien auf der Bühne zu sehen ist und dann hinter der Bühne immer ganz hierarchisch gearbeitet wird. Das tun wir nicht. Das sagt sich als Chef natürlich immer sehr leicht, aber es ist so. Diese Form setzt mehr Energien frei, mehr Eigeninitiative und bindet die Menschen stärker in die Prozesse ein. Wir hätten die Zeiten, als die Zuschauerzahlen nicht so gut waren, nicht so gut überstanden, wenn es dieses Miteinander der Kollegen nicht gegeben hätte.

Sind Sie froh über den Vertrag?

Ich bin gerne in Hannover, und deshalb ist es auch für meine Familie und mich ganz wichtig, dass wir bis 2017 verlängert haben.

Was wird neu?

Schauspieler sind immer Magneten. Ich bin froh, dass in der vierten Spielzeit unser Ensemble in den Herzen der Menschen so angekommen ist, dass eine Verbindung entstanden ist – das braucht einfach eine Zeit. Ich hätte gerne ein paar gute Spieler aus Leipzig oder Stuttgart, wo Intendantenwechsel stattgefunden haben, nach Hannover geholt. Ein zweites Standbein, das wir noch realisieren wollen, das hat natürlich immer auch mit der finanziellen Situation zu tun, sind Gastspiele, Inszenierungen einladen von Häusern, die mir wichtig sind.

Fühlen Sie sich durch den neuen Vertrag in Ihrer Ästhetik eingeschränkt?

Die Festschreibung im Vertrag ist eigentlich nur das, was schon jetzt usus ist. Die Vereinbarung ist ja auch in meinem eigenen Interesse, wir wollen ja spielen und nicht ein Theater leer stehen lassen.


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