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Heidi in den Bergen.© Frank Wilde

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NP Interview

Schauspielhaus: So tickt die neue "Heidi"

Sie spielt aktuell eine schrille „Madame Bovary“ und die weibliche Hauptrolle im punkigen „Wie ich Johnny Depps Alien-Braut abschleppte“. Nun ist ihre Welt die Berge: Sophie Krauß übernimmt die Titelrolle im diesjährigen Familientheaterstücks des Schauspielhauses, „Heidi“.

Hannover. Man sieht Sie bei den Proben zu „Heidi“ in einer prächtigen Alpen-Kulisse. Wie aufwendig wird die Bühne?

Schon sehr aufwendig. Wir haben eine Drehbühne: Ein Drittel ist Berg, ein Drittel Frankfurt - das ist eher eine High-Tech-Welt, überhaupt nicht rüschig - und ein Drittel ist die Hütte vom Alm Öhi.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ich habe natürlich sehr viele Reisen in die Schweiz unternommen (lacht). Nein, nein, mein Freund ist Schweizer, deswegen bin ich da sowieso öfter mal. Für mich ist das eine Kindheitsfigur. Ich bin mit „Heidi“ aufgewachsen.

Mit der japanischen Zeichentrickserie aus dem Vorabendprogramm?

Nein, wir hatten keinen Fernseher. Aber meine Oma hatte eine alte Videoaufzeichnung von irgendeiner amerikanischen Version. Im Nachhinein betrachtet ist sie furchtbar. Aber ich fand sie damals toll. Ansonsten habe ich mich auf Heidi vorbereitet wie auf jede andere Rolle auch: das Buch gelesen und ein paar Filme geguckt ...

... aber wenn Florian Fiedler Sie besetzt, ist er wahrscheinlich nicht auf den drolligen Wildfang mit dem Dauergrinsen aus manchen Umsetzungen aus, oder?

Das hat er mir nicht verraten.

Gut, wer ist Ihre Heidi?

Es fällt mir schwer, das zu beschreiben. Ich habe mir jetzt auch nicht überlegt, ich spiele zum Beispiell eine Rockgöre. Was ich auch nicht tue. Ich gehe vom Text aus, gucke, was passiert, und dann kommt normalerweise die Figur zu mir.

Was heißt das: „Sie kommt zu einem“?

Die Entwicklung einer Figur braucht ein bisschen Zeit. Ich bin nicht der Typ Schauspieler, der sich im Vorherein - also vor den Proben - ausdenkt, wie die zu spielende Figur sich bewegt, wie sie spricht, wie sie denkt und handelt. All das spürt man im Laufe der Zeit, wenn man sich mit dem Text beschäftigt. Das ist bei mir eine unterbewusste Sache. Irgendwann ist die Figur da, und ich weiß im Grunde nicht, wo sie hergekommen ist. Auf der Suche hilfreich sind natürlich auch das Kostüm und die Maske. Eine Figur, die Bergschuhe trägt, bewegt sich natürlicherweise anders als eine, die High-Heels trägt. Bei Heidi wird‘s dann noch etwas komplizierter: Wie trägt jemand Ballerinas, der es gewohnt ist mit Bergschuhen zu laufen?

Wie kommt Klara davon? In vielen Versionen ist sie nicht viel mehr als das dauerhaft leidende Kind.

Ayana Goldstein, die sie spielt, bedauere ich schon ein bisschen. Sie muss die ganze Zeit im Rollstuhl sitzen, während ich auf den Bergen rumspringen darf. Klara ist Heidis Gegenüber. Aber sie leidet nicht ständig. Sie ist froh, als Heidi zu ihr kommt. Da kommt in Frankfurt endlich Leben in die Bude. Sie ist das Kind, das aufgeweckt wird.

Ist das die Geschichte, die Sie erzählen, die einer Erweckung?

Unter anderem. Aber in dem Stoff ist so viel drin: Was ist Heimat? Wo ist das Zuhause? Was passiert, wenn das Zuhause wegbricht? Wenn alles, was man tut, falsch ist? Es geht um die Sehnsucht dazu zu gehören. Diese Geschichte, die immerhin von 1880 ist, ist unglaublich modern.

Wir haben uns zuletzt zum Interview getroffen, als Sie im Ballhof Johnny Depps Alienbraut spielten. Welche Figur ist Ihnen näher?

Schon die Heidi. Die Alienbraut ist zwar auch auf sich allein gestellt. Aber im Gegensatz zu ihr geht Heidi nicht egoistisch ihren Weg. Es geht ihr sehr um die Menschen und das Miteinander. Da ist sie mir näher.

Ist es für Sie anders, auf der großen Bühne zu arbeiten als im Ballhof?

Ja. Ich habe zum Beispiel viel mit Babett Grube gearbeitet. Da war das Zusammenspiel mit dem Publikum essenziell. Auf der großen Bühne ist der Abstand zum Publikum viel größer. Und natürlich muss man lauter sprechen.

Spielt es sich für Kinder anders als für Erwachsene?

Nein, ich glaube, wenn nur Erwachsene kommen, spiele ich genauso.

Haben Sie Sorge, da Kinder doch als das kritischste Publikum überhaupt gelten?

Nein, ich freue mich total drauf, da Leute zu haben, die sofort reagieren. Bei Erwachsenen spielt man oft vor einer schwarzen schweigenden Masse. Bei Kindern weiß man sofort, woran man ist.

Die Bühne ist groß und aufwendig, die Besetzung klein. Was kann man noch erwarten?

Oh, es gibt einen Schneesturm. Wir haben Musik spielende Ziegen, also Geißen. Wir haben kleinere Projektionen, für Traumsequenzen zum Beispiel. Aber sonst ist es relativ reduziert auf das Spiel.

Was macht diesen Stoff zu einem guten Familientheaterstück in der Weihnachtszeit?

Ich glaube, dass dieses Stück mehr bietet als das. Ich hoffe, dass man lachen und weinen kann. Es ist eine wundervolle, erzählenswerte Geschichte. Wir trauen uns auch mal, kitschig zu sein. Aber so ist das Leben ja manchmal auch: kitschig und schön.

Ab 19. November.


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