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GUT DRAUF: Jan Garbarek zeigt sich bei seinem Konzert im Pavillon ausgesprochen gut gelaunt.© Samantha Franson

Konzert

Saxofonist Jan Garbarek jazzt im Pavillon

Draußen herrschen frühsommerliche 20 Grad. Drinnen pfeift ein eisig klingender Wind aus den Boxen. Der Pavillon ist fast ausverkauft. Erwartungsfroh und gut gelaunt lauert ein überwiegend älteres Publikum auf seinen Jazz-Helden Jan Garbarek und dessen Supergroup.

Hannover. Garbarek hat einmal mehr auf die Männer seines Vertrauens gesetzt: seinen langjährigen Wegbegleiter und Pianisten Rainer Brüninghaus, den brasilianischen Bassisten Yuri Daniel und den Perkussion- und Schlagzeugstar Trilok Gurtu. Während sich die Sturmklänge bedächtig aus den Lautsprechern zurückziehen und dabei mit den Tönen des Tenorsaxofons mischen, besetzen die Musiker ihre Instrumente. Es kann losgehen.

Doch prompt fällt Jan Garbarek ein Stück von seinem ohnehin schon kleinen Saxofon ab. „Klack!“ macht es auf den Bühnenbrettern, Garbarek guckt erst verdutzt, dann nach, findet das Teil und schraubt es wieder an. Daumen hoch, alles in Ordnung, Gelächter. Es ist nicht die einzige Schraube, die heute locker scheint. Später fällt noch ein Becken vom Schlagzeug ab. Doch Garbareks Musik bleibt zu jeder Zeit optimistisch und positiv.

Er ist ein Mann melodischer Free-Jazz-Klänge, ausgewogen zwischen Drang, Kraft und Wärme. Die Musik wird wilder, rauschender, irgendwann fliegen die Noten weg, freies Improvisieren ist angesagt. Viel Platz gibt es für die Soli des indischen Meistertrommlers Trilok Gurtu. Er verzaubert mit seiner schnellen und ungewöhnlichen Perkussion, spielt mit einem Stick und der baren Hand: Während die Finger auf den Congas trommeln, schlägt der Stock auf die Snare und lässt das Metall der Becken erzittern. Bassist Yuri zupft und reißt an seinem fünfsaitigen E-Bass. Er ersetzt die Gitarre und die Streichinstrumente, sorgt für die kompetente Basis und hält die filigranen Jazz-Werke zusammen.

Der Saxofonist aus Norwegen, immerhin schon 69 Jahre alt, lächelt fein und freundlich. Es macht ihm sichtlich Spaß. Mit einem brennend schnellen Boogie-Woogie-Piano geht es nach 90 Minuten in die Zugaben hinein. Ein ergiebiges Perkussionssolo mit einem gefüllten Wassereimer und mundgerechten Beat-Box-Loops, zeigt die kreative Klasse Gurtus. Der Inder arbeitet viel mit Obertönen, die er an den Fellen seiner Trommeln abzieht. Zusammen mit Garbareks Querflöte entsteht ein fantasievolles Duell. Das gefällt dem Publikum, viel Beifall für Garbareks vielschichtigen Jazz-Abend.

Bewertung: 4/5

VON KAI SCHIERING


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