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Im Capitol: Samy Deluxe.

Im Capitol: Samy Deluxe.
© Samantha Franson

Konzert

Samy Deluxe live im Capitol

Er ist einer d er bekanntesten und einflussreichsten deutschen Rapper. Jetzt trat Rapper Samy Deluxe im Capitol auf.

Hannover . Samy Deluxe steht für deutschsprachige Hip-Hop-Qualität, keine Überraschung also, dass sein Support-Rapper Laurin Buser im Capitol die Latte schon mal recht hoch legt. Gute Reime hat der Schweizer, einer endet gar auf „die Jeans hab’ ich schon 14 Tage an“. Das ist doch eine saubere Sache. Samy hingegen beginnt soulig. Wie von einer Kanzel rappt er seinen Eröffnungssong. Mit Brille und dem „Beanie“, seiner Kopfbedeckung, komplett in schwarzer Kleidung, ein bäriger Typ mit Bart. „Was geht ab Hannover, geht’s euch gut?“

„Ich will kein Haus am See, sondern ein Haus am Mehr“, stichelt Samy in Richtung Peter Fox. Jetzt riecht es süßlich im Capitol, trotz des Rauchverbots. Das Hamburger Hip-Hop-Original hat drei Backgroundsängerinnen mitgebracht, dazu pumpt ein Schlagzeug, drückt der fette E-Bass. Die Keyboards sorgen für die gefühlvollen Klänge (Echo-Preisträger Florian Weber bedient das Piano), der DJ rockt das Tanzbein. Die DLX BND „hopt“ professionell – „Hände hoch!“, lautet der Befehl von der Bühne. Jetzt kommt der böse Bass, „Grrrrrrrr“, knurrt der sich durch das Capitol, 800 Fans grooven mit.

Samy hat eine schnelle Zunge, wenn er will. Die Reggae-Takte dagegen sind entspannt, „laid back“, sie sorgen für eine gediegene Spannung. Und Samy ist der Gute. Der Coole, moralisch und einfach vertrauenswürdig. „Ein bisschen Poesie“, verkündet er, und die Fans springen auf. „Lies mein Poesiealbum“ heißt es in seinem Oldschool-Song.

Schöne Kulissen haben sie dabei, und viel blaues Licht. Im Song „Klopapier“ wird es hippiesk, dazu zünden die Halftime-Grooves, seine Mädels singen Beatles-Backings. Klasse, das ist „epochal“, schwärmt Samy. Auf jeden Fall ist er dem Mainstream mit zeitloser Hip-Hop-Klassik entronnen. Eine Gitarre fehlt, das ist vielleicht das einzige Manko.

„Gebt mir ein ,Ü’“, ruft er in die Menge, „Dülüxe“, rufen die Fans zurück. „Füchse“ spielt er an, die Kooperation mit Jan Delay, und packt die Beatbox aus. Der Hit mit einem Barclay-James-Harvest-Piano, „Ich und Du und Er und Sie und Es – weck mich auf“, ist kitschig, jedoch sehr beliebt. Das ist eine 2000er Angelegenheit, musikalisch klassischer Hip Hop.

Nach einer guten Stunde wird es ruhiger. Doch die Fans bejubeln die Songs, tanzen und feiern einnehmend, richtig gute Stimmung im Capitol, Samy muss verschnaufen. „Das wichtigste Wort für Rapper ist ,Go!’ Was für die Kopfnicker upfront“, ruft Samy. „Go Samy, go!“, rufen die Fans zurück.

„Ich muss euch was erzählen, über meine Mudda“ – im Song „Von Dir Mama“, singt der Sohn einer deutschen Mutter und eines sudanesischen Vaters über seine persönlichen Erinnerungen. Und mit „Eines Tages“, als letzten Song verabschiedet Samy sich. „Vielen Dank, Hannover, für den schönen Abend!“ Gleichfalls.

Von Kai Schiering


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