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Die Videoinstallation "Eine Einstellung zur Arbeit" von Antje Ehmann und Harun Farocki im Museum Folkwang.

Die Videoinstallation "Eine Einstellung zur Arbeit" von Antje Ehmann und Harun Farocki im Museum Folkwang. © Caroline Seidel

Musik

Ruhrtriennale zeigt Videoprojekt von Harun Farocki

Essen/Duisburg (dpa) - Eigentlich hatte Harun Farocki am ersten Tag der Ruhrtriennale der Künstler sein sollen, der als erster seinen Beitrag für das Festival der Künste präsentiert.

Nach dem plötzlichem Tod des Filmemachers bleiben nur und erst recht seine Bilder - darunter die Videoinstallation "Eine Einstellung zur Arbeit", die bis zum 28. September im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist. Farocki war Ende Juli im Alter von 70 Jahren überraschend gestorben. Mit seinen rund 90 Werken gilt er als wichtiger Experimentalfilmer.

Für das Projekt hat er gemeinsam mit der Kuratorin und Künstlerin Antje Ehmann in 15 Ländern weltweit in Workshops junge Filmemacher angeleitet, mit der Videokamera der Frage nachzugehen, was Arbeit eigentlich bedeuten kann. Entstanden sind ein- bis zweiminütige Porträts von Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

Auf hängenden Videowänden folgt der Betrachter etwa einen Mann, der mit dem Moped einen Wasserkanister durch die engen Straßen von Bangalore transportiert. Daneben verdient ein Sänger sein Geld in der Bostoner U-Bahn mit Mundharmonika und Soul im Blut. Von bohrender Langeweile geprägt ist der Job einer Aufpasserin im Naturkundemuseum von Lodz. Still sitzt sie vor einem Tier-Skelett, blickt immer wieder verstohlen auf ihr Handy.

Ein ganzes Archiv solcher Filme von Machern, Denkern, Handwerkern und Überlebenskünstlern ist so entstanden. Die Auswahl von 60 Filmen, die in Essen in dieser Zusammenstellung erstmals gezeigt wird, macht auch deutlich: Der im Juli verstorbene Dokumentarfilmer hat dem Videonachwuchs auch die ihm eigene Einstellung zur Kamera-Arbeit vermittelt.

In seinen Filmen habe Farocki den Zuschauer immer wieder ermächtigt, selbst zu sehen, sagt Ruhrtriennale-Intendant Heiner Goebbels. So verzichten auch die Arbeitsplatz-Porträts gänzlich auf Schnitt, werfen den Betrachter zurück auf die kleinen Details in der sich bewegenden Welt, ohne den Blick künstlich zu lenken. Damit fügt sich die Kunstinstallation in den Anspruch ein, den Goebbels bei der Auswahl der Kunstwerke in seiner dritten und letzten Ruhrtriennale-Saison verfolgt. Er will den Betrachter miteinbeziehen, ihn Teil ästhetischer Experimente werden lassen.

Interaktiv ist daher eine weitere Installation, die während der gesamten Ruhrtriennale-Laufzeit im Landschaftspark Duisburg Nord nicht nur betrachtet, sondern auch benutzt werden kann: Aus einem 70 Meter langen Band aus Aluminiumplatten hat das brasilianische Künstlerduo cantoni crescenti eine begehbare Skulptur nach dem Hüpfburg-Prinzip geschaffen. Sprungfedern lassen das Metallband bei jedem Schritt in Bewegung geraten - und die sich darin spiegelnde Hochofenarchitektur gleich mit. Die Arbeit "Melt" solle wirken wie flüssiges Metall, erläutert die Künstlerin Rejane Cantoni. "Jeder Schritt darauf wird die Wahrnehmung des Raumes verändern", sagt sie und ermuntert zum Laufen und Hüpfen auf ihrer Arbeit.

Ein weiteres Ruhrtriennale-Kunstwerk, das die Wahrnehmung der Besucher herausfordert, ist noch im Bau. Der Grund: Ursprünglich hatte Raumkünstler Gregor Schneider eine Röhrenskulptur geplant, die den Besucher durch Tunnel quer durch das Duisburger Museum Lehmbruck geführt hätte. Der Oberbürgermeister der Stadt lehnte das Objekt aber ab. Er befürchtete, eine mit Raum und Enge spielende Arbeit könne in Duisburg noch nicht geheilte Wunden der Loveparade-Katastrophe aufreißen. Dort starben vor vier Jahren 21 Menschen im engen Zugang zu dem Technofestival-Gelände im Gedränge, Hunderte wurden verletzt.

Für Schneiders Ruhrtriennale-Beitrag wurde kurzfristig eine neue Bleibe gefunden: Im Bochumer Kunstmuseum ersteht zur Zeit ein Rohr- und Raumsystem, das neue Einblicke in das Museum freigeben soll. Freunde der Mitmach-Kunst der Ruhrtriennale müssen darauf aber noch bis zum 29. August warten.

dpa


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