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Konzert

Roxette rocken die TUI-Arena in Hannover - hier Fotos!

Noch einmal wie früher mit Per und Marie auf dem „Joyride“-Swutsch: 7000 Fans feiern in der TUI-Arena die Rückkehr des 90er-Jahre-Hitduos Roxette.
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SHE’S GOT THE LOOK: In der TUI-Arena zeigte sich Marie Fredriksson gestern Abend wieder in bester Verfassung

© Steiner

Hannover. „I’ll feed your heart“ singt Marie Fredriksson in der TUI-Arena, „and blow the dust from your eyes.“ Zwei Versprechen, die vollauf gehalten werden. Denn die Herzen der hannoverschen Fans werden am Donnerstag mit Lieblingsmusik gefüttert, und aller Staub der Roxette-losen Jahre ist bis zur zweiten Strophe jenes ersten Lieds schon weggeblasen. Fredriksson strahlt in silberner Jacke und schwarzem Leder. „I’m gonna get dressed for success“, verkündet sie das Hohelied des Sich-Aufbrezelns. Pop, der ein Rock-’n’-Roll-Kleidchen am Leibe hat. Und Hannover hilft da gern singen: „... shaping me up for the big time, Baby!“

Es ist Fredrikssons zweite „große Zeit“, sie ist von einem Gehirntumor genesen, ihre Überlebenschancen lagen 2002 im einstelligen Prozentbereich. Noch keine zwei Jahre ist es her, da hatte man die blonde Schwedin am selben Ort von der Bühne führen müssen. Ihre Bewegungen waren brüchig, ihr Winken ins Volk matt, ihre Schritte die einer Kristallfrau, die einen gläsernen Körper vorm Zerbrechen bewahren muss. Zwei Nokia Nights lang wurden Roxette 2009 in Hannover mehr für den Mut zur Bühne abgefeiert als für die Qualität ihrer Darbietung. Es schien der Epilog einer Bandhistorie, ein tapferer, trauriger Schlussakkord.

Und jetzt das echte Comeback. 130 Konzerte, immer die volle Distanz, auch in Hannover: „Sleeping in my Car“ und „The Big L.“ kommen. Roxette treten aufs Pedal, Hals über Kopf gehts durch die „Greatest Hits“ bis hin zum glamrockigen „Dangerous“ und dem beatlesken „Joyride“, dem man ein „Wir sind die Niedersachsen“-Gitarrensolo voranstellt.

Perfekter Pop

Alles wird getreu dem Motto von Roxettes Best-of-Sammlung über die Rampe geworfen: „Langweilt uns nicht, kommt zum Refrain.“ Kurz sind diese Songs, knackig, perfekter Pop. Und die Stücke vom eher mittelprächtigen aktuellen Album „Charm School“ kann man an zwei Fingern abzählen. Per Gessle schickt perlende, hallende und auch mal knarzige Töne aus seiner Gitarre, freut sich an der Freude der Fans und lässt ansonsten seiner Partnerin den Vortritt. Die freilich am Mikrofon verharrt, statt wie früher mit sportiven Sprints auf Bühnenpatrouille zu gehen. Und die manches Stück untersingt, weil es halt nicht mehr reicht für die höchsten Töne.

Die dafür aber jetzt mit einer dunkleren, raueren Stimme aufwartet und die Faust des Triumphs in die Luft reckt. „It Must Have Been Love ...“ schwebt herein, die „Pretty-Woman“-Ballade, und die blauen Handy-Fensterchen sind jetzt zahllos. Vereinzelt sieht man auch die hübschen, altmodischen Feuerzeugzünglein, und sogar ein Wunderkerzennest sprüht kurz, Treuebeweise aus dem Liebeslied-Beleuchtungsarsenal der 90er Jahre, der Prämobiltelefonzeit, als Roxette für ein paar Jahre zu den größten Bands der Welt zählten.

Das sind sie jetzt nicht mehr, und schon 2001, vor der Zwangspause, war der Gipfel des Erfolgs ja eine Weile überschritten. Die 7000 aber, die sich in der TUI eingefunden haben, sind der Kern der Getreuen, der garantiert wiederkommt zum nächsten Roxette-Gottesdienst. Und sie untermauern mit ihrem Jubel das Kompliment, das Per und Marie ihnen in „Church of the Heart“ machen: „Ja, es ist wahr, vom Fleck weg hab ich an die Kirche eures Herzens geglaubt.“ Wow! Was für ein Pathos. Alle Herzen sind jetzt pappsatt!

Neues Album

Schön, wenn eine Band ihr Comeback nicht nur auf den Bühnen feiert, sondern es auch mit neuen Liedern garniert. Roxette haben im Februar das Album „Charm School“ veröffentlicht. Die Zauberformel für Superpop wurde neun Jahre nach der durch Marie Fredrikssons Krankheit notwendigen Pause wieder ausgesprochen. Das Album bietet die Roxette-Ära der späten 80er und 90er Jahre im Zeitraffer. Alles da: der Rock, der Pop, schlierige Bögen, glatte Balladen. Viel Nettes, nichts Umwerfendes. Ins Live-Programm wurden nur wenige Stücke übernommen.

Zumindest scheinen Fredriksson und Gessle es – anders als viele andere Gruppen – mit ihrer Rückkehr ernst zu meinen, den zweiten Frühling auf Dauer anzulegen. Parallel zu der laufenden Tour entsteht schon das nächste Album. Der Arbeitsttitel ist „2rism“ und erinnert an das unter ähnlichen Bedingungen aufgenommene „Tourism – Songs from Studios, Stages, Hotelrooms & other strange Places“ von 1992. Die Sessions finden unterwegs statt – in Studios und beim Soundcheck. Wie Per Gessle der schwedischen Zeitung Expressen verriet, wurden auch Bänder mit unveröffentlichten Songs gefunden, die Marie Fredriksson vor ihrer Erkrankung eingesungen hatte. Die Band will sie mit neuen Instrumentalparts bestücken, ähnlich wie das jüngst die Rolling Stones mit „Überbleibseln“ ihres 72er Albums „Exile on Main Street“ machten. Geplanter „2rism“-Erscheinungstermin: Frühjahr 2012.

Die Welttour von Roxette dauert noch bis August 2012, am Ende ihrer Konzertreise wird die Band vor 1,3 Millionen Menschen gespielt haben.


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