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Singt Lieder im Kuppelsaal: Rolando Villazón.

Singt Lieder im Kuppelsaal: Rolando Villazón.
© hc

Weltstar im NP-Interview

Rolando Villazón in Hannover

Warum lieben wir Mozart und das Spiel? Rolando Villazón im NP-Interview.

Hannover. Ein Weltstar kommt in den Kuppelsaal: Rolando Villazón wird einen reinen Liederabend präsentieren. Der Tenor über das hannoversche Publikum, Spiele und seine Karriere als Romanautor.

Rolando Villazon, wir wollen über Ihren Liederabend im Kuppelsaal am 22. September sprechen. Keine Arien, was ist das Besondere an solchen Abenden?

Das ist einfach die Intimität zwischen Publikum und Klavier, Sänger und Stimme. Ich versuche hier eine kleine Reise von italienischen Liedern, die von der Antike bis zu Giuseppe Verdi gehen. Es sind natürlich keine Opernarien, aber Lieder interessieren mich auch… Ich habe hier ganz phantastische Melodien in diesen Liedern gefunden. Bellini, Rossini, Verdi, da klingen schon einfach die Namen – und es ist ein Programm, dass ich schon gesungen habe. Es ist manchmal traurig – man kann träumen – oder auch sehr lustig und explosiv. Es hat etwas von allem.

Apropos explosiv, Sie waren 2010 in Hannover und haben mexikanische Lieder gesungen. Wie erinnern Sie sich an das hannoversche Publikum?

Sie waren ganz begeistert. Das war ganz toll und ein ganz warmes, herzliches Publikum. Und diese „Eviva Mexico“-Rufe. Hier war diese besondere Energie, die man zusammen mit dem Publikum aufbaut.

Was wenige wissen, Rolando Villazon ist nicht nur Sänger, Regisseur, Intendant, sondern auch Autor von dicken Romanen. Wie ist das zu schaffen?

Es gibt immer Zeit im Flugzeug oder beim Warten darauf, ein oder zwei Stunden reichen schon. Ich laufe immer mit einem kleinen Heft herum, in das schreibe ich die ganze Zeit,  und diese Ideen kommen in ein größeres Heft und dann kommt es in den Computer. Wir haben mehr Zeit als wir denken, glaube ich. Diese ganzen Computer, Screens und Smartphones, die nehmen uns die Zeit weg…. Es gibt immer genug Zeit, um einen Satz zu schreiben.

Das Buch heißt „Lebenskünstler“. Wie viel von Ihnen steckt in dem Buch?

Viel und nichts. Es ist keine Autobiographie, aber jedes Buch hat viel mit dem jeweiligen Autor zu tun. Ein historischer Roman ist anders, aber auch da ist der Autor drin. Es gibt ein bisschen von mir in jeder von diesen Rollen. Wer ich bin, ich sein möchte. Aber, und das zeichnet eben Literatur aus, sind diese Charaktere ganz  frei und haben ihr eigenes Leben. Und dieses Paradox soll am Ende des Buches aufgelöst werden…

In dem Buch geht es auch ums Spielen. Wie gerne spielen Sie?

Jedes Spiel hat Regeln. Für mich ist es auch ein Ziel, jeden Tag wie ein Spiel zu empfinden.

Welche Spiele mögen Sie?

Heute gibt es vor allem Computerspiele, und viele von denen sind einfach schlecht. Mir liegt da mehr das einfache Kartenspiel. Eine Definition, was überhaupt ein Spiel ist, ist schwer zu finden, aber auf jeden Fall ein ganz wichtiger Teil unserer Gesellschaft.

Wie Künstler...

Aber ja. Ein Künstler ist natürlich immer jemand, der spielt. Nur: Wenn das Spiel zum Beruf wird, ist es nicht länger ein Spiel. Darin steckt natürlich auch eine gewisse Traurigkeit. Denn es sollte doch so sein: Du spielst nicht um Geld, um Geld zu verdienen, sondern um zu spielen, du singst, um zu singen.  Das muss vom Herzen kommen, das ist ein Teil von dem, wer du bist und ein Teil des Lebens. Im Beruf wird das alles anders. Und die Frage auch für mich ist: Wie kann ich es weiter machen, dass es ein Spiel bleibt?

Sie werden auch Intendant der Mozart-Woche in Salzburg. Da kann man nicht mehr so spielen. Was planen Sie?

Aber es ist auch ein Spiel. Schauen Sie Kindern zu oder einem Künstler, wie er eine Installation macht. Das ist ein sehr ernstes Spiel. Und in diesem Sinne ist künstlerischer Leiter ein wunderbares Spiel. Große Künstler einzuladen mit ihnen eine Saison oder die ganzen fünf Jahre zu planen. Diese Jahre werden eine Reise, jedes Jahr ist wie ein Zyklus angelegt. Es geht um Mozart und das ist die einzige Regel. Wie kann ich das Leben Mozarts nachbauen  durch musikalische Vorstellungen. Und wie kann ich Mozart so den Menschen geben, wie ich ihn fühle. Das sind die Regeln, und nach diesen Regeln spiele ich dieses wunderbare große Spiel.

Was mögen Sie besonders an Mozart?

Die Kombination von etwas Spielerischem und von ganz Ernstem. Er war ein Mann der Aufklärung, aber er war auch ganz spielerisch. Amadeus hat uns dieses wunderbare Genie eines „Enfant Terribile“ gegeben. Aber das war nur ein Teil von ihm. Aber jeder Künstler hat seinen eigenen Mozart – und trotzdem bleibt er immer der Echte.

Sie tragen jetzt Bart, wie auf aktuellen Fotos zu sehen ist?

Nicht mehr, das war nur für die Aufführung von Händels „Ariodante“. Morgen ist er ab.

Oper scheint wieder mehr gefragt zu sein. Jüngere gehen in die Oper. Was ist für Sie der besondere Zauber, was macht die Oper aus?

Es ist eine Sprache der Gefühle. Was wir auf der Bühne sehen, ist das Leben dieser Rollen von innen – und das wird durch das Singen ausgedrückt. Es ist groß, es hat Musik und Melodie. So wie die Rollen die Liebe und die Angst des Menschen ausdrücken. Geschrieben von Komponisten, die es geschafft haben, diese universelle Sprache uns zu überreichen. Das versteht jeder, obwohl wir verschiedene Nationalitäten und verschiede Lebensalter haben. Die Leute, die kommen sind ganz bereit, um diese Gefühle nachzuerleben. Und das mit einer Musik, die auch 100 Jahre alt sein kann. Es gibt eben einen Grund, warum diese Musik noch hier bei uns ist.

Was raten Sie jemandem, der noch nie in der Oper war?

Es gibt zwei Gründe, warum man nicht hingeht. Man hat Angst oder denkt, es wäre langweilig. Man muss keine Angst haben. Es gibt natürlich Stücke, die nicht so interessant sind. Wenn man die langweilig findet, ist das okay, das braucht Zeit. Auch im „Zauberberg“ von Thomas Mann wird es vielleicht ein paar Momente geben, die langweilig sind. Aber es passiert in der Oper ja auch soviel Gutes, dass die langweiligen Momente verschwinden, je öfter wir in die Oper gehen.

Und wie verschwindet die Angst?

Die ist sofort weg, wenn man einmal in der Oper etwas Gutes sieht. Man muss für diese Kunst nicht reich sein oder gelehrt. Man muss einfach hingehen und der Geschichte folgen, sich auf die Großartigkeit einlassen. Und auch wenn ich mal für fünf Minuten einschlafe, ist das okay. Die Musik wir uns dann schon wieder mitreißen.

Von Henning Queren


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