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AUF DEM ROTEN SOFA: Sophie Rois liest im reduzierten Ambiente aus einer Erzählung von Ingeborg Bachmann. © Behrens

Literatur

Rois liest Ingeborg Bachmann

Nichts als Probleme - Sophie Rois las Ingeborg Bachmann im Schauspielhaus. Grauenvoll, kompliziert und belastend: So beschreibt Beatrix, eine junge Frau im Wien der 60er Jahre, ihr einsames Leben. Die 21-Jährige würde am liebsten den ganzen Tag in ihrem Bett verbringen und nichts tun.

Hannover. Ihr größter Traum: „Schlafen. Nichts als schlafen.“ Denn Schlaf ist für sie längst „zu einer Erfüllung geworden, für die es sich lohnt zu leben“. Alle anderen Tätigkeiten im Leben bringen für Beatrix nichts als Probleme mit sich.

Und um eben diese Probleme drehte sich auch bei der Lesung im Schauspielhaus alles. Die österreichische Schauspielerin und Sprecherin Rois hatte aus Bachmanns Erzählung „Probleme, Probleme“ markante Passagen ausgewählt. Die Geschichte über die antriebslose und selbstverliebte Beatrix stammt aus Bachmanns Band „Simultan“ aus dem Jahr 1972 und gilt als ihre wohl heiterste und amüsanteste Erzählung, was im beinahe ausverkauften Schauspielhaus nicht zu überhören war.

Die leicht rauchige Stimme von Sophie Rois passte wunderbar, weil sie der Figur Beatrix eine Stimme von konsequenter Trägheit gab, so gut, dass die Lesung eher einem Schauspiel glich. Mit übergeschlagenen Beinen saß Rois auf dem altmodischen Sofa, las Zeile für Zeile und passte sowohl Gestik als auch Mimik dem Beschriebenen so an, als würde Beatrix selbst auf dem Sofa sitzen.

Um ihren einzigen sozialen Kontakt und ihre heimliche Affäre Erich nicht zu verlieren, muss Beatrix auf ihren Traum vom Nichtstun verzichten und sich wohl oder übel aus ihren verwüsteten vier Wänden hinaus in das tobende Wiener Leben stürzen. Woche für Woche flüchtet sie deshalb in den Friseursalon René, „den einzigen Ort auf der ganzen Welt, an dem sie sich wohl fühlt“.

Denn eine neue Frisur, ein perfektes Make-up und eine gepflegte Maniküre sind neben ihrem Schlaf der einzige Lebensinhalt von Beatrix. Und so kam es so, wie es kommen musste: Beatrix steigerte sich immer mehr in die Einsamkeit hinein, so dass am Ende sogar Tränen flossen. Bei Beatrix vor Verzweiflung, bei den Zuschauern dann doch vor Lachen.

Bewertung: 3/5

VON LARA SAGEN


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