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ARCHIV - Der britische Sänger Robbie Williams, aufgenommen am 26.09.2016 in Berlin. Williams   hat am Donnerstagabend 03.11.2016) in Hamburg-Bahrenfeld ein Geheimkonzert gegeben. Foto: Britta Pedersen/dpa (zu dpa «Robbie Williams gab Geheimkonzert bei Markus Lanz in Hamburg» vom 04.11.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Robbie Williams© Britta Pedersen

NP-Interview

Robbie Williams: "Ich bin immer noch ein Knallkopf"

Neues Album, neue Tournee, die ihn am 11. Juli auch in Hannovers HDI-Arena führen wird: Es läuft für Robbie Williams. Entsprechend gut gelaunt ist der 42-Jährige beim Interview in der Cocktailbar des Berliner Ritz-Carlton.

Mr. Williams, neulich beim iTunes-Festival haben Sie die Hosen runtergelassen und den Blick freigegeben auf Ihren Tiger-Schlüpfer aus dem „Rock DJ“-Video. War das eine Hommage an Ihre wilden Zeiten?
Oh ja, Robbie war wieder ein böser Junge! Aber es ist nicht dieselbe Unterhose wie damals. Ich habe mir ein neues Paar zugelegt. Ich trage eine davon sogar in diesem Moment. Aber das Ganze war nicht meine Idee.

Sondern?
Auf meiner Webseite gibt es einen Bereich, wo ich mich mit Fans austausche. Und ein Fan schlug vor, dass ich den Tiger zurückbringen sollte. Und ich dachte: Recht hat sie! Ich sollte meine ikonenhafte Unterhose wieder tragen, damit ich mich wie eine Ikone fühlen kann.

Sie machen sich in den Sozialen Netzwerken gerne mal nackig. Woher kommt Ihre exhibitionistische Ader?
Es könnte daran liegen, dass ich echt gut in Form bin gerade. Ich bin schlanker als sonst. Ich habe diesmal richtig gehungert und meine Diät voll durchgezogen - denn das mit dem Abnehmen wird nicht leichter, wenn man älter wird. Aber wenn ich anfange, mich dafür zu schämen, wie ich aussehe, dann weiß ich, dass es wieder mal Zeit dafür ist.

Würden Sie dem berühmten Kate-Moss-Satz zustimmen: „Nichts schmeckt so gut wie sich Dünnsein anfühlt?“
Nein. Das gute Gefühl hält ja nie lange. Ich habe am Anfang rasch an Gewicht verloren, und es fühlte sich so großartig an. Ich baute mich vor meinem Kleiderschrank auf und habe all die alten Klamotten aus den 90ern durchprobiert. Meine Frau Ayda beobachtete das vom Bett aus und meinte: „Toll, Babe. Ich freue mich für dich, dass alles wieder passt.“ Und ich dachte mir: Prima, jetzt habe ich eine Sache weniger, um die ich mir bei dieser Platte Sorgen machen muss: um den fetten Robbie! Aber meine Lieblingschips schmecken nun mal auch ganz toll. Meine Süchte und die Art, wie ich ticke, wollen eigentlich nicht, dass ich dünn bin. Ich arbeite also gegen meine Natur.

Ihr Album heißt „The Heavy Entertainment Show“. Wie fühlen Sie sich als Entertainer mittleren Alters?
In Showbiz-Jahren bin ich ein Pensionär - ein Oldie, einfach, weil ich es schon so viele Jahre mache. Aber ich hinterlasse immer noch meinen Fußabdruck in der Popkultur. Ich bin immer noch eingeladen zu der Party. Das ist unglaublich, und ein Vorteil des erfahrenen Entertainers.

In einem der Songs singen Sie: „I woke up on that Stage and it is my Destiny.“ Sind die Unsicherheiten und Bühnenängste weg, die Sie früher plagten?
Nein, die sind immer noch da. Mit dem Song spreche ich mir selbst Mut zu, indem ich sage: „Das ist dein Job, den kannst du.“ Ich dachte, wenn ich darüber schreibe, werde ich zu dem, worüber ich schreibe. Denn mein Gehirn ist voll von Neurosen. Es gab Momente im Studio, wo ich mir sagte: „Du bist 42. Du bist fett. Der Refrain ist nicht groß genug. Kannst du keinen größeren schreiben, Robbie?“ Mein Gehirn manipuliert mich geradezu. Das ist nicht schön, aber das treibt mich auch an.

Wie groß sind denn noch Ihre Ambitionen?
Meine Ambitionen sind immer noch die eines jungen Entertainers. Ich will weiterhin erfolgreich sein. Ich will die großen Hits. Ich will in Stadien auftreten. Das alles scheint sehr wichtig zu sein für mich und mein Ego. Aber vielleicht muss ich Erfolg auch neu definieren - speziell jetzt, wo ich ein älterer Popstar bin. Damit befasse ich mich aber erst, wenn ich weiß, wie das Album gelaufen ist.

Sind deswegen zwei Robbies, die gegeneinander boxen, auf Ihrem Albumcover?
Sie boxen gegeneinander, weil das der letzte große Kampf ist. Es geht nicht mehr um die anderen Künstler, es geht darum, was zwischen meinen beiden Ohren vor sich geht und wie ich auf Dinge reagiere. Der letzte Fight ist also der gegen sich selbst.

Im Eröffnungssong der neuen Platte singen sie von toten Legenden und davon, dass Sie nun der Heilsbringer sind. Sehen Sie sich als Legende?
Der Text ist reine Pantomime, ich bediene mich nun mal gerne der Theatralik, um es interessant zu halten. Aber sehe ich mich selbst als Legende? Nein, nicht wirklich. Es bringt Spaß, darüber zu singen. Aber als all die Legenden in diesem Jahr starben, fragte ich mich natürlich schon: „Wer nimmt jetzt ihren Platz ein?“

„David’s Song“ heißt das Lied, das Sie Ihrem langjährigen Manager David Enthoven widmen, der im August verstarb. Sie haben ihn als Ihren Retter bezeichnet. Inwiefern?
Er hat mich viele Male gerettet. Er war seit 1996 nicht nur mein Manager, sondern auch mein spiritueller Vater und treuer Freund. Er war sehr weise. Er gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich weiß nicht, wer ihm dieses Gefühl von Sicherheit gab. Ich habe das nie hinterfragt. Er hatte früher Probleme mit Heroin und anderen Substanzen, aber er hat das in den Griff bekommen, wurde clean und hat sein Leben dementsprechend gelebt. Später hat er dadurch mir das Leben gerettet. Denn meine Drogen-Abhängigkeit brachte mich mehr als einmal an einen Platz in meinem Leben, wo es rasch hätte vorbei sein können. David war für mich die führende Hand, er brachte mich wieder auf die Spur, kümmerte sich liebevoll um meine Karriere und meine Gesundheit.

Fehlt Ihnen da nicht etwas, wenn Sie jetzt Ihr Album herausbringen?
Da ist ein riesiges Loch, das nie wieder geschlossen sein wird. Aber David war sehr couragiert. Wenn es etwas gäbe, dass er sich von mir und meinen Leuten wünschen würde, dann wäre es gewesen, mit Güte und so viel Spaß wie möglich weiterzumachen. Also sind wir jetzt alle ganz tapfer. The Show must go on.

Was lässt Sie heute gut fühlen?
Ich ziehe heute das Gefühl von Sicherheit daraus, in einer fantastischen Beziehung zu sein, mit einer wundervollen Frau, die mich glücklich macht. Und ich habe zwei fantastische Kinder, die meinem Leben eine Bestimmung geben.

Mit der neuen Single „Love My Life“ haben Sie ein Lied für Ihre Kinder geschrieben.
Ja, es ist für Teddy und Charlie. Auf gewisse Weise sind sie die Antwort auf alle meine Probleme. Die Probleme, die ich später bekam, haben ihre Basis in meiner Kindheit, und ich will diesen Kreis durchbrechen. Ich will meinen Kindern alles bieten, damit sie sich geliebt und sicher fühlen können. Meine Eltern haben einen großartigen Job gemacht, trotz ihrer Trennung machten sie es so gut es ging. Aber meine Kinder leben in einer richtigen Familie. Und ich hoffe, dass sie sich deshalb später wertzuschätzen wissen und sich selbst mehr lieben können als ich es tat.

Hat das Vatersein Ihre Musik verändert?
Nein. Ich schreibe immer noch Lieder, die „Motherfucker“ heißen, und das handelt von meinem Sohn. Ich bin immer noch ein blöder Knallkopf.

Momentan geht viel Unschönes in der Welt vor sich. Beunruhigt Sie das als Vater?
Ich bin sehr isoliert davon. Ich lebe in der Blase eines Popstars. Wenn man den Medien Glauben schenken darf, war es noch nie so schlecht um die Welt bestellt wie derzeit. Aber das glaube ich nicht, das sehe ich nicht. Und ich hoffe, dass ich meine Kinder so gut es geht beschützen kann vor all dem Bösen. Meine Realität ist, dass mein Leben großartig ist, wir führen ein wundervolles Leben mit wundervollen Möglichkeiten. Ich kenne nicht die Realität anderer Menschen. Ich möchte auch lieber in meiner Blase bleiben.

Ed Sheeran hat einen Song zur Platte beigesteuert. Ein Freund von Ihnen?
Ich mag ihn sehr. Dass er auf der Platte ist, ist einem meiner neurotischen Momente zwei Wochen vor Abgabe der Platte zu verdanken. Es war nachts, Ayda schlief schon, und ich bekam Panik. Ich fragte mich: „Ist da überhaupt ein Hit auf meiner Platte? Mist, ich habe keine Hits.“ Dann fiel mir ein, dass ich die Email-Adresse von Ed Sheeran habe. Ich fragte ihn also: „Hast du einen Hit für mich übrig?“ Er schickte mir „Perfect Woman“, für den ich dann noch den Refrain schrieb. Wir waren leider nicht zusammen im Studio. Aber ich ziehe bald in mein neues Haus im Westen von London direkt um die Ecke von Ed. Dann werden wir uns öfter sehen.

Jimmy Page von der Hardrock-Band Led Zeppelin wohnt dann direkt in der Villa neben Ihnen. Er hat Sie jüngst in einer Boulevard-Zeitung als „Nachbar aus der Hölle“ bezeichnet, weil Sie ihn seit einem Jahr mit Renovierungslärm nerven. Ist das für Sie ein Kompliment aus seinem Munde?
Ich glaube ja nicht, dass er das wirklich gesagt hat. Ich weiß auch nicht, ob ich der Nachbar aus der Hölle bin - wir sind ja noch nicht mal dort eingezogen! Aber ich liebe die Tatsache, dass es sich bei der Angelegenheit um Jimmy Page handelt. Es hätte ja auch Jimmy Smith, der Bankangestellte oder der Anwalt, sein können. Aber nein, es ist DER Jimmy Page von Led Zeppelin. Und er hat ein Riesenproblem mit meinem Haus, und deshalb ist es immer wieder in der Presse. Es liegt auch an ihm, dass es so lange für uns gedauert hat, unser Haus zu beziehen, und das ist echt ein Schmerz am Arsch. Aber hey: Es ist Jimmy Page, das ist der lustige Part an der Geschichte.

Ziehen Sie denn jetzt wieder ganz nach London?
Wir werden zwischen Los Angeles und London pendeln. Das bedarf viel Planung, aber das kriegen wir hin. Die Kids werden in beiden Städten zur Schule gehen. Ich sehe es als Geschenk und Segen für unser erstes Kind Teddy, dass ihr Daddy in Großbritannien arbeitet und auch ein Leben in Los Angeles hat.

Man hört Sie „Auf Wiedersehen“ singen in einem Ihrer neuen Songs.
Ja, das ist ein Gruß an meine deutschen Fans. Es gibt eine B-Seite von mir von ganz früher, die heißt „Berliner Star“ - die müssen Sie sich mal anhören. Da ist noch mehr feines Deutsch enthalten.

Sie hatten bereits in einem Werbespot für Volkswagen Ihre Deutschkenntnisse unter Beweis gestellt. Können Sie denen bei Ihren Image-Problemen helfen?
Alles eine Sache des Geldes! (lacht) Nein, mal im Ernst. Ich hatte schon als Kind eine Affinität zu Volkswagen. Ich dachte damals, ich wäre ein Beastie Boy. Ich zog also los, habe ein Volkswagen-Zeichen von einem Autos gestohlen und mir um den Hals gehängt. Ich fand immer, dass der Golf GTI das perfekte Auto für echte Kerle ist.

Es gibt Gerüchte, dass Sie im kommenden Jahr mit Take That auf Jubiläumstour gehen werden. Ist da was dran?
Nicht nächstes Jahr. Ich habe einfach keine Zeit. Mein Terminplan ist voll. Denn ich habe jede Menge vor mit dieser Platte. Ich werde lange auf Tour sein damit. Ich habe aber fest vor, mich in der Zukunft wieder den Jungs anzuschließen.

Katja Schwemmers


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