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Konzert

Robbie Williams: Heavy Entertainer im Glück

Die „Heavy Entertainment Show“ ist endlich in Hannover angekommen! Komplett ausverkauft für Robbie Williams, einen der erfolgreichsten Solokünstler der Welt. Viele Fans warten schon ungeduldig und einen Abend vorher vor der Arena. Denn vor fast genau vier Jahren, zur „Take the Crown“-Stadium-Tour, lobte Robbie das hannoversche Publikum mit den Worten „Hannover war der beste Auftritt der Tour, unglaublich, die Atmosphäre und die Energie!“.

Hannover. Doch erst spielen die britischen Synthie-Popper von Erasure, um den früheren Depeche-Mode-Gründer Vince Clarke, Disko-Kracher wie „Sometimes“. So verkürzen sie die Wartezeit mit ihrem Mix aus 80er- und 90er-Hits und neuen Songs, wie „Love you to the Sky“. Nach einem kurzweiligen Bühnenumbau, bei dem täuschend echt aussehende Arbeiter auf die Leinwände projiziert werden, die in aller Ruhe Williams’ Konterfei aufkleben und dabei Kaffee trinken oder telefonieren, pumpen die Boxen „God Bless our Robbie“ in den noch hellen Abendhimmel.

Es ist Robbies persönliche Nationalhymne, theatralisch, zwischen Größenwahn und Selbstironie. Ein Chor singt vom „King of Song“, kündigt ihn als „Die Legende“ und „Der Unschlagbare“ an. So etwas dürfen sich nicht viele Künstler leisten. Angelehnt an das Musikvideo des Openers „Heavy Entertainment Show“, wächst der Sänger aus dem Bühnenboden in einer rot-weißen und goldfarbenen Boxerrobe, um gleich den Mund sehr voll zu nehmen: „I am Robbie Fucking Williams, and this evening your ass is mine!“

Mit dem Song „The Heavy Entertainment Show“ beginnt er sein Programm. Sekunden später wirft er den Mantel ab und zeigt einen schwarzen Faltenrock, den er sogleich bereitwillig lüftet, um seinen knackigen Hintern zu promoten. Robbie sieht mit seinem Rock und einem schwarzen T-Shirt mit rot-weißem Stern aus wie ein englischer Gladiator. Große Klappe, viel dahinter – Bescheidenheit ist nicht seine Zier, und „The Heavy Entertainment Show“ – das ist ein Versprechen.

Es wird eine wirklich bombastische Show vor 45 000 Besuchern im Fußballstadion gestern Abend. Mit lauten „Robbieeee!“-Rufen feiern ihn seine „Untertanen“ von Anbeginn. Als sexy Sparringspartner dienen ihm die gelenkigen Tänzerinnen, die im Verlauf des Abends viele Kostüme tragen werden, die Konfetti-Kanone zündet das erste Mal nach einer Viertelstunde.

Die breite Bühne samt Laufsteg ermöglicht Robbie Tuchfühlung mit den Fans. Denn es gibt neuerdings ein Ritual – auf nackten Brüsten unterschreiben! Angefangen hat das vor kurzem beim Konzert in Düsseldorf, dieses Mal will er aber den Babybauch einer schwangeren Frau küssen. Robbie ist ein Unterhaltungsgladiator. Und unter dem Gladiatorenrock schimmert seine schwarze Unterhose.

Zwei zehn Meter große Williams-Konterfeis in Boxoutfits stehen sich an den Bühnenseiten gegenüber –  das Cover-Design des neuen Albums dient vor allem als Videoprojektionsfläche. Feuerwerk und eine ausgefeilte Licht-und-Laser-Show setzen die Bühne perfekt in Szene. Robbie hat Sinn für Humor: Die Tänzerinnen twerken (wackeln mit ihren Hinterteilen), und Robbie twerkt mit. Die Hälfte der Frauen im Publikum kämpft jetzt mit ihrem Kreislauf, die andere Hälfte ist versteinert.

Robbie Williams gibt den Rockstar, den Charmeur, den liebenden Sohn und Papa. Doch seine Bewegungen sind ruhiger, sein Konzert ist kürzer geworden. Robbie Williams ist mittlerweile 43 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder.
Und er beherrscht immer noch die gesamte Gefühlsklaviatur. Sofort ist er der weltbeste Unterhalter, der das Stadion zum Beben bringt – ein König des Pops. Aber auch sein eigener Hofnarr. Zwischendurch erzählt er Geschichten vom Familienglück, von Tochter und Sohn, von seiner Frau, der Amerikanerin Ayda Field. Robbie singt ein paar Songs des letzten Albums – „The Heavy Entertainment Show“ ist sehr rockig und kräftig, „Party like a Russian“ provoziert – „I’m a modern Rasputin, party like a Russian, end of discussion“.

Zu „Love my Life“, das Leben als ewiger Kampf, kreist Robbie auf einem Boxhandschuh über den Köpfen der Fans. Dann holt er Diana aus Hannover zu „Some­thing Stupid“ auf die Bühne, der kurze Auftritt endet mit Selfie und Küsschen – das kommt an beim Publikum.

Plötzlich kommt Robbies Vater auf die Bühne und singt mit seinem Sohn   „Sweet Caroline“, den Neil-Diamond-Klassiker. So wie früher im Wohnzimmer, Seite an Seite, sitzen sie auf dem karierten Sofa. Nach „Freedom“, dem Hit des verstorbenen George Michael, ist dann Zeit für Nostalgie, für „Feel“, für „Angels“, da stehen vielen Besuchern die Tränen in den Augen; und ihm ebenso, als er ins Meer aus Handy-Taschenlampen und Feuerzeugen blickt und die Massen dirigiert.

Für „Come Undone“, „Kids“ und den rockigen, trockenen „Rock DJ“ setzt er sich auf die Bühnentreppe, da wäre er früher über die Bühne geflitzt. Einsam steht der Star jetzt auf der Bühne, der kleine, große Unterhalter, ein Sinatra unserer Zeit. Er erzählt, dass er vor seinem Auftritt gestürzt sei und trotz der Spritzen starke Schmerzen habe – aber das hält ihn und seine Show nicht auf.

Und so singt Robbie zum Abschied „My Way“ mit seinem alten Kompagnon Guy Chambers – sein wichtigster musikalischer Wegbereiter –    und lässt sich danach ordentlich feiern. Schweigend und staunend, über die Begeisterung im weiten Rund, und wohl auch über den eigenen Zauber. Ein fantastischer Abend, eine große Show


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