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Kultur Ritterrüstungen für „König Karotte“
Nachrichten Kultur Ritterrüstungen für „König Karotte“
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16:32 31.10.2018
Kampfbereit: Die Rüstung sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Quelle: Queren
Hannover

Große Oper kann ganz schön schwer sein, in diesem Fall 200 Kilogramm aus purem Stahlblech. Hier aufgeteilt auf acht imposante Rüstungen – die ihren großen Auftritt in der aktuellen Premiere von „König Karotte“ am kommenden Wochenende haben werden.

Dann wird eine handliche Blechbüchsen-Armee an einer entscheidenden Stelle aufmarschieren. Dafür müssen die Rüstungen allerdings erst einmal bewegt werden. Durch Komparsen, durchtrainierte – nein nicht nur Männer, eine Frau ist auch fit genug für das stählerne Outfit. „Ein knallharter Job“, weiß Markus Ahrenstedt, der Rüstmeister der Staatsoper, der das Blech anpassen muss. Obwohl: „Es ist doch eher so, dass die Rüstung ihren Träger sucht.“ Der dann mit reichlich Schweißfluss und Muskelverspannungen zu rechnen hat – denn agiert wird im grellen Scheinwerferlicht, und Rüstungen haben keine Klimaanlage.

Für den besonderen Effekt werden die Komparsen ganz kurz vor ihrem Auftritt angekleidet, alles hinter der Bühne muss entsprechend geräuscharm gemacht werden, damit im Publikum keiner ahnt, dass es gleich ganz laut und mächtig scheppern wird. „Das ist auch eine logistische Herausforderung“, so der Rüstmeister, der Herr über 23 000 Einzelteile ist, die die zahlreiche Opernproduktionen ebenso ansehnlich wie ausdrucksstark machen sollen. Nicht nur insgesamt 16 Rüstungen lagern in den Katakomben unter dem Opernhaus, sondern auch eine Menge an Schusswaffen, die für eine kleine Armee ausreichen würde – nur sind sie allerdings und zum Glück unbrauchbar.

Und der Trend geht tatsächlich zur Schusswaffe – in vielen Neuproduktionen hat das M16 oder der klassische Karabiner das Schwert ersetzt. In der Ausstattung spiegelt sich eben auch die Entwicklung der zeitgenössischen Regie wieder. Die deutlich weg geht von den Hieb- und Stichwaffen und selbst beim „Tristan“ nicht auf den echten Schuss verzichten mag.

Und bei den Wünschen der Regisseure muss der Rüstmeister manchmal argumentativ eingreifen. „Wenn einer da 125 Patronen verschossen haben möchte, weil es sein Konzept eben so vorsieht, stoppen wir das.“ So eine Knallerei habe auf einer Opernbühne nichts zu suchen

Und das Schwierigste? Der Rüstmeister überlegt ein wenig: „Das ist Wagners Schwert aus dem ’Ring des Nibelungen’.“ Das muss ganz präzise an einer exakt bestimmten Stelle zerspringen.“ Passiert das früher oder zu spät, ist der Effekt weg, peinlich, peinlich. Und damit das nicht passiert, muss der Rüstmeister zum Erfinder und Feinmechaniker werden: „Wir schaffen das in Hannover mit einem trickreichen Federzug.“

Und, wird er sich auch einmal den „König Karotte“ anschauen, sehen, wie seine Rüstungen wirken? „Wird leider nie gehen, denn ich muss die Ritter ja bei jeder Aufführung ankleiden.“ Seine Frau wird ihm berichten, die sitzt bei der Premiere im Publikum.

Hier ist die Karotte König: Selten aufgeführt wird dieser Geniestreich von Jacques Offenbach („Orpheus in der Unterwelt“). Die Story: Prinz Fridolin XXIV. ist ein durchschnittlicher Regent – verantwortungslos, vergnügungssüchtig und verschwenderisch. Das will sich das königliche Gemüsebeet nicht mehr gefallen lassen und rebelliert. König Karotte und sein Gefolge aus Radieschen, Zwiebeln und Roten Beten übernehmen die Macht. Mitreißend, pulsierend und ungemein theaterwirksam ist Offenbachs Musik. Witzig, bissig und brisant wirkt Sardous Text auch heute noch, gesättigt mit literarischen und politischen Anspielungen.

Premiere ist am Sonntag, 4. November, ab 18.30 Uhr. Tickets ab 24 Euro.

Von Henning Queren

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