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REVOLVERHELDEN: (v.l.) Kristoffer Hünecke, Niels Grötsch, Johannes Strate und Jakob Sinn in der Kneipenkulisse der „MTV Unplugged“-Produktion.© Bernschneider

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Interview

Revolverheld Jakob Sinn über die Unplugged-Tour

Unverstärkt ganz stark: Ihr „MTV Unplugged“-Album war vergangenes Jahr ein Riesenerfolg für die Hamburger Band Revolverheld. Jetzt kommen sie damit auf Tour - das Hannover-Konzert kommende Woche Sonntag in der Swiss-Life-Hall ist seit Wochen ausverkauft. Ein Interview mit Schlagzeuger Jakob Sinn (35).

„MTV Unplugged in drei Akten“ schaffte vergangenes Jahr die höchste Platzierung in den Album-Charts der Revolverheld-Geschichte, nämlich Platz zwei. Wie sehr hat Sie als Band dieser Erfolg eigentlich überrascht?

Wir hatten das natürlich gehofft, davon ausgehen kann man ja nie. Wir waren sehr aufgeregt, hatten schon ein gutes Gefühl. Es war eine Riesenerleichterung, als wir merkten, es gefällt den Leuten.

Sie haben für die Produktion ja nicht nur ein Konzert unverstärkt heruntergespielt, sondern es richtig inszeniert, mit drei Akten, kleiner Rahmenhandlung, vielen Gast-stars, unterschiedlichen Instrumentierungen ...

Ich glaube, die Leute merken, ob irgendwo Liebe und Herzblut drinstecken. Es hat Zeit und viel Arbeit gebraucht von der ersten Planung bis zum endgültigen Konzert. Wenn wir etwas machen, versuchen wir, es so gut wie möglich zu machen.

Wir groß ist die Aufregung jetzt vor der Tour?

Sehr groß. Denn dieses Konzert in drei Akten jeden Abend - und auch das Gefühl, das wir bei der Aufzeichnung hatten - wieder auf die Bühne zu bringen, ist eine große Herausforderung. Wir hatten noch nie so viele Leute dabei wie auf dieser Tour ...

Es gibt also auch live eine Drei-Akt-Struktur?

Ja, ohne zu viel verraten zu wollen: Es gibt diese Struktur. Es gibt ein kleines Orchester, mit Streichern, Bläsern, Percussion, Backgroundsängerinnen ... Auch über das Bühnenbild haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht.

Wird es wieder diese gemütliche Kneipensituation geben?

Vielleicht (lacht). Alle Featuregäste werden wir natürlich nicht dabei haben, aber immer wieder jemanden.

Wer wird in Hannover dabei sein?

Das kann ich noch nicht sagen, da es noch nicht feststeht. So etwas ergibt sich kurzfristig.

Wird der Auftritt so eine Art konzertante Aufführung des Albums werden, oder löst Ihr Euch davon?

Wir orientieren uns am Album, denn das ist ein stimmiges Gesamtkonzept. Es gibt keinen Grund dafür, da noch etwas durcheinanderzuwürfeln. Aber es wird ein paar Specials geben - wir waren nie eine Band, die einfach ihr Programm herunterspielt.

Wird es denn wieder die Schreibmaschine und die Koffer als Percussion-Instrumente geben?

Klar.

Stimmt es, dass Sie der Soundtüftler der Band sind und sich so etwas ausdenken?

Die Percussion? Klar. Als Schlagzeuger ist das meine Baustelle. Und da habe ich halt etwas gesucht, was irgendwie in diese Kneipenatmosphäre passt. Aber das meiste ist natürlich eine gemeinschaftliche Sache.

Was ist generell Ihre Rolle in der Band?

Als Schlagzeuger bin ich schon das Fundament.

Das ist jetzt aber sehr Mucker-Klischee-mäßig.

Naja, wenn ich Scheiße baue ... Ich vergleiche das immer mit einer Fußballmannschaft: Ich bin der Torwart, Johannes der Stürmer, und Niels und Kris sind die Mittelfeldspieler. Aber dieses Mal spielen viel mehr Leute mit, auf der Bühne und dahinter. Wir waren sonst immer mit einem Bus unterwegs und einem Truck. Jetzt sind es drei Nightliner und fünf Trucks geworden.

Was kann danach noch kommen?

Wir sind immer eine Band gewesen, die sich nicht auf dem, was war ausgeruht hat. Was auch immer - und wann auch immer - auf dem nächsten Album passiert: Es wird eine Veränderung sein. Aber dieses Jahr wird erst einmal live gespielt.

Und danach gibt es eine Bandpause? Oder glucken Revolverheld sowieso ständig aufeinander?

Mittlerweile sind wir ruhiger geworden. Unsere Welt ist sehr schnell geworden - aber die Ergebnisse davon sind nicht immer die besten. Das mussten wir auch erst lernen. Auch die Pause zwischen den Alben „In Farbe“ und „Immer in Bewegung“ hat uns als Band gutgetan, auch weil sich jeder einmal solo austoben und die gewonnenen Eindrücke wieder mit zurück in die Band nehmen konnte. Dadurch konnten wir, glaube ich, thematisch und auch musikalisch auch einen Riesenschritt tun.

Und der nächste große Schritt steht dann nach der „Unplugged“-Tour an?

Das kann ich jetzt wirklich nicht sagen. Aber still stehenbleiben werden wir nicht.

INFO

Von der Kneipe ins Großstadtleben und schließlich an die Küste: In drei Akte mit jeweils unterschiedlicher Kulisse haben Revolverheld ihr „MTV Unplugged“-Konzert geteilt. Durch die Show führte Schauspieler Oliver Wnuk als angeblicher Kneipier und Erzähler. Aufgenommen wurde mit großer Orchesterbesetzung und teils origineller Instrumentierung. So wurden Schreibmaschinen und Koffer für die Percussion genutzt. Als Gäste wirkten unter anderem Sängerin Sängerin Annett Louisan, Rapper Das Bo, Songwriter Michel van Dyke und Schriftsteller Heinz Strunk (an der Querflöte) mit. Aufgezeichnet wurde im Frühjahr vergangenen Jahres in Hamburg. Nach der Veröffentlichung im Oktober schoss das Album prompt auf Platz zwei der Charts. Die meisten Stationen der nun anstehenden Tour sind ausverkauft, so auch das Konzert in Hannover.


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